Mit Telematik nie wieder im Stau stehen?

Verkehrsabläufe werden elektronisch gesteuert – Informationsveranstaltung in Braunschweig

BRAUNSCHWEIG. Die Infrastruktur stößt an Grenzen: Immer mehr Autos verursachen immer mehr Verkehr – und dadurch Probleme auf den Straßen. Besonders die Innenstädte sind betroffen. Mit Hilfe der Telematik sollen Verkehrsabläufe gelenkt und die Mobilität verbessert werden.

Telematik, eine Verbindung von Telekommunikation und Informatik, erfasst Verkehrsdaten, etwa über Staus, Baustellen oder freie Plätze in Parkhäusern. Diese Daten leitet das System weiter: an Infotafeln im Stadtgebiet etwa oder an Empfänger im Auto. Verkehrsprognosen können erstellt und Fahrzeuge individuell geleitet werden.

Über Telematik-Systeme und Anwendungen informierten Experten im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig. Das Gesamtzentrum für Verkehr Braunschweig (GZVB) hatte zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) Wissenschaftler sowie Vertreter von Firmen, Kommunen und Verkehrsbetrieben dazu eingeladen.

"Unser Ziel ist ein Know-howTransfer: Forschung und Wirtschaft zu vernetzen", erläuterte Dr. KarlOskar Proskawetz, Geschäftsführer des GZVB. Mit dem Interesse ist der Gastgeber zufrieden: 65 Teilnehmer kamen zu der Veranstaltung. Die Telematik fange zwar erst an, sich zu einem Massenmarkt zu entwickeln, aber in Deutschland liege mit 90 Prozent Marktanteil der europäische Schwerpunkt. "Wir wollen die Bereitschaft wecken, in diesen Bereich zu investieren", so Proskawetz.

Die euphorischen Erwartungen, die mit dem Internet-Boom entstanden seien, hätten sich bislang nicht erfüllt, räumte Ralf Stock, Leiter des Bereichs Verkehrstechnik beim ADAC, ein. So sei die TelematikGesellschaft des ADAC wieder eingestellt worden. Stock erwartet aber innerhalb der nächsten zehn Jahre eine deutliche Ausweitung und Verbesserung der Technologie.

An der Technischen Universität (TU) Braunschweig laufen mehrere Forschungsprojekte zur Telematik. Im Zentrum für Verkehr, in dem 24 TU-Institute interdisziplinär zusammenarbeiten, sei beispielsweise das digitale DVB (Digital Video Broadcasting) für Servicedienste und mobilen Fernsehempfang entwickelt worden und bereits seit der Expo in Hannover entlang den niedersächsischen Autobahnen zu Testzwecken im Einsatz, berichtete Professor Eckehard Schnieder, Leiter des TU-Instituts für Verkehrssicherheit und Automatisierungstechnik.

Dass regionale Verkehrsmanagement-Systeme erst in Ansätzen vorhanden seien, kritisierte Professor Wolf-Rüdiger Runge von der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel in seinem Vortrag. Das Hannoveraner Projekt Move, das er geleitet hatte, sei finanziell gescheitert. Die Nutznießer der Plattform seien nicht bereit, für die Dienstleistung entsprechend zu zahlen – derzeit ein Grundproblem der Telematiksysteme. "Für dauerhaftes und flächendeckendes Verkehrsmanagement fehlen Konzepte und Töpfe", sagte Runge. "Hier sind die Entscheidungsträger der öffentlichen Institutionen gefordert."

In Braunschweig ist eine Verkehrsinformationsplattform im Internet vor kurzem auf den Weg gebracht worden: Unter www.braunschweig.de kann die Auslastung der Parkplätze und -häuser sowie die aktuelle Verkehrssituation inklusive Baustellen, Veranstaltungen und Staus aktuell abgefragt werden.

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