"Porsche steht gewaltig unter Druck"

Fortsetzung des Interviews mit dem VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh über die den Einstieg des Sportwagen-Bauers bei VW

Ist Porsche verwöhnt vom eigenen Erfolg?

Die sind nicht verwöhnt. Die merken nichts. Wenn man ein Unternehmen wie VW übernehmen will, braucht man das Management und die Belegschaft. Von Wiedekings heiligen Kühen bis heute – von den großen Anzeigen einmal abgesehen – hat doch niemand etwas Positives über Volkswagen gesagt.

In seinen Anzeigen ist Porsche durchaus auf die Belegschaft zugegangen.

Aber hat man das Gespräch mit der VW-Belegschaft gesucht? Fehlanzeige. Die Anzeigen lassen doch vor allem diesen Schluss zu: Alles wird mit Geld geregelt, selbst wenn man versucht, mit dieser Belegschaft zu kommunizieren.

Bislang klappt ja nicht einmal die Kommunikation mit Ihnen. Aus Sicht von Porsche liegt das allerdings an Ihnen. So kann das Pingpong-Spiel doch nicht weitergehen.

Das sehe ich auch so. Aber wir versuchen, den Schaden für VW so gering wie möglich zu halten – zumal wir mit unserem Vorstand und unseren Produkten zufrieden sind.

Würden Sie sagen, dass Porsche Volkswagen schadet?

Mit dem Bild, das Porsche von VW zeichnet, kann man ja wohl zu diesem Schluss kommen. Wir können das auch nicht mehr lange hinnehmen. Zum Glück wissen aber die Kunden, dass wir hervorragende Autos bauen. Das zeigen unsere Zahlen eindrucksvoll. Was hier Mitarbeiter eines Großaktionärs über VW verbreiten – immerhin stecken Millionen dieses Investors im Unternehmen – das ist schon verheerend.

Aber ihr Protest hält sich in Grenzen. Vielleicht fürchten Sie ja auch, dass ihre Mannen doch nicht so fest hinter Ihnen stehen.

Von wegen. Warten Sie mal bis zur Aufsichtsratssitzung im Juli in Wolfsburg. Wenn Porsche sich bis dahin nicht bewegt, könnte ich mir neue Aktionen vorstellen. Diesmal können wir die Kollegen ja nummerieren, damit alle mitzählen können. Ich rate nur jedem, dann etwas Zeit mitzubringen. Aber ernsthaft: Das ist kein Waffenrasseln. Im Grunde wollen wir das Problem weiterhin in Verhandlungen lösen. Wenn das nichts bringt, dann gehen wir eben andere Wege, um Herrn Wiedeking deutlich zu machen, dass Mitbestimmung nicht käuflich ist.

... und ziehen im Streit um die Porsche-Mitbestimmungsvereinbarung wie angekündigt vors Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg. Vor dem Arbeitsgericht Stuttgart konnten Sie nicht den Beweis erbringen, dass VW von Porsche abhängig war, als der Vertrag geschlossen wurde.

Wir warten erst einmal die Begründung ab, dann gehen wir in die nächste Instanz. Und wenn Porsche bis dahin die 51 Prozent der VW-Aktien besitzt, muss das nicht schlecht sein. Dann wird nämlich die Frage akut, ob die Übernahme durch Porsche eine strukturelle Veränderung darstellt – was sich durchaus auf die Mitbestimmungs-Vereinbarung auswirken dürfte.

Wenn man verhandelt, muss man auch Angebote unterbreiten. Was bieten Sie an?

Was heißt denn hier anbieten? Es geht um die angemessene Beteiligung der VW-Belegschaft. Wir sind doch nicht auf einem Basar. Im Übrigen haben wir das Recht auf unserer Seite: Die VW-Satzung war vor dem Gesetz da und basiert auf dem deutschen Aktiengesetz. Niedersachsen wird sich in dem Streit durchsetzen. Bei der Novellierung des VW-Gesetzes ist Bundesministerin Zypries den Anforderungen des Urteils explizit gefolgt. Mindestens eines von beidem, VW-Satzung oder VW-Gesetz, wird halten. Was die Mitbestimmungsvereinbarung betrifft: Eine Regelung wie bei BASF wäre beispielsweise gut. Es gibt doch hervorragende Vorbilder. Wir fordern doch nichts Utopisches.

Warum pocht Porsche darauf, dass das VW-Gesetz abgeschafft wird, die Sperrminorität aus der VW-Satzung gestrichen wird, und die Mitbestimmungsvereinbarung möglichst in der Porsche-Variante festgeschrieben wird? Was steckt dahinter?

Das wüssten wir auch gern. Selbstverständlich haben wir darauf gepocht, dass Porsche seine Pläne offenlegt. Das ist nicht nur unser Interesse. Das würde bestimmt auch die anderen Aktionäre interessieren. Porsche ist ja nicht allein im Haus. Und Volkswagen ist kein Familienunternehmen. Lapidare Aussagen, dass man eine der leistungsfähigsten Automobil-Allianzen schmieden will, genügen nicht. Das ist Volkswagen schon lange.

Könnte die Übernahme noch scheitern?

Wenn es so weitergeht, halte ich das nicht für ausgeschlossen. Aber dazu wird man es nicht kommen lassen. Porsche braucht uns. Unser technisches Know-how. Was aber umgekehrt heißt: Porsche steht gewaltig unter Druck. Mit jedem Tag mehr.

Hat Sie die Attacke von Wendelin Wiedeking auf die Bundesregierung überrascht? Angeblich habe die Politik Betriebsrat und Investor auseinandergetrieben.

Wahrscheinlich meint Herr Wiedeking es jetzt gut mit mir – und er will sich tatsächlich einigen. Das wäre doch eine gute Sache. Man muss aber schon festhalten: Für das Versagen bei der Übernahme muss man keinen dritten Schuldigen suchen. Wir standen immer bereit, uns zu einigen. Und zu diesem Wort stehen wir weiterhin.

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