Fanprojekt: Röttgermann kritisiert Pläne des Landes scharf

Wolfsburg  Die geplante Streichung der Landeszuschüsse für die Fanprojekte der Fußball-Profi-Klubs sorgt für Unmut am Bundesliga-Standort Wolfsburg.

Ausgelassen und fröhlich feiern ja, Ausschreitungen nein: Die Fan-Kultur im Fußball ist derzeit ein heißes Diskussionsthema.

Foto: Archiv

Ausgelassen und fröhlich feiern ja, Ausschreitungen nein: Die Fan-Kultur im Fußball ist derzeit ein heißes Diskussionsthema. Foto: Archiv

Die drohende Streichung der Landeszuschüsse für die Fanprojekte der Fußballklubs sorgt für Unverständnis in Wolfsburg. „Die Zuschüsse zu streichen, ist ein sehr skurriler Vorschlag, den ich unter Wahlkampfvorbereitung einordne“, sagt VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann zu den Aussagen von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann.

Der forderte nach den Vorkommnissen beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin, für Fanprojekte der Profiklubs die Landesmittel zu streichen, um diese im unterklassigen Fußball einzusetzen. Die Vereine der deutschen Top-Ligen sollen laut Schünemann angesichts steigender TV-Gelder indes selbst oder über die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für die Finanzierung aufkommen.

Das sieht Röttgermann anders. „Die aktuelle Problematik, die sich beim Fußball äußert, ist keine fußballspezifische, sondern eine gesellschaftliche Problematik“, sagt der Geschäftsführer des Bundesligisten.

Es geht in der Auseinandersetzung auch ums Prinzip. Mittelstreichungen, die für einen Standort wie Wolfsburg möglicherweise keine großen Folgen hätten, stellen wirtschaftlich schwächere Klubs durchaus vor Probleme. In Wolfsburg werden die beiden Sozialpädagogen und der Verwaltungsmitarbeiter des hiesigen Fanprojekts von vier Kooperationspartnern bezahlt. Für 2011 entstanden laut Stadt Kosten in Höhe von 156 000 Euro. Die trugen gemeinsam die Stadt Wolfsburg (65 312 Euro), die DFL (60 000 Euro), der Niedersächsische Fußball-Verband (15 350 Euro) und das Land Niedersachsen (15 338 Euro).

Ein finanzieller Einsatz, der sich lohnt, heißt es aus dem Rathaus. „Die Arbeit mit den Jugendlichen hat aus Sicht der Stadt einen hohen Stellenwert“, teilt Stefanie Geisler aus dem Pressereferat mit. Auch der VfL hält die Arbeit für wichtig und fördernswert. „Das Fanprojekt bietet für jugendliche Fans einen Anlaufpunkt. Es wäre sicherlich wichtig, es weiter zu unterstützen, wenn man sozialpädagogische Präventionsarbeit bei 12- bis 18-jährigen Fans betreiben möchte“, sagt der VfL-Fanbeauftragte Holger Ballwanz.

Auch in Wolfsburg gab es zuletzt vereinzelt Ausschreitungen. 13 Personen erhielten deshalb Stadionverbote und durften sich an Spieltagen nicht in der Nähe der VW-Arena und nicht in Teilen der Innenstadt aufhalten. Ob der Bannstrahl zur neuen Saison aufgehoben wird, steht noch nicht fest. „Es ist noch nicht geklärt, wie mit den Einzelfällen weiter umgegangen wird. Das wird aber alsbald entschieden. Demnächst gibt es Gespräche“, sagt VfL-Pressechef Gerd Voss. Die Entscheidung fällt der örtliche Ausschuss für Sport und Sicherheit. In dem sitzen Vertreter der Stadt, der Wolfsburger Polizei, der Bundespolizei, des Fanprojekts und die VfL-Fanbeauftragten.

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