Ansturm auf Alibaba-Aktie in New York

New York  Mit einem Riesensatz ist die Aktie von Alibaba an der New Yorker Börse gestartet. Der Schlusskurs lag weit über dem Ausgabepreis.

Jack Ma (mitte), Gründer und Chef des chinesischen Onlinehändlers Alibaba, beim Börsengang in New York.

Foto: dpa

Jack Ma (mitte), Gründer und Chef des chinesischen Onlinehändlers Alibaba, beim Börsengang in New York. Foto: dpa

Dem chinesischen Onlineriesen Alibaba ist am Freitag bei seinem Rekord-Börsengang ein fulminanter Erfolg gelungen. Zum Start an der New Yorker Börse sprang die Aktie überraschend deutlich auf 92,70 Dollar. Das war ein Plus von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

Zwischenzeitig schnellte der Kurs sogar bis auf 99,70 Dollar hoch. Zum Handelsschluss landete das Papier mit 93,89 Dollar bei einem Plus von gut 38 Prozent.

Alibabas Aktienpremiere war ein Projekt der Superlative: 320 Millionen Anteilsscheine zum Ausgabepreis von 68 Dollar, Emissionserlös 21,8 Milliarden Dollar. Mit den den Zeichnungsrechten der Investmentbanken erreicht das Volumen 25 Milliarden Dollar. Es ist damit der bisher größte Börsengang. Firmengründer Jack Ma hatte zuletzt auch kräftig die Werbetrommel gerührt.

Der Andrang war seit dem Morgen gewaltig: Die Aktienbörse war mit Bannern des chinesischen Onlinekonzerns geschmückt, davor drängten sich die Journalisten, Händler und Offizielle um Firmengründer Jack Ma und sein Team. Das „Krokodil vom Jangtse“ verzichtete jedoch darauf, persönlich die Börsenglocke zum Handelsstart zu läuten. Stattdessen ließ der Konzernchef acht Alibaba-Kunden den Vortritt, um das Firmenmotto „Customers first“ symbolisch zu untermauern.

Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld bei Investoren einsammeln können. Die bislang größten Börsengänge in den USA gelangen der Kreditkartenfirma Visa 2008, dem Autobauer General Motors bei seinem Neustart 2010 und Facebook im Jahr 2012. Weltweit liegt die Agricultural Bank of China bislang an der Spitze.

Alibaba ist beim tatsächlichen Handelsvolumen nach eigenen Angaben größer als Amazon oder Ebay. Zu den großen Handelsplätzen des Konzerns gehören die Plattformen Taobao, Tmall und Juhuasuan. 231 Millionen Käufer und acht Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab.

Alibaba wird an der Wall Street trotz seiner Größe ein Exot sein. Außerhalb Chinas war der Konzern bislang vergleichsweise unbekannt. Die Konzernstruktur mit etlichen Beteiligungsverzweigungen und verstrickten Eigentumsverhältnissen ist für Außenstehende nur schwer zu durchblicken. Außerdem kritisieren Analysten die Machtballung im engen Führungszirkel um Gründer Jack Ma.

Trotzdem war die Nachfrage der Investoren nach den Aktien bereits im Vorfeld des Börsengangs so riesig, dass der Konzern das obere Ende der Preisspanne für seine Anteilsscheine am Dienstag erhöht hatte. Am Ende war der Ausgabepreis auf 68 Dollar festgelegt worden.

Mit Sondersendungen im Fernsehen und Sonderausgaben von Zeitungen waren Millionen Chinesen auf den Börsengang eingestimmt worden. Stunden vor dem erwarteten Aktiendebüt in New York verfolgten knapp 23 Millionen Nutzer Diskussionen um Chancen und Risiken von Alibaba auf Chinas größtem Mikroblog Sina Weibo. Gleichzeitig gab es jedoch auch Kritik. Wegen der strengen Kapitalverkehrskontrollen ist es den meisten Chinesen nicht möglich, Aktien im Ausland zu kaufen. Ein Nutzer kritisierte online: „Das ist doch paradox: Eine chinesische Firma geht an die Börse, und Chinesen können nicht mitbieten.“

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