Daimler verkauft Standorte in der Region

Braunschweig  56 Häuser sollen verkauft werden. Auch die Häuser in Braunschweig, Helmstedt und Wolfsburg will der Konzern im Zuge der Neustrukturierung abgeben.

Keine zwei Wochen ist es her, da demonstrierten die Beschäftigten in Braunschweig um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Foto: Peter Sierigk (Archivbild)

Keine zwei Wochen ist es her, da demonstrierten die Beschäftigten in Braunschweig um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Foto: Peter Sierigk (Archivbild)

Daimler will sich im Zuge der Neustrukturierung seines Niederlassungsnetzes von mehr Standorten trennen, als bislang geplant. Auf entsprechende Eckpunkte haben sich die Unternehmensleitung und der Betriebsrat geeinigt. Die schwäbische Autoschmiede wird demnach 56 von insgesamt 158 Autohäusern und Werkstätten konzerneigener Niederlassungen verkaufen. Das teilten der Konzern und die Arbeitnehmervertreter am Dienstag mit. Zuvor war nur von 36 Häusern die Rede gewesen.

„Jetzt haben die Beschäftigten für eine absehbare Zeit eine recht vernünftige Absicherung und berufliche Perspektive.“
Detlef Kunkel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Braunschweig.

„Die Standorte in Braunschweig, Helmstedt, Wolfsburg, Goslar und Seesen sollen verkauft werden“, sagte eine Daimler-Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Dies werde mittelfristig geschehen. Zunächst einmal aber soll die Niederlassung in Braunschweig, zu der die Standorte in Wolfsburg, Helmstedt, Goslar und Seesen gehören, mit den Niederlassungen in Hannover und Kassel-Göttingen fusionieren. Das soll bis 2015 erfolgen. Wo der Sitz der neuen Vertriebsdirektion Mitte ist, ist noch offen.

Wie Konzern und Betriebsrat mitteilten, soll es keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2023 geben. Bisher war dies nur bis 2017 der Fall gewesen. Zudem sollten die Beschäftigten beim Verkauf eines Standortes nicht gegen ihren Willen zum neuen Arbeitgeber wechseln müssen, sagte die Daimler-Sprecherin. Hier müsse man andere Lösungen finden. Offenbar geht es darum, den Betroffenen dann eine Arbeit an einem anderen Standort anzubieten, der weiterhin zum Konzern gehört.

Wer allerdings zum neuen Eigentümer eines bisherigen Daimler-Standorts wechselt, der soll einen „Nachteilsausgleich“, also Geld, erhalten. Aber auch hier sind die Details nach Unternehmensangaben noch offen. Es sollen aber auch die Fragen der Altersvorsorge oder des Rückkehrrechts eine Rolle spielen.

Zugleich versprach Daimler, in den kommenden Jahren 500 Millionen Euro in bestehende Standorte zu investieren. „Dies ist ein klares Bekenntnis zum konzerneigenen Vertrieb, der nachhaltig gestärkt und wettbewerbsfähig gemacht wird“, betonte PKW-Vertriebschef Ola Källenius.

Noch vor wenigen Wochen rechnete die IG Metall damit, dass sich die Verhandlungen mit dem Unternehmen bis in den Herbst ziehen könnten. Dass es nun so schnell zu den Eckpunkten kam, schreibt der Erste Bevollmächtigen der IG Metall in Braunschweig, Detlef Kunkel, auch den Protesten der Belegschaft zu. Keine zwei Wochen ist es her, dass beispielsweise die Beschäftigten am Standort Braunschweig um den Erhalt ihrer Jobs gekämpft hatten. Insgesamt bewertet Kunkel den Kompromiss, der nun als Basis für weitere Gespräche dient, als „guten Verhandlungserfolg. Jetzt haben die Beschäftigten für eine absehbare Zeit eine recht vernünftige Absicherung und berufliche Perspektive“, sagte Kunkel unserer Zeitung. Als besonders positiv hob er dabei den Kündigungsschutz bis 2023 hervor.

Ein verhalten positives Fazit zog auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht: „In die Niederlassungsorganisation wird nun massiv investiert, die Netzstruktur wird weiterentwickelt– wir erwarten, dass die Niederlassungsorganisation mit diesem Maßnahmenpaket für einen sehr langen Zeitraum stabil bleibt“, sagte er. Man habe „dafür gesorgt, dass eventuelle Nachteile, die den Beschäftigten aus einem Verkauf entstehen, umfassend ausgeglichen werden.“

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