Hotze: Modell Magath hat sich nicht bewährt
Wolfsburg Nach dem Aus von Felix Magath stellt sich der VfL Wolfsburg neu auf. Geschäftsführer Wolfgang Hotze sprach mit unserer Zeitung über...
...die neue Aufgabenverteilung beim VfL in der Geschäftsführung: „Zunächst einmal kommt mehr Arbeit auf mich zu. Thomas Röttgermann und ich teilen uns die Aufgaben von Felix Magath auf. Herr Magath hat große Verdienste um den VfL. Da gibt es gar keine Frage. Aber in der Administration hat er keine große Rolle gespielt für Röttgermann und mich. Wir beide haben vorher gut zusammengearbeitet und uns diesen Bereich aufgeteilt.“
...die sportliche Bilanz von Felix Magath: „Insbesondere in seiner ersten Periode beim VfL hat Felix Magath dem Verein deutliche Erfolge beschert. Allein schon die Meisterschaft hat einen Ewigkeitswert. In der zweiten Periode wissen wir noch die Vermeidung des Abstiegs (2011, Anm. d. Red.) sehr zu schätzen. Leider hat es danach sportlich nicht mehr so gut funktioniert.“
...die finanzielle Bilanz von Felix Magath: „In der vergangenen Saison hatten wir weniger Gehaltskosten, als wir im Budget vorgesehen hatten. Das hat zum einen daran gelegen, dass wir weniger Siegprämie ausgezahlt haben, als wir eingeplant hatten. Außerdem waren Spieler wie Diego und Simon Kjaer ausgeliehen. Durch deren Rückkehr sind die Personalkosten in dieser Saison allerdings deutlich höher als sie in der vergangenen Spielzeit waren. Ein Spieler wie Benat Etxebarria hätte bei der kolportierten Ablösesumme von 15 Millionen deshalb nicht mehr in unser Budget reingepasst.“
...eine künftige Doppelfunktion von Trainer und Manager beim VfL: „Bei uns hat sich dieses Modell in der zweiten Phase von Felix Magath nicht bewährt. Das muss man wohl so sagen. In Deutschland ist so eine Doppelfunktion ja auch eher unüblich. In England scheint das aber bei dem einen oder anderen Klub zu funktionieren. Aus meiner Sicht sollte man diese beiden Positionen beim VfL zukünftig wieder trennen.“
...die Trainer- und Manager-Suche beim VfL: „Ich gehe davon aus, dass die Linie so sein wird, dass der Klub zunächst einen Manager sucht und dann zusammen mit dem Manager einen neuen Trainer.“
...die zeitliche Dimension der Manager-Suche: „Ich glaube, da wird sich der Aufsichtsrat nicht unter Zugzwang setzenlassen. Das ist auch gut so. Ich halte es nicht für dringlich, dass wir jemanden unbedingt noch vor Dezember präsentieren müssen, der großen Einfluss auf den Kader haben muss. Unsere Mannschaft ist personell gut aufgestellt. Ich sehe nicht die Notwenigkeit, aufgrund der Transferperiode Eile in dieser Sache zu haben.“
...den finanziellen Spielraum des VfL für Neuzugänge in der Winterpause. Vor einem Jahr gab Magath fast 30 Millionen Euro für neue Spieler aus: „Es ist jetzt noch nicht absehbar, wie viel finanziellen Spielraum wir in der Winterpause haben werden. Es würde mich aber wundern, wenn ein neuer Manager Mittel in dieser Höhe für seine Vorstellungen zur Verfügung hätte.“
...das Anforderungsprofil des neuen Trainers und Managers: „Aus meiner Sicht muss der Trainer jetzt nicht unbedingt ein großer Name sein, aber wir werden sehen, was sich realisieren lässt. Für den Manager-Posten würde ich mir wünschen, dass wir eine integrative Persönlichkeit finden, die sich dann auch mit meinem Kollegen Röttgermann und mir als Geschäftsführung gemeinsam darstellt. Es war sicherlich eines der Probleme der letzten Monate, dass Herr Magath versucht hat, den Lizenzbereich aus der Geschäftsführer-Verantwortung rauszunehmen. Das wurde sicherlich auch dadurch begünstigt, dass er regelmäßig den direkten Zugang zum Vorstand von Volkswagen gesucht hat. Das halte nicht für besonders gut und würde mir wünschen, dass wir zukünftig die Angelegenheiten der Geschäftsführung auch dort lassen, wo sie hingehören.“
...die Zusammenarbeit mit Felix Magath: „In den vergangenen Monaten wurde das Aufsichtsratspräsidium als Geschäftsführung wahrgenommen. Das ist keine gute Situation. Es ist auch bei anderen Tochtergesellschaften von VW nicht üblich, dass ein Vorstand jeden Tag zum Gesamtvorstand von Volkswagen rennt und dort Tagesprobleme bespricht. Die Tagesprobleme werden in der Gesellschaft besprochen und da gehören sie auch hin.“
...die Umstände von Magaths Rauswurf: „Ich war in der Woche im Urlaub, habe das also nur aus der Ferne mitbekommen. Ich weiß nicht, ob das Freiburg-Spiel den Ausschlag gegeben hat. Aber es war natürlich kein Argument für einen Verbleib von Felix Magath beim VfL. Wir hatten uns alle etwas anderes versprochen, Herr Magath hatte die Partie gegen Freiburg ja selbst als ein Nicht-Verlieren-Dürfen-Spiel bezeichnet.“
...die Möglichkeit, die Saisonziele trotzdem noch zu erreichen: „Den Anspruch, international zu spielen, müssen wir aufrechterhalten. Wir geben zu viel Geld aus, um nur national zu denken. Ich kann aber nicht sagen, ob wir unsere Ziele noch in dieser Saison erreichen. Ich bin kein Prophet.“
