Die Dauerwelle kommt zurück

Braunschweig  Lange wurde die Dauerwelle nur auf den Köpfen älterer Damen gesehen. Wer im Herbst trendy sein möchte, sollte sie sich jetzt legen lassen.

Models zeigen die Haartrends für Herbst/Winter vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks.

Foto: Michael Reichel/dpa

Models zeigen die Haartrends für Herbst/Winter vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Foto: Michael Reichel/dpa

Bevor die Friseure ihren Kundinnen und Kunden die Haare nach dem neuesten Trend schneiden, werden noch ein paar Wochen vergehen. In Erfurt präsentierte der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks am Wochenende zunächst den Vorsitzenden und Fachleitern der Innungen.

Auch Susanne Dillge, Fachleiterin im Landesinnungsverband Niedersachsen, hat sich in Thüringen die neuen Köpfe angesehen. „Das ist dort keine Mode für den Laufsteg“, erzählt die Friseurmeisterin aus Wolfenbüttel, „sondern das ist es, was die Verbraucher dann auch tragen werden.“ Voraussetzung, sich für eine der neuen Frisuren zu entscheiden, ist in einigen Fällen Mut und eine Liebe zu den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Die Dauerwelle ist nämlich zurück.

Leicht kommt dem Kreativdirektor der Erfurter Messe, Franz-Josef Küveler, das Wort „Dauerwelle“ nicht über die Lippen. Der Mann, der beim Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks die Trends setzt, spricht lieber von „dauerhafter Umformung“ der Haare oder „permanent curl“. „Wir wollen die Technik, die für Bewegung im Haar sorgt, wiederbeleben.“ Für die Lockenpracht, die die Haarkünstler den Damen für die Herbst/Winter-Saison empfehlen, könne die seit den 1980er Jahren mehr oder weniger verpönte Dauerwelle hilfreich sein.

Eine Dauerwelle

macht viel Arbeit

Friseurmeisterin Dillge sagt zum Comeback der Dauer- oder Kaltwelle: „Sie wird zwar heute noch genauso gelegt und fixiert wie damals. Allerdings gehen wir mehr mit der Natur der Haare und legen die Welle nicht gegen die natürliche Frisur.“ Ein falsches Bild sollten sich die Dauerwellen-Willigen allerdings nicht machen: „So eine Dauerwelle macht Arbeit“, sagt Dillge, „und sie sieht halt immer noch aus wie eine Dauerwelle.“ Wer wenig Zeit fürs Styling habe, sollte sich gegen die Welle entscheiden, die bei mangelnder Pflege in schlaffen Löckchen über die Schultern hängt.

Wer nicht viel Zeit hat, sollte sich den zweiten Trend merken, der da lautet: kurze Haare, auch für Frauen. Die Auswahl reicht in der kühlen Jahreszeit vom mädchenhaften Bubikopf (Garconschnitt) über den klassischen Bob bis zum verwegenen Lockenschopf – alles in leuchtenden Herbsttönen und eher weich und voll.

Die Frisuren leben von kräftigen Farbspielen – Rotschöpfe bleiben angesagt: In der neuen Saison darf es Rot, aber auch kräftiges Braun sein. Blond verliert seine Rolle als Trendfarbe.

Fast jede zweite Kundin wünsche laut Kreativdirektor Küveler inzwischen, dass der Friseur in den Farbtopf greift: Tönen, Strähnen oder Färben sind angesagt und kurbeln den Umsatz in den bundesweit fast 80 000 Friseurbetrieben mit rund 260 000 Beschäftigten an.

Bei den Männern

bleibt’s kurz

Bei den Männern bleibt der Undercut gefragt – beispielsweise mit kurzen Seitenpartien und längerem Deckhaar, das fransig oder in Dandy-Manier getragen werden kann. „Die Konturen an den Seiten und im Nacken sind bei einigen Schnitten etwas härter“, sagt Susanne Dillge, „fast militärmäßig.“

Seit einiger Zeit greifen die Deutschen für einen schönen und gepflegten Haarschopf wieder tiefer ins Portemonnaie und kommen häufiger in die Salons und Studios. Nach Zahlen des Zentralverbandes geben sie inzwischen mehr als 5,7 Milliarden Euro pro Jahr dafür aus. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) besuchten Frauen im vergangenen Jahr durchschnittlich 5,6 Mal (2010: 5,5) einen Friseursalon und ließen dabei 245,50 Euro in der Kasse (2010: 239,4). Männern war ihre Haarpracht weniger als halb so viel wert.

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