„Dank Bürgerarbeit fühle ich mich nicht als Bittsteller“

Braunschweig  Zwischenbilanz zur „Bürgerarbeit“ – Die Jobcenter in Braunschweig und Salzgitter werten das Langzeitarbeitslosen-Projekt als Erfolg.

Zwei von etwa 230 „Bürgerarbeitern“ in der Region: Sergej Graf vom Mehrgenerationenhaus Braunschweig und Gülcan Dei, Stadtteilmutter in Salzgitter.

Zwei von etwa 230 „Bürgerarbeitern“ in der Region: Sergej Graf vom Mehrgenerationenhaus Braunschweig und Gülcan Dei, Stadtteilmutter in Salzgitter.

Wie verschafft man Langzeitarbeitslosen einen regulären Job? Um diese Frage und alles, was damit zusammenhängt, kreist ein gewaltiger Behördenapparat mit bundesweit mehr als 120.000 Mitarbeitern. Ein Mosaiksteinchen in ihren Bemühungen ist das Projekt „Bürgerarbeit“ des Arbeitsministeriums.

Beteiligt sind auch die Jobcenter Braunschweig und Salzgitter. Ihre Zwischenbilanz fällt positiv aus: Knapp ein Drittel der Projektteilnehmer sind inzwischen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Aus unserer Sicht ist das ein großer Erfolg“, sagt Jörg Hornburg, der das Braunschweiger Jobcenter leitet.

Bei der Bürgerarbeit handelt es sich um Jobs, die eigens geschaffen wurden für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht haben Fuß fassen können. Die Stellen sollen von öffentlichem Interesse sein und dürfen nicht in Konkurrenz stehen zu regulären Jobs. Bürgerarbeiter können etwa Laub kehren, in sozialen Einrichtungen helfen oder Mitbürger bei Behördengängen unterstützen, die schlecht Deutsch können.

Hornburg erklärt den Unterschied zu Ein-Euro-Jobs: „Die Tätigkeit wird besser bezahlt und ist auf einen längeren Zeitraum angelegt.“ Zum Projekt Bürgerarbeit gehörte auch eine Vorlaufphase, in der die Probleme von Langzeitarbeitslosen analysiert und angegangen wurden. „Allein dadurch haben in Braunschweig von 1400 Teilnehmern 430 eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufgenommen, in Salzgitter waren es 211 von 750“, sagt Jörg Hornburg. Bürgerarbeit kam als Möglichkeit nur für jene in Betracht, die nicht nach dieser Vorlaufphase ohnehin einen Job gefunden hatten. „Insofern ist die beste Bürgerarbeit die, die gar nicht nötig ist“, sagt Hornburg.

Aber auch Bürgerarbeit ist unendlich viel besser als gar keine Arbeit – so sieht es Gülcan Dei, die in Salzgitter als sogenannte Stadtteilmutter für die Awo tätig ist: „Als Bürgerarbeiter fühle ich mich als ganz normaler Arbeitnehmer – und nicht als Bittsteller.“ Dieses Gefühl sei unbezahlbar.

Stichwort: Bürgerarbeit

In dem auf drei Jahre angelegten Projekt wurden ab Januar 2011 bundesweit rund 33 000 vom Steuerzahler finanzierte Bürgerarbeitsplätze geschaffen. Sie finden sich vor allem in sozialen Einrichtungen. Die Stellen werden an Langzeitarbeitslose vergeben, die es schwer haben bei der Jobsuche, insbesondere Alleinerziehende, Schwerbehinderte und Zuwanderer. Bürgerarbeiter erhalten monatlich 1080 Euro bei einer 30-Stunden-Woche, netto bleiben etwa 730 Euro. Das Geld kommt vom Arbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds. Auf drei Jahre verteilt werden 1,3 Milliarden Euro bereitgestellt.

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