Amazon erwartet mehr Verluste

Seattle  Die Aktien des Online-Händlers gaben gestern um rund 10 Prozent nach.

Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos.

Foto: MIchael Nelson/dpa

Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezos. Foto: MIchael Nelson/dpa

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat seine Aktionäre mit einem hohen Verlust verärgert. Im zweiten Quartal schrieb das US-Unternehmen wegen hoher Investitionen in Dienste und Produkte rote Zahlen von 126 Millionen Dollar – umgerechnet 94 Millionen Euro. Vor einem Jahr lag das Minus bei 7 Millionen Dollar, umgerechnet 5,2 Millionen Euro. Für das laufende Quartal rechnet Amazon sogar mit einem operativen Verlust von bis zu 810 Millionen Dollar (601 Millionen Euro). Die Aktie rutschte am Freitag um rund 10 Prozent ab.

„Wir arbeiten hart daran, das Einkaufserlebnis bei Amazon stetig zu verbessern“, erklärte Firmengründer und -chef Jeff Bezos am Sitz in Seattle. Sein Ziel ist es, rasch Marktanteile zu gewinnen, neuerdings etwa durch Lieferungen am Sonntag in den USA. Amazon wuchs bis zuletzt tatsächlich rasant: Der Quartalsumsatz stieg um 23 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar (14,3 Milliarden Euro). Bezos teurer Expansionskurs nagt aber am Gewinn und lässt Amazon immer wieder in die Verlustzone rutschen.

In der Vergangenheit waren die Anleger grundsätzlich einverstanden mit der Strategie des Firmengründers. Sie honorierten niedrige Gewinne und auch rote Zahlen mit weiteren Kurssteigerungen. Doch die kritischen Stimmen mehren sich. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie schon vor den jüngsten Zahlen ein Zehntel ihres Werts verloren. Die Aussicht auf einen noch größeren Verlust im kommenden Quartal ließ die Investoren nun flüchten.

Kritik muss sich Amazon auch aus anderen Ecken gefallen lassen: Gewerkschafter kritisieren die Arbeitsbedingungen, und einzelne Buchverlage beklagen eine Gängelung durch den Versandriesen: Während Verhandlungen waren ihre Buchtitel plötzlich schwer zu bestellen. Jüngst hatte Amazon in den USA sogar eine E-Book-Flatrate eingeführt, bei der Kunden für knapp zehn Dollar (7,40 Euro) im Monat Zugang zu 600 000 Titeln bekommen.

Auch für das laufende Quartal peilt Amazon ein kräftiges Umsatzplus zwischen 15 bis 26 Prozent an. Um das stemmen zu können, eröffnet der Konzern reihenweise neue Versandzentren oder entwickelt Produkte wie das eigene Smartphone Fire Phone. In ausgesuchten US-Städten liefert Amazon sogar Lebensmittel aus. Die Zahl der Mitarbeiter stieg bis Ende Juni auf 132 600 an, 35 600 mehr als vor einem Jahr. dpa

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