Der Klostergarten - hier fing alles an
Braunschweig Im Mittelalter wurden in den Klöstern Gärten angelegt, fremde Kräuter bei uns verbreitet und die Klosterheilkunde ist bis heute legendär.
Bis zum Mittelalter hatte die Gartenkunst in Mitteleuropa eine eher untergeordnete Bedeutung. Die Bauern lebten oftmals in großer Armut und das Land war durch Kriege und Völkerwanderung zerrissen. Der Anbau von Nutzpflanzen bestand im Wesentlichen aus Getreide und Gemüsearten, die im täglichen Gebrauch als Grundnahrungsmittel dienten.
Erste Aufzeichnungen des Nutzpflanzenanbaus finden wir im Capitulare de villis, einer Landgüterverordnung Karls des Großen. Sie wurde Ende des 8. Jahrhunderts erlassen und regelte die Versorgung des riesigen Reiches. Im letzten Kapitel sind Heil- und Gewürzkräuter, Gemüse und Obst aufgelistet, die Karl der Große auf jedem Gut angebaut wissen wollte.
Viele der angebauten Kräuter waren mediterranen Ursprungs, auch einheimische Pflanzen wurden in Kultur genommen. Von besonderer Bedeutung waren die damals entstehenden Klöster und ihre Gärten.
Benedikt von Nursia gilt als Vater des abendländischen Mönchtums und gründete um 527 das Kloster Montecassino in Süditalien, das Mutterkloster des nach ihm benannten Benediktinerordens. Dort organisierte Benedikt alle Bereiche des klösterlichen Lebens neu und brachte sie auf eine einfache Formel: ora et labora; bete und arbeite.
Fortan wurde die Sorge für den Körper und die Seele zentrales Anliegen des klösterlichen Lebens und die Versorgung von Schwachen und Kranken sollte über allen Pflichten stehen. In seinen Ordensregeln legte Benedikt auch fest, dass Lesen und Schreiben gepflegt werden sollen, eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung und Verbreitung des Wissens der antiken Ärzte.
Ab dem achten Jahrhundert wurden nördlich der Alpen zahlreiche Klöster gegründet. Um möglichst unabhängig von ihren Mutterklöstern zu werden, strebte jedes neu gegründete Kloster die Selbstversorgung an. Es wurden Gärten angelegt, in denen Obst, Gemüse und auch Heilkräuter angebaut wurden.
Leider ist nur sehr lückenhaft überliefert, wie die damaligen Klostergärten ausgesehen haben, sicher ist nur, dass sie einfach, mit rechteckigen Beeten, strukturiert waren. Hinweise gibt uns der Klosterplan von St. Gallen, der vermutlich im frühen 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau entstanden ist.
Auf diesem handschriftlichen Plan sind neben dem Garten im Kreuzgang auch andere Gartenbereiche ausgewiesen. Neben den Stallgebäuden und dem Gärtnerhaus ist ein Gemüsegarten eingezeichnet, der die Form eines gestreckten Rechteckes hatte.
Angrenzend an den Gemüsegarten folgte der Friedhof der Mönche, der gleichzeitig auch Obstgarten war. Außerdem gab es einen Heilkräutergarten, ein Krankenhaus und ein Lagerhaus für getrocknete Kräuter, aus denen sich später Hospitäler und Apotheken entwickelten.
Der Klosterplan von St. Gallen war auch Vorbild für die Neuanlage unseres Klostegartens in Riddagshausen.



