„Viele Gegenspielerinnen hassen mich“
Wolfenbüttel Wildcats-Spielmacherin Brianne O‘Rourke spricht über ihre zwei Gesichter. Morgen trifft sie in der Lindenhalle auf Osnabrück.
Brianne O‘Rourke spielt in ihrer vierten Saison in der deutschen Frauenbasketball-Bundesliga im vierten Verein. Mit Herne, Chemnitz und zuletzt Osnabrück traf sie jeweils zweimal gegen Wolfenbüttel an. Egal, für welches Team sie auflief, die heute 25-Jährige zählte immer zu den Spielerinnen, die den Wildcats das Leben besonders schwer machten. Gut, dass sie inzwischen für die Lessingstädterinnen auf Korbjagd geht.
Seit 2009 hat sich O’Rourke ligaweit Respekt und Anerkennung erarbeitet – als bissige Verteidigerin, gute Schützin und als Spielgestalterin mit Übersicht. Bei den Fans unvergessen ist ihr Duell mit Shaina Zaidi. 2009 lieferten sich die beiden US-Girls in der Lindenhalle eine Privatfehde. „Das sind Spiele, an die ich mich auch besonders erinnere“, sagt O‘Rourke, die damals für Herne 22 Punkte erzielte.
Zaidi schenkte ihr 34 Zähler ein. Mit jedem Korb der damaligen Wolfenbüttelerin konnte man O‘Rourke ansehen, dass sie noch galliger verteidigte und noch zehn Prozent mehr gab. „Ich bin auf dem Feld ein Wettkampftyp. Wenn ich das Gefühl habe, dass meine Gegenspielerin ein besseres Spiel macht als ich, dann ist das für mich eine zusätzliche Motivation. Ich nehme das fast schon persönlich“, erklärt die heutige „Wildkatze“ und räumt ein: „Viele meiner Gegenspielerinnen hassen mich wegen meiner Spielweise.“
Wenn man die in Pittsburgh aufgewachsene 25-Jährige dann aber abseits des Feldes kennenlernt, ist diese Meinung schnell geradegerückt. „Ich habe wohl zwei Gesichter. Auf dem Feld bin ich verbissen und will meine Gegenspielerin um jeden Preis stoppen. Privat bin ich viel entspannter, lese viel und schaue gerne Filme, am liebsten Komödien“, sagt die Absolventin der Penn State University.
Zu ihrer ruhigen Persönlichkeit haben auch ihre Erfahrungen in Deutschland beigetragen. „In Herne war alles neu, ich kannte niemanden und habe neben dem Basketball fast nur zu Hause gehockt. Heute bin ich viel aufgeschlossener, mache viel mit meinen Mitbewohnerinnen (Samantha Whitcomb und Sarah Morton, Anm. d. Red.) und lerne auch neue Leute kennen.“
Gerade für Morton, die nach ihrer College-Zeit erstmals außerhalb der USA spielt, ist O’Rourke mit ihrer Erfahrung eine große Hilfe. „In Herne fiel es mir schwer, mich zurechtzufinden, weil ich dort niemanden hatte, der mir geholfen hat“, blickt „Bri“, wie sie von ihren Mitspielerinnen genannt wird, zurück. In ihrem neuen Umfeld in Wolfenbüttel fühle sie sich nicht nur deshalb wohler. Inzwischen möge sie Deutschland generell, vor allem „Schnitzel, das deutsche Bier und den Weihnachtsmarkt.“ Auf den in Wolfenbüttel freue sie sich schon jetzt.
Ebenso groß ist ihre Vorfreude auf das morgige Spiel (18 Uhr), denn es geht gegen ihre letztjährigen Kolleginnen aus Osnabrück. „Auch das ist eine Extra-Motivation für mich“, sagt O’Rourke. Mit dabei sind zwei ehemalige Wildcats, Juliane Höhne und Jessica Höötmann.
