„Wir spielen alles ein bisschen schneller“
Braunschweig Phantoms-Flügelspieler Robert Kulawick über gewollte Müdigkeit, die neue Spielphilosophie seines Teams und die immer stärker werdende BBL.
Mit durchschnittlich fast 25 Minuten Einsatzzeit war Robert Kulawick bislang in den Tests einer der Gewinner im Team der Braunschweiger Basketballer. Der gebürtige Berliner sprach mit Redakteurin Ute Berndt über die Arbeit mit Trainer Kostas Flevarakis, die neue Spielphilosophie der Phantoms und die immer stärker werdende Bundesliga.
Herr Kulawick, die ersten beiden Testspiele gegen die Erstligakonkurrenten Quakenbrück und Oldenburg haben die Phantoms knapp verloren. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Im Großen und Ganzen sehr positiv. Es war schön, die Intensität von Erstligamannschaften gegen sich zu haben und zu sehen, was die so können. Ich muss sagen, da habe ich keine Angst um uns. Wir haben in diesen Spielen unsere Schwächen aufgezeigt bekommen, aber auch gesehen, dass wir sehr viel Potenzial haben. Wir werden jedenfalls nicht unter ferner liefen landen. Allerdings darf man Testspiel-Ergebnisse nicht überbewerten, alle Teams probieren viel aus, und die Spieler sind in der harten Vorbereitung müde.
Das gilt auch für Sie und Ihre Kollegen, wie alle betonen. Hatten Sie überhaupt schon mal einen Tag frei?
Sagen wir einen halben (lacht)... Wir machen beim Training auch aktive Regeneration mit viel Laufen, Dehnen, Werfen. Natürlich sind wir ganz schön müde! Aber das ist alles gewollt. Um zu sehen, wie wir uns verhalten, wenn wir müde sind. Und damit wir lernen, gute Entscheidungen auf dem Feld zu treffen, obwohl wir müde sind.
In der Saison ist keine Zeit mehr für Konditionsaufbau. Was man jetzt nicht erarbeitet, kann man nicht mehr aufholen. Ich denke also, es zahlt sich später noch aus, dass wir uns jetzt quälen müssen. Ich hoffe, wir haben dann einen Vorteil gegenüber anderen. Denn ich habe keine Lust mehr, Spiele in der Schlussphase zu verlieren, weil wir nicht mehr frisch genug sind.
Sie stehen derzeit in der Startformation, es werden Blocks für Sie gestellt. Wird mehr für Sie gespielt?
Ja. Aber für alle. Der Coach hat sich im Sommer extrem viel mit uns Spielern beschäftigt. Ich glaube, er hat sich jedes unserer Spiele auf Video angeguckt. Er wusste genau, wer was kann. Er lässt uns auf dem Feld Freiräume, aber er achtet schon darauf, dass für jeden mal ein System gelaufen wird, bei dem derjenige seine Stärke ausspielen kann. Bei mir ist das eben der Wurf, das haben die Jungs schon mitbekommen.
Letzte Saison sah es nicht so aus, als würde gezielt für Sie gespielt...
Es gab schon so ein System. Das wurde aber nur gelaufen, wenn es explizit angesagt wurde, was nicht oft der Fall war. Dieses Jahr versuchen wir, variantenreich zu sein und Systeme für jede Position zu haben.
Erklären Sie doch bitte mal die Unterschiede zwischen der neuen und alten Spielphilosophie der Phantoms.
Wir spielen alles ein bisschen schneller und mit mehr Druck. Wir vertrauen nicht mehr so sehr auf individuelle Stärken wie in den letzten Jahren. Sondern einer attackiert den Korb, weiß, wo die anderen sind, der Ball läuft schnell hin und her, und am Ende der Wirkungskette ergibt sich irgendwo ein freier Schuss.
Das Ganze ist noch mehr auf Mannschaftsspiel ausgelegt. Dem Trainer ist nicht wichtig, wer wie oft wirft oder trifft. Für ihn sind die drei Leute, die vorher für einen Schuss gearbeitet haben, genauso wichtig. Das vermittelt er uns gerade.
Defensiv spielen Sie aggressiver, teilweise sogar übers ganze Feld. Knacken gut vorbereitete Erstliga-Gegner so eine Presse nicht zu leicht?
Das glaube ich nicht. Es rennen nicht viele Teams in der Liga ihre Verteidigung so wie wir, deshalb ist es im Training auch bei kaum einer Mannschaft im Fokus, und wir haben ein Überraschungsmoment.
Ist das der sogenannte „Guard-Terror“ wie unter Ihrem ehemaligen Göttinger Trainer John Patrick?
Nein, nein. Wir spielen ja nicht immer so. Wir streuen diese Variante nur mal zwischendurch ein. Damit versuchen wir, den Rhythmus des Gegners zu stören, den Ball aus der Hand des Spielmachers zu bringen und langsam zu machen.
Auf jeden Fall gilt: Wer keine Verteidigung spielt, wird nicht lange auf dem Feld stehen. Alles in unserem Spiel kommt über die Defense – das hat mir der Trainer in unserem ersten Telefonat schon erklärt.
Es scheint, dass die Bundesliga noch stärker geworden ist. Die Top-Teams haben Spieler aus den starken südeuropäischen Ligen und mit NBA-Vergangenheit verpflichtet. Was erwarten Sie von dieser Saison?
Das ist Wahnsinn, was sich da auf dem Transfermarkt tut. Es spricht sich eben rum bei den Spielern, dass die BBL so solide ist und dass man in Deutschland immer sein Geld bekommt, gute Wohnungen und gut leben kann.
Schon bei den mittelmäßigen Klubs in südlichen Ländern geht es los. Ein paar Monate nach Vertragsunterzeichung schulden manche ihren Spielern schon zehntausende Euros. Dann kommen die Agenten und Anwälte ins Spiel. Du willst dein Geld einklagen, musst dich aber hinten anstellen, weil die Jungs von den fünf Jahren davor auch noch ihr Geld wollen. Das erzählt mir jedes Jahr einer von den Amis.
Ist diese Sicherheit in der BBL wichtiger geworden für die Spieler?
Ich denke schon. Das Leben ist dadurch doch auch entspannter. Wer sich gerade in den USA ein Haus gekauft hat, weiß, dass er auch seine Raten zahlen kann. Und du kriegst sogar noch dein Geld, wenn ein Klub insolvent ist. Außerdem ist es ein gewaltiger Unterschied, ob du einen neuen Golf plus hingestellt bekommst oder einen Ford Escort von 1989 ohne Gurt, bei dem du nicht weißt, ob du damit noch bis zum Training kommst.
Die Freundschaft hört immer beim Geld auf. Und deshalb wird sich das Niveau in der BBL noch weiter steigern. Denn wer erst mal hier ist, bleibt gern, und neben den vielen jungen Spielern kommen nun die alten aus der NBA auch noch mal zurück. Gut, dass es jetzt die 6+6-Regelung für uns deutsche Spieler gibt. Das ist echt ein Luxus.
