„Verbindlich, aber intern knallhart“
Wolfsburg Kaum einer kennt den neuen Manager des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg so gut wie Jörg Wontorra (63).
Der bekannte Fernsehmoderator saß von 1999 bis 2003 im Aufsichtsrat von Werder Bremen. Wie Klaus Allofs tickt, verrät Wontorra im Interview mit unserer Zeitung.
Herr Wontorra, hat Sie der Wechsel von Klaus Allofs zum VfLWolfsburg überrascht?
Das ist im Manager-Bereich sicherlich der atemberaubendste Transfer in 50 Jahren Bundesliga. Als ich vor einer Woche das erste Mal davon gehört hatte, war ich schon überrascht. Aber als ich länger drüber nachgedacht hatte, wurde es schlüssig, weil viel Sinn dahinter steckt.
Welcher denn?
In Bremen gab es intern Kritik, weil Klaus bei Transfers zuletzt kein ganz glückliches Händchen mehr hatte. Die Beziehung zu Werders Aufsichtsratschef Willi Lemke war nicht die glatteste. Klaus hat sich sicherlich das eine oder andere Mal über Entscheidungen des Aufsichtsrates geärgert. Das war nicht mehr so harmonisch wie in früheren Zeiten. Die heile Werder-Familie – das stimmt so nicht mehr.
Da kam die Anfrage aus Wolfsburg also genau zur rechten Zeit?
Es ist ein attraktives Angebot. In Bremen war Klaus zum Sparen gezwungen. In Wolfsburg kann er aus dem Vollen schöpfen. Als Übergangslösung kann er sogar in Bremen wohnen bleiben, bevor er sich mit seiner Familie ein neues Zuhause in Wolfsburg sucht.
Wird die Beziehung zwischen dem VfL und Allofs eine erfolgreiche?
Das passt. Klaus ist ein Kind der Bundesliga. Durch seine 13 Jahre bei Werder hat er ein unglaublich großes Netzwerk. Dem VfL und VW ist durch die Verpflichtung eine imagebildende Maßnahme gelungen. Das wird dem Verein wesentlich mehr Akzeptanz in der Liga bringen.
Klaus Allofs muss das erste Mal in seiner Karriere als Manager einen Trainer verpflichten. Kann er das auch?
Das kann er gut. Er kennt die komplette Liga. Er weiß, wer gut gelitten ist, und wer nicht. Er kennt das Preis-Leistungs-Verhältnis der Trainer. Klaus wird langsam reinriechen, um den Wolfsburger Stallgeruch zu bekommen. Es hängt ja auch davon ab, was der Aufsichtsrat will. Klaus ist keiner für Alleingänge.
Was für ein Manager-Typ ist Allofs denn?
Nach außen ist er sehr verbindlich, nach innen knallhart. Er weiß, wie er verhandeln muss. In Bremen waren sie bei Verhandlungen meistens zu zweit und haben sich aufgeteilt – guter Junge, böser Junge. Er fühlt sich wohl, wenn er einen starken Trainer oder einen Finanzmann im Vorstand an seiner Seite hat.
Und was für ein Mensch ist Allofs privat?
Als ich noch in Bremen gewohnt habe, waren wir Nachbarn und sind öfter zusammen nach Hause gefahren. Klaus hat eine sehr gute Menschenführung. Er kann auf Leute einwirken, sie überzeugen. Manchmal ist er etwas ungeduldig. Das liegt daran, dass er sich selbst immer die höchsten Ziele steckt in seinem Job.
Allofs hat Diego und Naldo damals nach Bremen geholt. Dort wurden sie zu Stars. Blühen die in Wolfsburg jetzt wieder richtig auf?
Ich erwarte da jetzt keine Leistungssteigerung um 30 Prozent. Man hat ja unter Köstner gesehen, wie beide spielen können, wenn sie wollen. Die Brasilianer haben in Bremen von Klaus auch mal einen Rüffel bekommen. Klaus weiß aber auch, dass die Brasilianer öfter mal gepampert werden müssen – vor allem im harten deutschen Winter. Sonst leisten sie passiven Widerstand. Klaus hat da ein super Gespür für.
Wie groß ist die Lücke, die Allofs in Bremen hinterlässt?
Sehr groß. Es wird schwierig, einen Mann seiner Klasse zu finden. Es ist aber auch eine Chance, sich neu aufzustellen und eine Neuordnung in der Führungsetage herbeizuführen. Das ist in Bremen absolut notwendig.

