Felix Magath gefeuert – Köstner übernimmt
Debatte des Tages Am Donnerstag fiel die Entscheidung im VW-Hochhaus: Felix Magath, Trainer des VfL Wolfsburg, muss gehen. Der VfL reagiert damit auf die Talfahrt. War es richtig, Magath zu entlassen?
Spektakulärer Donnerstagvormittag in Wolfsburg: Zwei Tage vor dem Spiel in Düsseldorf hat der Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten VfL Trainer-Manager Felix Magath beurlaubt.
Um 12 Uhr musste Magath im VW-Hochhaus bei Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz antreten. Da erhielt Magath die Nachricht von seiner Demission. Eine für 13.30 Uhr angekündigte Pressekonferenz war zwar eiligst abgesagt worden, inzwischen hat der Verein die Entlassung aber bestätigt.
Unsere Zeitung erreichte den freigestellten Fußball-Boss kurz nach dem Gespräch telefonisch. „Ich kann dazu nichts sagen. Machen Sie es gut“, waren Magaths einzige Worte.
Um 12.37 Uhr verließ der Trainerstab die VW-Arena. Co-Trainer Bernd Hollerbach, Torwarttrainer Andreas Hilfiker und Co. machten sich auf den Weg ins Werk. Dort wird sie der Aufsichtsrat entweder die Nachricht von ihrer Demission mitgeteilt oder die Frage gestellt haben, ob sie sich einen Verbleib beim VfL ohne Magath vorstellen können.
Bis wann Köstner übernimmt, ist angeblich noch unklar
Nachfolger als Trainer wird vorerst Amateurcoach Lorenz-Günther Köstner. Das hatte er schon einmal erfolgreich gemacht, als Ende Januar 2010 Armin Veh abgedankt hatte. Bis Saisonende führte der 60-Jährige damals die Profis. Der hatte eigentlich vor, am Donnerstagabend mit seinem Co-Trainer Alexander Strehmel die Regionalliga-Konkurrenten Hannover 96 II und Werder Bremen II zu beobachten.
Nun hat Aufsichtsratsboss Francisco Javier Garcia Sanz auch vor Journalisten das Aus von Felix Magath beim VfL Wolfsburg erklärt. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums nahm dazu um kurz nach 15 Uhr in der Mixed-Zone der VW-Arena Stellung.
Garcia Sanz: „Wir haben nach dem Freiburg-Spiel (Endstand 0:2, Anmerkung der Redaktion) im Präsidium und im Aufsichtsrat intensiv über die Situation gesprochen und uns viele Nächte um die Ohren geschlagen. Heute Morgen sind wir gemeinsam mit Felix Magath zu dem Schluss gekommen, dass es besser für den Verein ist, getrennte Wege zu gehen. Danach habe ich den Spielerrat informiert, dass wir uns von Felix Magath getrennt haben.“ (Hier geht's zum Kommentar "Denkmal Magath gestürzt")
Garcia Sanz bestätigte zudem die Beförderung Lorenz-Günther Köstners vom VfL-II-Coach zum Trainer der Profi-Mannschaft. Das erste Gespräch mit Köstner hat nach Informationen unserer Zeitung erst nach Magaths Demission stattgefunden. Dabei soll bislang nicht über eine Dauer des Köstner-Engagements gesprochen worden sein.
Nerlinger und Kahn werden als Sportdirektor gehandelt
Der Aufsichtsratsvorsitzende sagte zudem, dass sich der VfL bisher nur von Magath getrennt habe. Noch sei keine Entscheidung über dessen Trainerstab gefallen. Die als Magath-treu geltenden Bernd Hollerbach (Co-Trainer) und Werner Leuthard (Konditionstrainer) verlassen den VfL ebenfalls.
Zum Thema Neuaufbau der Führungscrew hielt sich Garcia Sanz ansonsten sehr zurück. Es sieht aber danach aus, dass der VfL künftig wieder auf zwei getrennte Posten setzt und einen Trainer und einen Manager/Sportdirektor einsetzen wird. Für letzteren Job wird heiß der ehemalige Sportdirektor des FC Bayern München, Christian Nerlinger, gehandelt. Auch Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn ist im Gespräch. „Wir werden uns in den nächsten Tagen Gedanken machen, wie die Strukturen des Vereins aussehen sollen“, sagte Garcia Sanz.
Um 16.10 Uhr richtete sich Felix Magath dann an seine Facebook-Fans. Dort folgen ihm 214.000 Nutzer. Magath blieb unkonkret und bedankte sich. Er schrieb: "Hallo Facebook-Freunde und Fans, ihr wart hier stets eine anregende, lobende wie auch kritische Gemeinde. Für Eure Begleitung und Unterstützung bin ich sehr dankbar. Dieser Austausch quer durch alle Altersschichten machte mir immer Spaß. Daran möchte ich nichts ändern. Ich werde mit Euch in Kontakt bleiben. An spannenden Themen wird es uns sicher nicht mangeln, dafür sorgt schon das Leben und der Fußball. Passt auf Euch auf und habt gute Tage. Danke und bis bald, Euer Felix Magath."
Der Zeitpunkt der Magath-Demission ist indes nur auf den ersten Blick überraschend. Möglicherweise wäre die Entscheidung schon eher gefallen, aber der mächtige VW-Konzern-Chef Martin Winterkorn war erst am Mittwochabend von einer Auslandsreise nach Brasilien und New York zurückgekehrt. Somit waren die Gespräche mit den im VfL-Aufsichtsrat maßgeblichen Konzernvorständen Garcia Sanz und Stephan Grühsem (mit Winterkorn unterwegs) erst Mitte der Woche möglich.
Der Artikel wurde im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert.
Eine Reportage vom Tag der Magath-Entlassung und eine Chronik der Ära Magath lesen Sie in der Freitagsausgabe unserer Zeitung.
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Denkmal Magath gestürzt
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