Bingo rettet den Abend
Ich muss eines zugeben: Ich langweile mich in Belek. Natürlich nicht während der Arbeitszeit. Beim VfL passieren genug spannende Dinge. Neuer Trainer, neuer Co-Trainer, neue Trainingsmethoden und mit Ivan Perisic ein millionenschwerer Neuzugang. Dazu ein Manager, der noch nicht lange da ist – da gibt es genug zu tun. Aber wenn alle Interviews geführt, alle Zeilen geschrieben sind und unser Fotograf alle Bilder nach Deutschland geschickt hat, ist es dunkel – und kalt. Der türkische Winter lädt nicht gerade zum Strandspaziergang bei Mondschein ein. Und da unser Hotel neben einem anderen Hotel liegt, das sich wiederum neben einem weiteren Hotel befindet, das sich... na, Sie wissen schon. Kurzum: Die Hotellobby bietet nach Feierabend die einzige Möglichkeit zur Unterhaltung. In unserer Verzweiflung haben sich zwei Kollegen und ich in ein mir bisher unbekanntes Abenteuer gestürzt: Bingo. Eigentlich dachte ich, dass bis zu meiner Bingo-Premiere noch ein paar Jahre vergehen werden, aber in Belek fand ich mich plötzlich in einem Raum mit zehn anderen deutschen Hotelgästen und zwei türkischen Animateuren wieder und kreuzte Zahlen an – was für ein Tiefpunkt. Doch mit jeder Zahl, die ich auf meinem Zettel abhakte, verwandelte sich mein anfänglicher Widerwille in Begeisterung. Und plötzlich schrie ich laut auf: „Bingo!“ Was für ein Gefühl. Gewonnen habe ich eine Gratis-Massage und einen Besuch im Friseursalon des Hotels. Außerdem darf ich ein Foto von mir auf einen Teller oder ein Kissen drucken lassen. Jetzt weiß ich endlich, was ich die nächsten Tage nach Feierabend tun kann.