Vom Kickoff bis zum letzten Spielzug
Danica Barth leitete bei der ersten American-Football-WM der Frauen Eröffnungsspiel und Finale
"Als vor dem Spiel die Nationalhymnen gespielt wurden, das war schon ein sehr emotionaler, bewegender Moment", gesteht Danica Barth. Die 33-jährige gebürtige Braunschweigerin war eine von 15 Schiedsrichterinnen bei der 1. IFAF American-Football-Weltmeisterschaft der Frauen, die vom 25. Juni bis 4. Juli in Schweden stattfand.
Sie war sich der historischen Tragweite bewusst: "Im Vorfeld denkt man schon über die große Bedeutung nach, die die erste WM für das Frauen-Football hat", sagt Barth, "aber während des Spiels konzentrieren sich die Gedanken ausschließlich auf das Spielgeschehen."
Bei der WM wurden ihr sogar die Schlüsselspiele anvertraut. "Ich habe das Eröffnungsspiel mit dem ersten Kickoff gepfiffen und auch das Endspiel." Bei insgesamt fünf Partien der Weltmeisterschaft stand sie auf dem Feld – ein Beweis, dass ihre Leistungen bei dem Turnier überzeugten.
Das hätten ihr auch die zwei für die Schiedsrichterinnen abgestellten Lehrwarte bestätigt. "Deren Tenor nach dem Turnier war, dass ich auf dem richtigen Weg bin und einfach so weitermachen und dazulernen soll", erzählt Barth.
Dazugelernt haben dürften auch die meisten Spielerinnen, denn die USA waren bei der WM eine Klasse für sich und erteilten ihren Gegnerinnen bereitwillig Lehrstunden. "Die anderen fünf Teams spielten aber auf Augenhöhe. Das waren spannende Spiele", sagt Barth. Sie kann sich ein Urteil erlauben, schließlich hat sie nicht nur die Lizenz zum Pfeifen von Spielen der German Football League, der höchsten deutschen Männer-Spielklasse, sondern spielte auch vor ihrer Schiedsrichter-Laufbahn selbst.
Die beiden Lehrwarte hätten die 15 Schiedsrichterinnen aus sieben Nationen im Vorfeld der WM erst einmal "auf Linie" bringen müssen. "In jedem Land gibt es eigene Mechanics, also Zeichensprache und Ausdrücke auf dem Feld. Deshalb mussten wir das gemeinsame Auftreten bei der WM absprechen." In den Halbzeitpausen hätten die beiden Männer von der IFAF Spielsituationen mit den sieben das Spiel pfeifenden Unparteiischen durchgesprochen, nach dem Spiel ausführliche Video-Analysen mit den Frauen durchgeführt.
"Die hatten es als Männer unter lauter Frauen sicher nicht leicht", erzählt Barth und lacht. Fast der gesamt WM-Tross habe auf einer Anlage gewohnt. "Da kam es schon mal vor, dass wir uns untereinander auf Englisch unterhalten haben und irgendwann herausfanden, zum Beispiel bei den Österreicherinnen, dass wir uns auch auf Deutsch hätten unterhalten können."
Die Tage bei der WM seien einem strikten Ablauf gefolgt: "Wir sind morgens mit zwei Bussen zum Spielort gefahren, wo meist um 13 und 18 Uhr die Spiele stattfanden – entweder ich habe selbst gepfiffen oder ich habe zugeschaut", erzählt sie.
Die Spielvorbereitungen hätten viel Zeit in Anspruch genommen. "Bei der WM wurde viel Wert auf die Kontrolle der Ausrüstung gelegt. Außerdem lasse ich mir auch die Spielzüge der Teams vorweg erklären, damit ich auf dem Feld nicht von den exotischeren Spielzug-Ideen der Coaches überrascht werde."
Ihr Fernziel steht jetzt auch schon fest: "Für 2013 ist die nächste WM geplant, da will ich natürlich wieder mit von der Partie sein."

