Autoindustrie erwartet 2013 erneut weniger Käufer im Inland

Berlin  Ein Einbruch zum Jahresende hat den Autoabsatz in Deutschland 2012 leicht sinken lassen - und auch im laufenden Jahr ist keine wirkliche Erholung in Sicht. Der Branchenverband VDA rechnet auch für 2013 mit einem kleinen Minus.

Autoterminal in Bremerhaven: Nach schwachen Zulassungszahlen im Dezember rechnet der Importeurverband für 2013 bestenfalls mit einem stagnierenden Automarkt.

Foto: Ingo Wagner

Autoterminal in Bremerhaven: Nach schwachen Zulassungszahlen im Dezember rechnet der Importeurverband für 2013 bestenfalls mit einem stagnierenden Automarkt. Foto: Ingo Wagner

Die Schuldenkrise in der Eurozone drücke auf die Stimmung auch der deutschen Kunden, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Donnerstag in Berlin. Leidtragende waren vor allem Opel, Ford, Peugeot und Renault. Die Rabatte auf dem deutschen Markt wurden zuletzt verringert. Die Wachstumsperspektive der deutschen Automobilindustrie liegt nach Ansicht Wissmanns auf den Märkten außerhalb Westeuropas.

Die Zahl der Neuzulassungen sank im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2011 von 3,17 Millionen auf 3,08 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 2,9 Prozent. Der Verband der Automobilindustrie erwartet 2013 erneut ein leichtes Minus. Es sei mit etwa drei Millionen Neuzulassungen zu rechnen, sagte Wissmann. Für Westeuropa gehe er von einem Rückgang um 3 Prozent auf 11,4 Millionen Neuwagen aus. Im Dezember sackten die Verkaufszahlen in Deutschland kräftig ab: 204 300 Pkw bedeuteten ein Minus von 16 Prozent. Allerdings gab es vier Verkaufstage weniger als im Dezember 2011.

Einbußen gab es im vorigen Jahr sowohl bei der Inlandsproduktion als auch beim Export. Die Produktion ging nach VDA-Angaben um 4 Prozent auf 5,39 Millionen Fahrzeuge zurück. Der Export verringerte sich um 3 Prozent auf 4,1 Millionen Pkw. In den vergangenen Monaten hätten die Hersteller «die Produktion stärker zurückgenommen, als es die aktuelle Marktnachfrage eigentlich erfordert. Damit wird auch das Ziel verfolgt, die Pkw-Lagerbestände zu verringern», sagte Wissmann.

Einen kräftigen Absatzeinbruch mussten Opel und Ford hinnehmen. Opel brachte in Deutschland 213 600 Wagen an Mann und Frau, 16 Prozent weniger als 2011. Bei Ford ging der Verkauf um 11 Prozent auf 206 100 zurück, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg mitteilte. Abwärts ging es auch mit den französischen Marken Renault/Dacia (minus 6 Prozent) und Peugeot (minus 14 Prozent).

Den mit großem Abstand größten Marktanteil (21,8 Prozent) in Deutschland hatte Volkswagen. 672 900 Autos kamen aus Fabriken der Wolfsburger. Das war ein Minus von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf den Plätzen zwei und drei folgten fast gleichauf BMW/Mini (284 500) und Mercedes (283 000). Ihr Marktanteil lag bei je 9,2 Prozent. Im Jahresvergleich legten Audi (plus 6,3 Prozent) und Porsche (plus 9,8 Prozent) zu.

Die Rabattschlacht hat sich nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer zum Jahresende 2012 leicht entschärft. «Vor Weihnachten haben viele Hersteller versucht, etwas Ruhe reinzubringen», sagte der Chef des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Einer CAR-Studie zufolge sanken die Nachlässe für Käufer der 30 beliebtesten Modelle im Dezember im Vergleich zum November um 1,4 Prozentpunkte auf durchschnittlich 17,6 Prozent.

Während sich die Bundesbürger bei der Anschaffung eines neuen Autos zurückhalten, schlagen die US-Amerikaner ungebremst zu. Die großen Hersteller setzten 2012 auf dem wichtigen Markt mehr Wagen ab. Volkswagen konnte den meisten Konkurrenten dabei davonfahren. Europas größter Autobauer wurde mit seiner Kernmarke im vergangenen Jahr fast 440 000 Autos in den Vereinigten Staaten los, ein Zuwachs von gut 35 Prozent. Damit hat VW seine Auslieferungen seit 2009 mehr als verdoppelt und das beste Jahresergebnis seit 1973 eingefahren.

An die Stückzahlen der drei großen US-Hersteller kommt VW jedoch nicht heran: Marktführer General Motors verkaufte im eigenen Land rund 2,6 Millionen Wagen, ein Plus von 4 Prozent. Bei Ford waren es knapp 2,3 Millionen Autos, ein Zuwachs von 5 Prozent. Und die Fiat-Tochter Chrysler kam auf 1,7 Millionen Wagen, 21 Prozent mehr. (dpa)

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