„Ich vermisse Fußball wahnsinnig“
Wolfsburg Der verletzte VfL-Offensivspieler Vaclav Pilar spricht im Interview über den schweren Weg zurück und die Krise des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten.
Wegen seines Kreuzbandrisses konnte Vaclav Pilar noch kein Pflichtspiel für den VfL Wolfsburg absolvieren. Gut zwei Monate ist es her, dass sich der 24-Jährige beim Länderspiel gegen die Ukraine verletzt hatte. Mit geschientem Knie und auf Krücken gestützt kommt er zum WN-Gespräch in die VfL-Geschäftsstelle. Im Interview mit unserem Redakteur Thorsten Grunow spricht der Tscheche über seine Verletzung, die Krise beim Fußball-Bundesligisten und die Nationalelf.
Herr Pilar, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihnen?
Mir geht es soweit gut. Ich fühle mich schon deutlich besser, als vor einem Monat kurz nach der Operation. Das Knie sieht besser aus und bislang gab es zum Glück auch keine Komplikationen. Das ist sicherlich auch ein Ergebnis der sehr guten Arbeit in meiner Reha-Klink Endala in Prag, in der ich seit meiner Operation behandelt werde.
Am Freitag waren Sie beim VfL-Mannschaftsarzt Dr. Günther Pfeiler in Braunschweig. Wie zufrieden war er mit ihrem Genesungsfortschritt?
Er war sehr zufrieden. Ich hatte alle meine Unterlagen dabei, auch die der Magnetresonanztomographie, die ich am Donnerstag in Prag hatte. So konnte er sich auch die neuesten Aufnahmen des Knies anschauen und sich ein genaues Bild vom Heilungsprozess machen.
Wann ist wieder mit einer Rückkehr auf den Rasen zu rechnen?
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. In dieser Woche fahre ich zu Dr. Ulrich Boenisch nach Augsburg, der mich Mitte September operiert hatte. Ich durfte ja nach dem Eingriff sechs Wochen das Knie nicht belasten, konnte nur leichte sportliche Übungen machen. Dr. Boenisch tauscht sich regelmäßig mit seinen Kollegen in Wolfsburg und Prag aus und wird mir sagen können, wann ich wieder mit leichtem Lauftraining anfangen kann.
Sie waren vergangenen Freitag zum ersten Mal seit ihrer Verletzung wieder in Wolfsburg, haben auch mit Felix Magath gesprochen. Gab es vorher auch schon Kontakt zum Trainer?
Ja, aber seit meiner Verletzung war es am Freitag das erste Mal, dass wir direkt miteinander gesprochen haben. Ich telefoniere auch regelmäßig mit Jan Polak und schreibe SMS. Er hält mich auf dem Laufenden, sagt mir, was in der Mannschaft los ist und wie es beim VfL sonst gerade läuft. Ich bin also gut informiert.
Was sagen Sie denn dann zur aktuellen Lage des VfL?
Die Situation ist natürlich derzeit schlecht. Aber ich hoffe und bin überzeugt, dass sich die Lage auch wieder ändern wird und wir wieder Erfolg haben werden.
Hatten Sie Gelegenheit, sich die Spiele des VfL anzuschauen?
Ich habe mir fast alle Spiele im Internet angeschaut. Direkt nach meiner Operation habe ich zwei Spiele in der Klinik im Fernsehen gesehen.
Sie gelten für viele Fans als einer der Hoffnungsträger für einen Umschwung beim VfL? Fühlen Sie sich dadurch unter Druck gesetzt?
Überhaupt nicht. Als ich mich für einen Wechsel nach Wolfsburg entschieden hatte, wollte ich mich von Beginn an hier durchsetzen. Das hat sich durch die Verletzung leider verschoben. Aber dadurch hat sich an meiner Zielsetzung nichts geändert.
Wie schwer ist es für Sie, ihren Kollegen nur zuschauen zu können?
Ich vermisse das Fußballspielen wahnsinnig. Ich hoffe, ich bin so schnell wie möglich zurück und kann der Mannschaft helfen.
Ihr Nationalmannschaftskollege Petr Jiracek hat den VfL bereits nach einem halben Jahr wieder verlassen, auch weil er mit der Intensität des Trainings unter Felix Magath nicht warm geworden ist. Wie kamen Sie in ihrem ersten Wolfsburger Monat denn damit zurecht?
Ich habe mich gut eingelebt. Die Bedingungen hier sind hervorragend, Wolfsburg gefällt mir sehr. Es tut mir sehr leid, dass ich mich so schnell verletzt habe und dadurch der Mannschaft, den Fans und dem Verein bisher nicht helfen konnte.
Auch der Nationalmannschaft fehlen Sie wegen der Verletzung in der WM-Qualifikation. Wie beurteilen Sie die Chancen der Tschechen, sich für Brasilien 2014 zu qualifizieren?
Es ist mit Bulgarien, Dänemark und Italien sicherlich keine leichte Gruppe, die wir erwischt haben. Aber wir haben schon gute Chancen, uns zu qualifizieren, denn der tschechische Fußball hat eine sehr große Qualität.
Am Samstag stand mal ein erfreulicher Termin für Sie an, ihr 24. Geburtstag. Haben Sie groß gefeiert?
Da ich die ganze Woche über in Prag hart an meinem Comeback arbeite, bin ich froh, am Wochenende nach Hause zu fahren. Deshalb habe ich in Chlumec nad Cidlinou nur im engsten Familienkreis gefeiert.
Hatten Sie einen besonderen Geburtstagswunsch?
Dass ich schnell wieder ganz gesund werde.
