Wie Dennis Schröder in die Start-Fünf rückte
Braunschweig Phantoms-Trainer Kostas Flevarakis erhörte zum München-Spiel den Wunsch des Nachwuchsstars. Auch Spielmacher-Kollege Jeremiah Davis profitierte
Das große Vertrauen seines Trainers Kostas Flevarakis spürt er schon die gesamte Saison. Dennis Schröders Spielzeit bei Braunschweigs Basketballern liegt über 20 Minuten im Schnitt. Was kann ein 19-Jähriger mehr wollen? Für Schröder ist das klar: In der Startformation auflaufen.
„Ich habe mit dem Trainer geredet, er hat mich gefragt, was wir ändern können“, berichtet das Ausnahmetalent vom weichenstellenden Gespräch im Vorfeld des Gastspiels der Phantoms in München. „Ich habe ihm gesagt, ich bin bereit, in der ersten Fünf zu spielen, und er hat gesagt: Okay, dann machen wir das so“, schwärmt der Youngster. „Und wir haben Bayern geschlagen!“
Die erstmalige Berufung in die Start-Fünf wurde für den U-20-Nationalspieler noch dadurch aufgewertet, dass er vor den Augen von Bundestrainer Svetislav Pesic glänzen konnte, der den 78:73-Sieg der Phantoms in der Münchener Arena verfolgte. „Das war auf jeden Fall noch ein besonderer Ansporn“, meinte Schröder, der Pesic mit 13 Punkten, 6 Vorlagen und 8 Rebounds eine große Show bot. Seinem großen Ziel, bei der EM 2013 im A-Nationalteam aufzulaufen, sei er wohl ein Stückchen nähergekommen, sagte er gewohnt kess, ohne seine fünf Ballverluste schönreden zu wollen.
Flevarakis Schachzug bestand aber nicht nur darin, den jungen Wilden aufs Feld zu schicken, sondern ihn zusammen mit Routinier Jeremiah Davis aufzubieten. „Das war eine gute Variante. Wenn zwei Aufbauspieler da sind, müssen wir anderen nicht so lange suchen, wem wir den Ball geben und unser Passspiel wird schneller“, lobte Harding Nana.
Beide Regisseure trumpften auf, punkteten, kontrollierten das Tempo. Erst gemeinsam, dann abwechselnd. Und so durfte auch Davis zufrieden sein, der nach vielen schwachen Leistungen zuvor die Nachricht verkraften musste, dass die Phantoms einen neuen Aufbauspieler suchen. „Ich vertraue in meine Leistungsfähigkeit“, sagte er. „Aber wenn ich das Problem sein soll, akzeptiere ich das.“ Das denke er allerdings nicht, fügte der 31-Jährige an. „Wir sind eine gut funktionierende Gruppe, und wenn der Fokus von jedem so stimmt wie heute, dann brauchen wir nicht noch jemanden dazu.“
Sportdirektor Oliver Braun stellte klar, dass man trotz des Sieges weiterhin nach einer Verstärkung suche, betonte jedoch: „Aber ob dafür dann ein Spieler weggehen soll und wenn ja, wer, das ist noch völlig offen.“
Schröder jedenfalls hat seinen Platz sicher, wenn auch nicht immer in der Startformation. Flevarakis amüsiert sich über sein so selbstbewusstes, anspruchsvolles Talent. Er habe schon viele 18-, 19-Jährige in Erstligateams eingebaut, berichtet der versierte Talententwickler lächelnd. Allerdings seien das meist große Spieler gewesen, die auf dem Feld längst nicht so viel Verantwortung tragen und so viele Entscheidungen treffen müssen wie ein Aufbauspieler.
Schröder sei also durchaus ein besonderer Fall. „Ja, Dennis hat gesagt, dass er sich besser fühlen würde, wenn er erste Fünf spielt“, bestätigt der Trainer die Forderung des Youngsters, der er gerne nachgekommen sei. „Aber wir wissen ja alle, dass es nicht darauf ankommt, wer zu Beginn auf dem Feld steht, sondern am Ende“, betont der Trainer. Und das war in München seit längerem mal wieder Jeremiah Davis.



