"Wir wollen den deutschen Rekord angreifen"
Warum Nationalmannschaftsläufer Moritz Waldmann nach Braunschweig wechselt
Am Freitag ist Mittelstreckler Moritz Waldmann gemeinsam mit dem deutschen 800-Meter-Meister Sören Ludolph für vier Wochen ins Höhentrainingslager nach Flagstaff geflogen. Seit Wochenbeginn sind die beiden Kumpels aus Hannover nicht nur Nationalmannschafts- und Trainingspartner, sondern auch Vereinskollegen bei der LG Braunschweig.
"Ich habe von Sören und auch von Jonas Hamm mitgekriegt, dass es sehr gut läuft in Braunschweig", erzählt der 26 Jahre alte Hannoveraner von seinem Entscheidungsprozess zum Wechsel aus der Landeshauptstadt, wo er bislang für die dortige LG gestartet ist. "Die Betreuung durch den Förderverein des Laufteams ist sehr gut, und das Gesamtpaket stimmt einfach." Es habe natürlich auch einen finanziellen Anreiz gegeben.
Der eigentliche Anlass aber war eine Flachserei zwischen Waldmann, Ludolph und Braunschweigs anderem 1500-Meter-Spezialisten Hamm, der international für Finnland startet. "Wir haben rumgesponnen, dass wir den deutschen Uralt-Rekord in der 3-x-1000-Meter-Staffel angreifen können – zu dritt sind wir ja sehr stark."
Damit rannte das am Stützpunkt Hannover bei Jörg Voigt trainierende Trio bei Braunschweigs Laufteam-Chef Bernd Bröger – ein Liebhaber von Titeln aller Art – offene Türen ein.
"Eigentlich haben wir mit der LG Hannover eine Abmachung, dass wir uns gegenseitig keine Leute abwerben", sagt Bröger. "Aber da die Idee ja von den Jungs kam, war das in diesem Fall etwas anderes." Der Waldmann-Wechsel wurde perfekt gemacht, dafür erhielt Marathonläufer Stefan Koch keinen neuen Vertrag in Braunschweig.
Seine stärkste Saison lief Waldmann 2010. Mit seiner Bestzeit von 3:36,97 Minuten über die 1500 Meter qualifizierte er sich als deutsche Nummer zwei hinter dem Berliner Silbermedaillengewinner Carsten Schlangen für die Europameisterschaft in Barcelona. Dort schied er im Halbfinale aus.
Vergangene Saison dagegen lief es nicht gut. Der Student der Wirtschaftswissenschaften verdrehte sich beim Sprungtraining übel das Knie und wurde die Beschwerden nicht mehr los. Immerhin vertrat er den DLV noch beim Länderkampf in der 1500-m-Staffel in Frankreich. "Aber 2011 hat insgesamt alles nicht so hingehauen", klagt er.
Mittlerweile sei er aber wieder fit und hochmotiviert, das große Ziel anzusteuern: Die Olympischen Spiele in London. Die verschärfte Norm des DLV von 3:35,50 Minuten sei allerdings schwer zu knacken. "Ich denke aber, wenn ich gesund bleibe und alles optimal läuft, ist es machbar", sagt der Neu-Braunschweiger zuversichtlich.
