Pannewitz – der geläuterte Fußball-Profi
Wolfsburg Kevin Pannewitz wechselte aus Rostock nach Wolfsburg und hofft hier auf seinen Durchbruch.
So kritisch geht selten ein Fußball-Profi mit sich um – und schon gar nicht öffentlich. „Ich hätte schon längst in der Bundesliga spielen können“, sagt Kevin Pannewitz. „So eine Chance wie in Wolfsburg bekomme ich nie wieder“, fügt der VfL-Neuzugang hinzu.
Fünf Jahre spielte Pannewitz für Hansa Rostock, debütierte mit 18 in der 2. Liga. Er galt als eines der größten Talente Deutschlands – und als eines der schlampigsten. Immer wieder fiel er durch Übergewicht und Undiszipliniertheiten auf, wurde zeitweise sogar suspendiert. „Ich habe mit drei, vier Spielern ständig was unternommen. Dabei habe ich vieles falsch gemacht“, erinnert sich der 20-Jährige. Diese Einsicht kommt aber erst zwei Jahre später. „Sonst wäre ich schon viel weiter.“
VfL-Boss Felix Magath gab Pannewitz im Sommer zunächst die Chance, sich im Probetraining zu bewähren und anschließend einen Zwei-Jahres-Vertrag. „Was den Trainer überzeugt hat, weiß ich nicht. Vielleicht, dass ich Fußball spielen kann. Auf jeden Fall bin ich ihm sehr dankbar“, meint Pannewitz.
Die konditionellen Qualitäten des Mittelfeldspielers können es nicht gewesen sein, die Magath beeindruckt haben. „Ich kam nach Wolfsburg wie eine Wurst. Hier versuchen sie, einen Athleten aus mir zu machen“, sagt Pannewitz erfrischend ehrlich. Und die Versuche zeigen erste Wirkung. „Ich habe neun Kilo abgenommen“, berichtet Pannewitz nicht ohne Stolz, fügt aber auch gleich hinzu: „Wer bei diesem Training nicht abnimmt, der macht irgendetwas falsch.“
Doch es ist nicht nur die körperliche Betätigung, die sich auf sein Gewicht auswirkt. Auch sein Essverhalten hat der gebürtige Berliner komplett umgestellt. Morgens und abends gibt es keine Kohlehydrate mehr, mittags viel Fisch und Fleisch. Außerdem versucht er, nach 18 Uhr gar nichts mehr zu essen. „Am Anfang fiel mir das schon sehr schwer“, gibt Pannewitz zu. „Aber inzwischen klappt es immer besser.“
Ein genaues Ziel, wann er sein erstes Bundesliga-Spiel absolvieren will, hat sich Pannewitz nicht gesteckt. „Ich mache mir keinen Druck. Ich habe mir selbst ein Limit gesetzt, da bin ich voll drin. Für mich geht es darum, mich an die Mannschaft weiter heranzukämpfen.“
Auf diesem Weg erlitt er zuletzt einen kleinen Rückschlag. Ein Magen-Darm-Infekt setzte den Mittelfeldspieler die vergangenen zwei Wochen außer Gefecht. Hohes Fieber, Durchfall, Erbrechen – Pannewitz ließ sich auch im Klinikum behandeln und durchchecken. „Der Infekt hat sich zum Glück nicht aufs Herz ausgewirkt.“
Erst am Mittwoch konnte er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. „Da war mir noch schnell schwindlig und schlecht. Ich hoffe, dass es jetzt von Tag zu Tag besser wird.“
Den Wechsel nach Wolfsburg hat er noch keine Sekunde bereut, sagt Pannewitz: „Jeder Tag hier ist ein Erlebnis. Mit Spielern wie Naldo, Diego oder Schäfer zu trainieren, der Trainerstab, das ganze Umfeld – das ist alles eine riesige Motivation für mich.“
Auch privat fühlt er sich wohl. Freundin Jill und Jack-Russel-Mischling Lili haben Pannewitz nach Wolfsburg begleitet. Hier will er endlich den Durchbruch schaffen. „Das ist die größte Chance, die ich je hatte“, sagt der geläuterte Profi.

