Erfolg durch perfektes Aussehen

Braunschweig  „Es wird wieder verstärkt auf Ton und Takt geachtet“, sagt Hans-Michael Klein. Der 55-Jährige muss es wissen. Er ist der Chef der Knigge-Akademie.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wiederholt zum bestangezogenen Deutschen gewählt worden. Bei ihm stimmt das Aussehen.

Foto: dpa/Tim Brakemeier

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wiederholt zum bestangezogenen Deutschen gewählt worden. Bei ihm stimmt das Aussehen. Foto: dpa/Tim Brakemeier

Knigge ist zur deutschen Benimm-Instanz geworden und sorgt deshalb auch noch 216 Jahre nach seinem Tod für manch schlechtes Gewissen und manche Unsicherheit.

Das hat sich der legendäre Freiherr bestimmt so nicht gedacht, als er für gute Umgangsformen plädierte, mit denen seine Zeitgenossen zu guten, netten, interessanten und sozial kompetenten Menschen werden sollten.

Zusammengefasst hatte Adolph Freiherr Knigge (1752-1796) seine aufklärerische Schrift 1788 in seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“.

Bekleidungsregeln oder Tischmanieren kamen darin genau genommen überhaupt nicht vor. Erst nach Knigges Tod fügte der findige Verleger Anstands- und Benimmregeln hinzu – so ungefähr alle zehn Jahre wurden sie aktualisiert. Daraus ist schließlich der Knigge geworden, den wir alle irgendwie kennen und auf den sich heute Hans-Michael Klein (55) beruft.

„Der Knigge aktualisiert sich alle 10 beziehungsweise 20 Jahre“, sagt Klein. Alle 10 Jahre würden Kleinigkeiten in Sachen Etikette geändert, alle 20 Jahre elementare Dinge.

So, so. Was ist denn beispielsweise eine elementare Änderung der Etikette? „Die Emanzipation der Frau hat Berücksichtigung gefunden. Nehmen wir das Beispiel Restaurant: Früher hat ausschließlich der Mann bezahlt. Heute darf das auch die Frau. Auch darf die Frau einladen – und bezahlen. Die Änderung erfolgte nach dem Gedanken ,gleiche Rechte, gleiche Pflichten’.“

Schön und gut. Aber ist der Knigge in unserer freizügigen Gesellschaft überhaupt noch gefragt?

„Ich würde sagen, gutes Benehmen und Dresscode sind gefragter denn je“, ist sich der Etikette-Trainer sicher. Denn: „Was uns gesellschaftlich und in der beruflichen Karriere nach oben bringt, das sind gute Umgangsformen.“

Da hapert’s in unserer Gesellschaft. Beispiele bitte, Herr Klein.

Tischmanieren

„70 Prozent der Frauen können nicht mit Messer und Gabel umgehen. Sie halten das Messer wie einen Bleistift. Das ist völlig falsch.“ Allerdings: Männer begehen diesen Fehler auch. Und die Herren haben eine noch schlimmere Angewohnheit: „Männer halten beim Kauen ihr Besteck aufrecht – und beim Sprechen gestikulieren sie mit Messer und Gabel.“

Höflichkeit

Tatsächlich ist es so, dass man jemandem der niest, nicht mehr Gesundheit wünscht. Man prostet sich auch nicht mehr zu oder wünscht sich auch nicht mehr guten Appetit.

„Sollten Sie aber bei jemandem zu Gast sei, der das tut, dann ist es Ihre Pflicht, ebenfalls ,Prost’ zu sagen beziehungsweise ,Guten Appetit’ zu wünschen. Sie müssen das tun, weil Sie Ihren Gastgeber nicht beleidigen oder belehren wollen.“

Bekleidung der Herren

„90 Prozent der Männer sind falsch angezogen“, sagt Klein. Das sind die auffälligsten Fehler:

•Die Sakkos sind zu groß, die Ärmel zumeist zu lang. Klein: „Die Manschette des Hemdes muss aus dem Jackettärmel hervorschauen.“

•Die Hosen sind zu lang.

•Gürtel und Hose haben nicht dieselbe Farbe.

•Gürtel dürfen nicht mehr als fünf Löcher haben. Der Dorn der Schnalle gehört ins mittlere Loch.

•Zumeist passt der Krawatten-Knoten nicht zum Hemdkragen.

Bekleidung der Damen

„Viele Fehler werden in der Business-Kleidung gemacht“, sagt Klein.

•Mittlere Führungsebene: Hosenanzug ist Pflicht.

•Führungsposition: Kostümpflicht, dazu: blickdichte Strumpfhosen.

•Erlaubt sind Pumps, Stilettos nicht.

•Offen getragene lange Haare sind verboten. Klein: „Das wirkt zu intim.“. In Führungskreisen gilt bei langem Haar: „Je höher die berufliche Position, desto höher muss auch das lange Haar gesteckt werden. Ab Position Abteilungsleiterin beginnt es mit einem Pferdeschwanz.“

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