Hecking schont seine Stimme nicht
Belek Der neue VfL-Trainer hat klare Vorstellungen, wie die Wolfsburger künftig spielen sollen. Um das umzusetzen, unterbricht er immer wieder das Training.
Das erste Trainingsspiel des VfL Wolfsburg im türkischen Belek lief gerade mal ein paar Minuten, da hatte der neue Coach Dieter Hecking bereits genug gesehen. Energisch und mit lauter Stimme unterbrach der Trainer seine Spieler. „Das geht so nicht“, rief er seinen Schützlingen zu, ging ein paar Meter auf sie zu und gab lautstark Anweisungen. Laufwege und Pressing hatten ihm nicht gefallen.
Es war nicht das letzte Mal, dass Hecking am Freitag im Trainingslager des Fußball-Bundesligisten in eine laufende Übung eingriff. Immer wieder unterbrach der Coach das Training, gab Anweisungen, wie er sich das künftige Spiel der „Wölfe“ vorstellt. „Es ist im Moment sehr wichtig, dass die Mannschaft schnell erkennt, was ich möchte. Ich wäre froh, wenn ich am Ende des Trainingslagers nicht mehr so viel eingreifen muss und meine Stimme etwas schonen kann“, sagt Hecking.
Wirklich daran glauben tut er aber nicht. Aber keinesfalls, weil er seine Spieler für so begriffsstutzig hält, sondern weil er sich der Schwierigkeit der Situation bewusst ist, die der dritte Trainerwechsel beim VfL in einer Saison mit sich bringt.
„Das ist natürlich nicht optimal“, sagt auch Linksverteidiger Marcel Schäfer, „aber für uns ist von Vorteil, dass wir jetzt einen Zeitraum haben, in dem wir uns finden können. Wir haben nun zwei Wochen, in denen wir intensiv arbeiten müssen.“ Er findet es positiv, dass der neue Coach viel unterbricht. „Er hat bereits klare Vorgaben an uns gesendet, wie er spielen lassen will. Viel Zeit haben wir ja auch nicht. In ein paar Tagen geht die Bundesliga weiter“, sagt Schäfer.
Deshalb drückt Hecking aufs Tempo. „Ich habe die letzten Tage genutzt, um mir die Nürnberger Aufzeichnungen des Wolfsburger Spiels anzuschauen. Da war zu erkennen, dass die Mannschaft Phasen hat, in denen sie einfach wegkippt“, sagt Hecking. Damit das in der Rückrunde nicht mehr so häufig vorkommt, will er die kurze Vorbereitungszeit nutzen, um ein aggressives Pressingspiel beim VfL zu etablieren. Als Vorbild dient ihm das Auftreten des Deutschen Meisters aus Dortmund. „Das können wir nicht kopieren, aber ich lege Wert darauf, dass wir gut gegen den Ball arbeiten“, erklärt Hecking. Gleichzeitig soll aber auch das Offensivspiel im Trainingslager nicht vernachlässigt werden.
Hecking hat sich mit seiner Mannschaft für die Tage in Belek also viel vorgenommen. Ob er heiser aus der Türkei zurückkehrt, wird auch davon abhängen, wie schnell seine Vorgaben umsetzt werden.
