Warum macht der Erfolg die Phantoms nicht sexy?
Braunschweig Braunschweigs Basketballer rätseln über ihre rückläufigen Zuschauerzahlen zum Saisonende gegen den Bundesliga-Trend. BBL meldet Rekordbesuch.
Als die Basketball-Bundesliga diese Woche ihren nächsten Zuschauerrekord (plus 13 Prozent) bejubelte, gab es für Braunschweigs Korbjäger nichts mitzufeiern. Denn während die Play-off-Konkurrenz wächst und wächst, kommen die Phantoms nicht vom Fleck.
Mit knapp 3400 Besuchern im Schnitt liegen sie zwar noch im Tabellenmittelfeld der 18 Klubs und auch finanziell nur irrelevant unter ihrer Kalkulation von 3500. Im Vergleich zum Vorjahr melden sie sogar eine Verbesserung um fast 200 Zuschauer. Doch während die anderen Erstligisten immer öfter „Ausverkauft!“ melden, bilden die Braunschweiger mit traurigen 56 Prozent abgeschlagen das Auslastungs-Schlusslicht.
Es ist dieser Vergleich, diese gegenläufige Entwicklung, die die Verantwortlichen schmerzt und sie in Alarmstimmung versetzt. Denn Letzter bei der Auslastung sind sie schon seit Jahren, und der Zuschauerschnitt war in der Ära von Trainer Emir Mutapcic mit rund 2700 Fans auch schon deutlich schlechter.
Aber es geht nicht vorwärts, und der perspektivisch angestrebte Besucherschnitt von 4000 plus ist außer Sichtweite geraten. Standorte mit neuen 6000er-Hallen wie München und Ulm ziehen vorbei, andere planen neuen Arenen dieser Größe, wie Oldenburg und Würzburg. Dass die BBL gerade das Top-4-Turnier 2013 nach Berlin und eben nicht nach Braunschweig vergeben hat, dürfte ebenfalls mit der Zuschauererwartung zusammenhängen.
Erfolg macht sexy, heißt eine der Regeln in der Sportvermarktung. Identifikationsfiguren müssen her, eine andere. Und beide Voraussetzungen können die Braunschweiger bieten. Die Mannschaft hat als einzige neben Meister Bamberg und Vizemeister Berlin in den letzten drei Spielzeiten immer die Play-offs erreicht. Und im Phantoms-Trikot laufen in Nils Mittmann, Dennis Schröder und Daniel Theis drei Eigengewächse auf – da kann kein Gegner mithalten. Mit knapp 25 Jahren Bundesliga-Basketball in der Stadt stimmt zudem die Tradition.
Doch solche Regeln scheinen in Braunschweig außer Kraft gesetzt oder gar umgekehrt: Je wichtiger die Spiele zum Ende der Hauptrunde wurden, desto schlechter waren sie besucht, wobei die Fußball-Champions-League-Konkurrenz nur eine kleine Entschuldigung sein kann. Gegen Bayern München, den Hallenfüller von Dienst in der Liga, kamen nicht mehr Fans als im Januar gegen Bayreuth. Und beim Alles-oder-Nichts-Spiel um den Play-off-Einzug gegen Bonn mussten die Phantoms den Saison-Minusrekord von 2619 Besuchern quittieren.
Ein unerklärlicher Abwärtstrend, der die Verantwortlichen frustriert und relativ ratlos macht. Denn die Phantoms tun Jahr für Jahr mehr, um neue Zuschauer für ihren Sport zu begeistern. Die sozialen Projekte und die Graswurzelarbeit in Schulen, Jugendzentren, Universitäten wurden erheblich ausgeweitet.
Was tun? „Wir werden es professionell untersuchen lassen, warum nicht mehr Leute zum Basketball kommen“ kündigte Aufsichtsrats-Chef Michael Doering ein Marktforschungsprojekt an. Finanzchef Norbert Rüscher will in der Sommerpause einen Ideen-Pool ins Leben rufen, Sportdirektor Oliver Braun verhandelt mit Marketingstrategen.
