"Wir haben uns selbst um den Sieg betrogen"
Phantoms nutzen in München Schwung des tollen Starts nicht – Leere Verteidigungsversprechen
Erst war das Flugzeug überbucht, und die Lufthansa wollte nicht alle Phantoms mitnehmen. Dann mussten sie in München fast eine Stunde auf ihr Gepäck warten. Schließlich beförderte ihr Mannschaftsbus die mitgereisten Fans in ein – seit langem gebuchtes – Hotel, in dem eine andere Reisegruppe die Zimmer belegt hatte. Kurzum: Samstag war nicht der Tag des Braunschweiger Basketballs.
Und so passte es ins Bild, dass sich am Abend auch noch Schlüsselspieler Kyle Visser erst am Sprunggelenk verletzte und dann nach seinem Zähnezusammenbeiß-Comeback umstritten herausgefoult wurde. Und natürlich, dass nach einer hochspannenden Auseinandersetzung letztlich die Bayern den Sieg feiern durften – zur Begeisterung der Hoeneß-Brüder und des Ehepaars Stoiber auf der Tribüne.
Im Schlusskrimi hatte den Braunschweigern bei der 87:90-Niederlage erneut das Glück gefehlt. Nach ihrer letztmaligen Führung (77:78) 1:49 Minuten vor Schluss saßen zwei gut herausgespielte Dreipunktewürfe nicht, und die Bayern zogen vorbei.
Dass es nach dem fulminanten Start der Phantoms mit einer 34:23-Führung (14.) aber überhaupt so eng wurde, war das eigentliche Problem. Und das hatte nichts mit Pech zu tun. "Wir haben die Bayern durch unsere Fehler doch erst stark gemacht", ärgerte sich Kapitän Nils Mittmann, der mit zehn Punkten in sechs Minuten und guter Defensivarbeit gegen Bayern-Star Nadjfeji großen Anteil am perfekten Start seines Teams hatte. "Und wenn ein Spiel dann am Ende so knapp ist, hat man es auswärts gegen den Druck der Kulisse eben sehr schwer zu gewinnen."
Zwar hatte die Mannschaft die Ankündigung von Bayern-Trainer Dirk Bauermann, sein Team werde über 40 Minuten eine Verteidigung bieten, wie sie nur wenige Teams zu spielen imstande seien, zunächst ad absurdum geführt. Aber dann blieben sie selbst den angestrebten Beweis schuldig, dass sie ein besseres Verteidigungsteam sind als die Phantoms des Vorjahres.
Vor allem nach Vissers Ausscheiden beim 71:67 für Braunschweig (34.) konnten die Münchener um den quirligen Wallace viel zu leicht unter dem Korb einfache Punkte erzielen. Die 90 Zähler der Bayern waren schon viel zu viel. Und wenn man berücksichtigt, dass sie auch noch 17 Freiwürfe verschenkt hatten, wird klar, dass die Braunschweiger auch einen "Hunderter" hätten kassieren können.
"Wir haben uns heute selbst um den Sieg betrogen", kommentierte Trainer Sebastian Machowski die enttäuschende Defensivleistung seines Teams verärgert. "Denn wenn man hinten ein bisschen cleverer seinen Job macht, dann braucht man am Ende vorne nicht auf sein Dreierglück zu hoffen."
Auch wenn dies bei Mittmann, der mit viel Spielzeit auf der Position vier richtig aufblüht und in München in den letzten zehn Minuten dreimal von umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen ausgebremst wurde, in der Schlussphase ausblieb – um den Angriff muss sich Machowski keine Sorgen machen.
Defensiv allerdings drängt die Zeit. Denn die nächsten Gegner Berlin, Oldenburg und Bamberg sind sicherlich nicht schlechter als die Münchner vom Samstag.