Weltklasse-Schützen im Duell
Für Sport-Fans sind die Olympischen Spiele noch lange hin. Doch für die Aktiven geht es längst um alles, um im Juli und August in London starten zu dürfen. Drei Pistolenschützen lieferten sich in Braunschweig schon einmal einen vorolympischen Schlagabtausch.
Und gleich zweimal war Hans-Jörg Meyer beteiligt. Der Wolfenbütteler, der für die Mannschaft von SB Broistedt in der Bundesliga antritt, durfte bereits 2008 in Peking Olympialuft schnuppern. Noch besitzt er alle Chancen, um auch in London dabeizusein.
In der Bundesliga bietet jedes Team fünf Schützen auf, jeder misst sich mit einem Gegner im Duell, hat in 50 Minuten 40 Schuss zu absolvieren. Jenes Team, das mindestens drei dieser Duelle gewinnt, hat auch das Match für sich entschieden.
Beim Wettkampf am Samstag in Braunschweig hatte es Meyer mit Christian Reitz aus Kriftel zu tun, auch ein Olympia-Kandidat. Beide erzielten hervorragende 387 Ringe von 400 möglichen. Im Entscheidungsschuss setzte sich Meyer durch. Mit dieser Nervenstärke hat er schon viele Siege errungen.
Doch gestern musste sich Meyer geschlagen geben – mit 382 Ringen, ein Ergebnis von dem die Braunschweiger Pistolenschützen nur träumen können. Bis auf einen, Oleg Omelchuk. Der Ukrainer kam auf 385 Ringe, nachdem er tags zuvor gegen Fahrdorf seinen Gegner mit 389 Ringen weit auf Distanz gehalten hatte.
Omelchuk ist ein Weltklasse-Mann und gilt als sicherer Kandidat seines Landes für London. "Erst zweimal in meinem Leben habe ich bei solch einem Lärm schießen müssen. Das bin ich nicht gewohnt, stört mich aber auch nicht groß", sagte der 30-Jährige. Der gefürchtete Broistedter Anhang gab alles auf den Zuschauerplätzen, trommelte und feuerte lautstark an. Derartige Unterstützung hat kein anderes Team. Doch Meyer hat das gestern nicht beflügeln können.
"Ich bin voll im Saft. Im Februar bei der EM geht es um die Olympia-Tickets", verriet der Wolfenbütteler. Und auch das: "Ich habe das Training hochgefahren auf viermal wöchentlich je zwei Stunden. Mehr geht beruflich nicht."
Omelchuk trainiert ebenfalls acht Stunden. Aber nicht in der Woche, sondern jeden Tag. Das macht dann den Unterschied aus, manchmal nur drei Ringe, aber es reicht.
"Wenn ich so einen starken Schützen neben mir habe, gibt es kein Bangesein. Aber man zollt ihm höchsten Respekt. Und dann beflügelt das auch wieder einen selbst", erklärte Meyer, gar nicht traurig verloren zu haben. Denn Broistedt gewann schließlich mit 3:2 gegen Braunschweig.
So wie Fahrdorf am Samstag auch. Und plötzlich findet sich die BSG zwei Wettkampftage vor Saisonende auf dem Relegationsplatz wieder. Trotz Supermann Omelchuk. Weil der Rest des Teams massiv schwankte zwischen Bundesliga-Mittelmaß und Landesliga-Niveau. Man kann nicht alles haben.
