Klaus Allofs: „Der VfL kommt an erster Stelle, dann Werder“
Wolfsburg Vor dem Spiel VfL Wolfsburg gegen SV Werder Bremen spricht Manager Klaus Allofs über Hintergründe seines Wechsel und seine Aufgaben beim VfL.
Sein Wechsel von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg war zuletzt das Thema in der Fußball-Bundesliga. 13 Jahre war Klaus Allofs erfolgreich Bremer, nun ist er Manager beim VfL. Und ausgerechnet am Samstag erwarten die „Wölfe“ zu Hause Werder. Über dieses Spiel, die Hintergründe des Wechsels, die ersten Tage in Wolfsburg sowie seine Aufgaben beim VfL sprach Allofs mit unseren Redakteuren Thorsten Grunow und Daniel Mau.
Herr Allofs, Sie waren in den vergangenen Tagen wahrscheinlich der gefragteste Interviewpartner der Fußball-Bundesliga. Gab es eine Frage zum bevorstehenden Spiel gegen Bremen, die ihnen noch nicht gestellt wurde?
Allofs lächelt, atmet einmal tief durch und senkt den Kopf gedankenverloren. Er hat anstrengende und aufregende Tage hinter sich – das merkt man ihm an. Trotzdem will er sich Zeit für die Antwort nehmen.
„Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube nicht, dass es noch eine Frage gibt, die nicht gestellt wurde“, sagt er schließlich leise. Er sieht einen Moment lang sehr erschöpft aus.
Können Sie sich denn noch erinnern, wie viele Interviews Sie seit Ihrem Wechsel von Bremen nach Wolfsburg geführt haben?
Wieder Stille, wieder langes Nachdenken: „40 bis 50 waren es sicherlich. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich nicht die Formulierung nehme „Wie ich schon gesagt habe“. Aber man muss sich immer wieder daran erinnern, dass derjenige, der die Frage gestellt hat, die Antwort noch nicht gehört hat. Deshalb versuche ich, jede Frage ausführlich und gründlich zu beantworten. Das ist schon eine Konzentrationssache.
Hinzu kommt, dass es in dieser Woche viele neue Eindrücke und Gesichter gab. Und da geht es ja nicht nur darum, die Menschen kurz zu begrüßen, sondern sie auch kennenzulernen. Was machen sie beim VfL, wie beurteilen sie die Situation? Das ist kein Smalltalk. Das ist schon anstrengend. Aber auf der anderen Seite ist dann da auch die Begeisterung und Neugierde für eine neue Situation, die es einem leichter macht.“
Brauchen Sie abends lange, um abzuschalten? Oder ist es mit dem Job vorbei, wenn die Haustür zu ist?
Nein, meistens kommt dann doch noch der eine oder andere Anruf. Aber es hilft mir, dass meine Frau mich sofort nach Wolfsburg begleitet hat. Dann gibt es auch wieder andere Themen als Fußball. Unser Hund ist auch mit dabei. Wir gehen oft noch eine Runde an der frischen Luft. Das ist gut zum Runterkommen.
Haben Sie in Wolfsburg schon eine feste Bleibe gefunden?
Nein, wir haben uns nur ein, zwei Objekte angeschaut, aber ansonsten bestand dazu keine Möglichkeit. Ich hoffe, dass es bald schnell geht.
Sie kommen also nur mit Frau und Hund nach Wolfsburg?
Unsere Tochter soll auch noch dazustoßen. Aber die ist in der Welt unterwegs, aktuell befindet sie sich in Südamerika. Das wird noch ein paar Monate dauern. Und mein Sohn studiert in Marburg, der wird nicht mitkommen.
Haben Sie Ihrer Tochter denn bereits mitgeteilt, dass Sie nicht mehr nach Bremen fahren muss?
Ja, das hat sie schon mitbekommen. Erstaunlich ist, dass sie über das Internet, vor allem über Facebook, so gut informiert war, dass sie manchmal besser als ich über den Stand der Dinge Bescheid wusste.
Wie hat Ihre Familie auf die Nachricht reagiert, dass es ein Angebot aus Wolfsburg gibt?
Ich habe sie natürlich nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern wir haben darüber gesprochen. Meine Frau hat mich voll unterstützt und in keiner Phase gesagt, dass wir nicht aus Bremen wegkönnen. Ihr ist bewusst, dass das zu diesem Beruf gehört und dass wir 13 Jahre in einer besonderen Situation gelebt haben. Das ist bei den Kindern ähnlich.
Hat Sie der Medien-Hype der vergangenen Tage um diesen Wechsel etwas überrollt?
Nein, über so etwas habe ich mir bei meiner Entscheidung auch keine Gedanken gemacht. Irgendwann war für mich klar: Das musst du machen. Es war auch nicht so, dass ich aus einer unzufriedenen Situation herausgekommen bin. Die Arbeit mit der neuen Mannschaft in Bremen hat mir in den vergangenen Monaten sehr viel Spaß gemacht. Ich denke, es ist eine Besonderheit, dass ich nicht gegangen bin, weil es gekracht hat.
Ist Ihnen dadurch, dass in Bremen ein Umbruch eingeleitet wurde, die Entscheidung, zum VfL zu wechseln, leichter oder schwerer gefallen?
Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht mal an einen Wechsel gedacht. Sonst hätte es nach einer Flucht ausgesehen. Es war ein wichtiger Punkt für mich, dass viele Dinge auf den Weg gebracht wurden. Aber es war ein Mix aus vielen Faktoren, die für den VfL gesprochen haben. Auch die Zeit, die ich in Bremen war und die vielen Angebote, die ich bis dahin abgelehnt hatte. Irgendwann muss man sich fragen, ob man einen Stempel hat, der sagt: Das ist Werder und nichts anderes.
Am Samstag geht es nun ausgerechnet gegen ihren ehemaligen Klub. Wird es für Sie schwer, in der VW-Arena die richtige Bank zu finden?
Das werde ich mir vorher genau anschauen (lacht).
Wie wird es emotional bei Ihnen kurz vor dem Spiel ausschauen?
Jetzt bin ich hier beim VfL. Dessen Wohl steht für mich im Vordergrund. Es kommt darauf an, dass wir gegen Werder eine gute Leistung bringen und hoffentlich auch drei Punkte holen. Ich versuche, mir nicht viele Gedanken über Werder zu machen. Am Samstag bin ich nicht für diese Mannschaft. In Zukunft ist das wieder anders. Da wird der VfL an erster Stelle stehen, dann kommt Bremen, danach Fortuna Düsseldorf.
Wie werden Sie sich verhalten, wenn der VfL gegen Werder ein Tor schießt?
Ich denke, es ist keine Respektlosigkeit gegenüber seiner alten Mannschaft, wenn man seine Begeisterung zeigt. Ich möchte gewinnen, wir wollen gewinnen. Und wenn wir ein Tor schießen, werde ich mich auch darüber freuen. Aber meine Sympathien für Werder werden nie verschwinden.
Vor ihrer Manager-Tätigkeit in Bremen waren Sie Trainer bei Fortuna Düsseldorf. Stand für Sie danach fest, dass Sie nicht mehr als Trainer arbeiten wollen?
Nein, ich habe ja die Ausbildung zum Fußball-Lehrer, die macht man nicht einfach so. In Düsseldorf habe ich damals eine Doppelfunktion angestrebt, aber das war nicht möglich. Als dann das Angebot aus Bremen kam, war das sehr reizvoll und mit Thomas Schaaf war die Zusammenarbeit von Anfang an sehr gut. Heute kann ich für mich ausschließen, noch einmal als Trainer zu arbeiten. Doch die Erfahrung in Düsseldorf war für mich sehr wichtig.
Wie sehr hilft Ihnen diese Erfahrung nun bei der Trainerentscheidung beim VfL?
Alle meine Erfahrungen der vergangenen Jahre helfen mir dabei. Auch die Tatsache, dass ich 13 Jahre lang keinen Trainer habe suchen müssen, ist kein Nachteil.
Wie ist ihr Eindruck von Lorenz-Günther Köstner?
Ich war ja gleich bei der Vorbereitung auf das Spiel gegen Hoffenheim dabei und in alle Entscheidungen einbezogen. Ich finde es gut, wie Lorenz-Günther Köstner seine Arbeit macht. Es herrscht in der Mannschaft auch eine gute Stimmung, ein gutes Miteinander. Das hängt natürlich von den Spielern ab, aber auch vom Trainer, wie er mit der Mannschaft arbeitet.
Haben Sie sich einen Zeitplan gesetzt, wie Sie in der Trainerfrage verfahren wollen?
Die Trainerfrage stellt sich nicht – und auch darüber wird es jetzt unmittelbar keine Personalentscheidung geben. Ich möchte es wirklich so halten, dass ich mir Zeit lasse. Dazu muss ich mich auch zwingen. Ich bin auch ungeduldig, will Dinge vorantreiben. Aber man wird der Sache nur gerecht, wenn man schaut, was ist da überhaupt, wie funktioniert das Miteinander? Dazu führen wir intensive Gespräche.
Aber wie schwer ist die Kaderplanung, wenn noch nicht klar ist, wer im nächsten Jahr Trainer ist?
Zu hundert Prozent steht das doch nie fest. Ich glaube nicht, dass das ein großes Problem ist. Das ist doch der Sinn der Sache, dass man beim VfL von der Ein-Mann-Lösung weggegangen ist. Es muss eine klare Linie geben, die vom Trainer unabhängig ist. Aber der Trainer, und das ist Lorenz-Günther Köstner, ist in alle Personalentscheidungen eingebunden. Es ist klar, dass unser Kader einschließlich der ausgeliehenen Spieler zu groß ist. Da werden wir uns gemeinsam an die Arbeit machen, um in der Wintertransferperiode unter Umständen handeln zu können.
Das ist Klaus Allofs:
•Geboren am 5. Dezember 1956 in Düsseldorf.
•Klaus Allofs begann seine Profi-Karriere wie sein Bruder Thomas bei Fortuna Düsseldorf. 1981 wechselte der Stürmer für die damalige Rekordsumme von 2,25 Millionen DM zum 1. FC Köln. Es folgten weitere Stationen bei Olympique Marseille, Girondins Bordeaux und Werder Bremen.
•Für die deutsche Nationalmannschaft lief Klaus Allofs 56-mal auf und erzielte dabei 17 Tore. 1980 wurde er mit Deutschland Europameister. Außerdem nahm er an der EM 1984 sowie der WM 1986 teil.
•Nach dem Ende seiner Fußballer-Karriere arbeitete Allofs einige Jahre in der Medienbranche, bevor er 1998 Trainer bei Fortuna Düsseldorf wurde. Vor seinem Engagement in Wolfsburg war er von 1999 bis 2012 Manager bei Werder Bremen.



