„Das Finale in Berlin ist ein tolles Ziel“
Wolfsburg Dieter Hecking ist seit Freitag offiziell Trainer des VfL Wolfsburg. Bei seiner Vorstellung gab sich der neue Coach sehr entspannt und locker.
Klaus Allofs freute sich. Nicht nur, weil er Dieter Hecking am Freitag als neuen Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg präsentieren konnte, sondern auch über das Medieninteresse an dieser Personalie. „So viele Leute sind bei den normalen Pressekonferenzen nicht hier“, stellte der Geschäftsführer Sport angesichts des brechend vollen Presseraums fest.
Die Journalisten hatten aber auch lange warten müssen. Wochenlang war die Trainerfrage beim VfL heiß diskutiert worden. Nun hat Allofs mit der Verpflichtung Heckings Fakten geschaffen. Zum ersten Mal in seiner langen Manager-Karriere hat er einen neuen Cheftrainer geholt. Zuvor hatte Allofs in Bremen 13 Jahre lang nur mit Thomas Schaaf zusammengearbeitet. Am Freitag um 13.04 Uhr trat er mit Hecking das erste Mal vor die Presse, sichtlich erleichtert, die erste Baustelle beim VfL geschlossen zu haben. „Alles, was man das erste Mal macht, ist mit Aufregung verbunden. Doch dann ist es doch nicht so schlimm“, gab Allofs mit etwas Humor einen Einblick in seine Gefühlswelt der vergangenen Tage.
Die war zuletzt auch noch von einem anderen Trainernamen bestimmt. Eigentlich war sich der VfL mit Bernd Schuster schon so gut wie einig, doch dann stellte der Coach zu große Forderungen. So kam Hecking ins Spiel. Der 48-Jährige hat aber kein Problem damit, dass er nicht die erste Wahl des VfL war. „Es ist das gute Recht eines Bundesliga-Klubs mit mehreren Kandidaten zu sprechen“, sagte der Coach.
Er wirkte bei seinem ersten offiziellen VfL-Termin sehr entspannt und gut gelaunt, plauderte auch mal aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel, als er auf den ungewöhnlichen Zeitpunkt seines Wechsel mitten in der Saison zu sprechen kam. „Einen optimalen Zeitpunkt für so einen Wechsel findet man nie. Aber ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Klaus Allofs und habe von Anfang an gespürt, dass er mich will“, so Hecking, der Nürnberg mit einem „weinenden Auge“ verlässt. „Es war keine leichte Entscheidung, Nürnberg zu verlassen. Ich hatte dort drei überragende Jahre“, sagte Hecking. Trotzdem hätten fast alle Weggefährten seinen Wechsel zum VfL verstanden. „In Nürnberg haben mir alle diesen Schritt gegönnt“, berichtete Hecking.
Denn das Engagement beim VfL ist für ihn ein kräftiger Karriereschub. Bisher war der Coach darauf spezialisiert, mit vergleichsweise kleinen Mitteln das Maximum rauszuholen. In Wolfsburg sind die langfristigen Perspektiven mit dem Volkswagen-Konzern im Hintergrund dagegen deutlich größer. Dennoch wollte der Trainer bei seiner Amtseinführung keine großen Ziele ausgeben. „Die größte Schwierigkeit besteht doch darin, dass die Mannschaft innerhalb eines halben Jahres nun die dritte Ansprache bekommt. Außerdem haben wir keine lange Vorbereitung für die Rückrunde. Die Mannschaft muss also sofort verstehen, was ich will“, sagte Hecking. Daher will er in der Rückrunde in der Bundesliga erst einmal kleine Brötchen backen, den Abstand zu den Abstiegsrängen, so schnell es geht, vergrößern. Nur in Bezug auf den DFB-Pokal lehnte er sich etwas aus dem Fenster. „Das Finale in Berlin zu erreichen, ist natürlich ein tolles Ziel für die Rückründe.“
Die Möglichkeit hat ihm sein Vorgänger Lorenz-Günther Köstner mit Siegen gegen den FSV Frankfurt und Bayer Leverkusen offengehalten. Trotzdem musste er den Posten des Cheftrainers räumen. „In den letzten ein, zwei Wochen stand für mich fest, dass wir auf der Trainerposition etwas verändern wollen“, sagte Allofs. Er traute Köstner trotz einer passablen Punkteausbeute eine langfristig erfolgreiche Arbeit in der Bundesliga anscheinend nicht zu. Bei Hecking ist das anders. „Wir haben eine ähnliche Spielauffassung, wollen beide eine größere Verzahnung der Profis mit dem Nachwuchs. Seine Verpflichtung war eine wichtige Entscheidung für den VfL“, lobte Allofs seinen neuen Trainer. Der muss nun beweisen, dass er diese Vorschusslorbeeren zu Recht erhielt.


