Vom richtigen Umgang mit dem Druck
Braunschweig Die Phantoms-Basketballer, die Bayern und Robert Kulawick müssen am Samstag mit Ausnahmesituationen klar kommen
Ob die Fußballprominenz der Bayern um Uli Hoeneß und Bastian Schweinsteiger am Samstag nach dem Spiel gegen Hannover 96 wieder beim Basketball vorbeischaut, ist unbekannt. Das Live-Fernsehen ist diesmal jedenfalls nicht da, wenn Braunschweigs Korbjäger in München auflaufen.
Ausnahmsweise nicht, sagen viele Basketballfans und kleine Klubs. Sie kritisieren, die TV-Übertragungen von BBL-Spielen drehten sich zu viel und zu oft nur um den Ligakrösus. Selbst die jeweiligen Gegner seien nur Staffage beim „Mia san mia“. Liga-Geschäftsführer Jan Pommer bekennt sich aber gern dazu, die Popularität der Marke Bayern nutzen zu wollen, um den Basketball nach vorne zu bringen.
Den Phantoms-Korbjägern ist es angesichts von vier Niederlagen in Folge und dem Verletzungspech am Samstag jedenfalls recht, dass ihre sportliche Misere nicht beleuchtet und durch die Republik gesendet wird. Gerne sind sie nach dreimaligem kollektiven Versagen gegen Gegner auf Augenhöhe beim Münchener Starensemble mal wieder nur Außenseiter.
„Das nimmt ein bisschen Druck weg“, sagt Trainer Kostas Flevarakis. „Wir haben eine schwere Woche hinter uns“, berichtet er von einer Menge Gesprächen mit seinen Profis, von mentaler Aufbauarbeit. Er sei weiterhin davon überzeugt, dass er die Spielphilosophie nicht in Frage stellen müsse. Das Problem sei das mentale Versagen ausgerechnet in den entscheidenden Phasen jener Spiele, die man unbedingt gewinnen müsse, betont Flevarakis. Die Partie in München zählt nicht dazu.
Dass es deshalb leichter wird, glaubt Robert Kulawick aber nicht. „Wir haben trotzdem Druck, denn wir stehen ja unten“, betont der Flügelspieler. „Jeder kann jeden schlagen, und wir brauchen unbedingt Siege – je schneller wir anfangen, desto schneller ist der Druck weg.“
Der 26-Jährige erlebt die Vorbereitung auf das Spiel ohnehin in einer psychischen Ausnahmesituation. Denn seine Verlobte Diana ist hochschwanger und erwartet in Braunschweig das gemeinsame Töchterchen. „Ich denke, es passiert noch nicht dieses Wochenende“, sagt Kulawick. Er will die Mannschaft ungern im Stich lassen, zumal schon Nils Mittmann verletzt ausfällt und Thad McFadden angeschlagen ist. „In unserer Situation brauchen wir jeden Spieler.“
Doch eine Geburt des ersten Kindes hat natürlich Vorrang, das hat der gebürtige Berliner mit den Phantoms-Verantwortlichen vorsichtshalber schon besprochen. „Ich habe den Rückhalt vom Verein, dass ich nach Hause fahren kann, wenn Diana mich anruft“, erzählt er. „Und das finde ich sehr positiv.“
So gesehen kann ihn Bayern München natürlich nicht schocken: „Ein Team gespickt mit Stars, die sich alle zeigen wollen, aber von denen auch immer nur einer den Ball haben kann“, sinniert er. „Die sind immer unter Druck – und vielleicht können wir das diesmal ausnutzen.“
•Bayern – Phantoms, Samstag, 19 Uhr.



