So spielt eine Mannschaft, die in die Play-offs will
Ein schöneres Geschenk hätte es für Ulrich Everling kaum geben können. Braunschweigs erster Basketball-Nationalspieler feierte gestern seinen 79. Geburtstag. Und zwar nicht etwa zu Hause im Kreise seiner Familie, sondern beim Spiel der Phantoms. "Wenn du in deinem Leben schon so oft Geburtstag gehabt hast, legst du da keinen Wert mehr drauf", scherzte Everling, der 1961 gegen Luxemburg sein Debüt im Nationaldress gab.
Der Besuch in der VW-Halle sollte sich gestern nicht nur für Everling, sondern auch für alle anderen 3200 Zuschauer lohnen, sofern sie zu den Phantoms hielten. Denn in einer heiß umkämpften Partie fegte ihr Team den Tabellenzweiten aus Würzburg mit 73:63 (33:39) vom Parkett der VW-Halle. Und das, obwohl die Gastgeber in Immanuel McElroy auf einen ihrer absoluten Leistungsträger verzichten mussten.
Für den verletzten US-Amerikaner rückte Landsmann LaMarr Greer in die Startformation – und später auch in den Blickpunkt. Mit 26 Punkten, davon alleine 13 im vierten Viertel, avancierte der 35-Jährige zum Matchwinner. "Er hat uns offensiv getragen", war auch Trainer Sebastian Machowski voll des Lobes für seinen Routinier.
Doch nicht nur der alte Mann glänzte, auch Dennis Schröder, mit 18 Jahren das Nesthäckchen im Team der Phantoms, spielte gestern groß auf. Fast 15 Minuten stand der Youngster auf dem Feld –und rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers. "Er hat seinen Job sehr, sehr gut gemacht", sagte Machowski und meinte damit insbesondere Schröders Verteidigungsleistung.
Der wieselflinke Aufbauspieler war maßgeblich daran beteiligt, dass die Phantoms dem Gast in der zweiten Halbzeit nur noch spärliche 24 Punkte gestatteten, im Schluss-Viertel derer gar nur noch 10. "Das macht mich stolz", gestand Coach Machowski anschließend. Dass es dennoch bis zur Schlussphase dauerte, ehe sich seine Schützlinge absetzen konnten, lag an der zuvor schwachen Trefferquote. Bis Ende des dritten Viertels hatten die Phantoms nämlich lediglich einen ihrer 13 Dreierversuche verwandelt.
"Mir war klar, dass sich das Spiel wenden würde, wenn wir die ersten Würfe treffen", bilanzierte Machowski. Und tatsächlich: Beim Stand von 60:61 zauberte der letztjährige Pokalfinalist eine 14:0-Serie aufs Parkett, an deren Ende es die mehr als 3000 Zuschauer nicht mehr auf ihren Plätzen hielt. 11 dieser 14 Punkte erzielte übrigens LaMarr Greer.
Geburtstagskind Ulrich Everling, der wie immer direkt am Spielfeldrand saß, war daran nicht ganz unschuldig. Als Greer in einer Spielunterbrechung in seiner Nähe war, forderte er ihn auf: "Shoot!"
Diesen Wunsch konnte der Phantoms-Profi dem Jubiliar natürlich nicht ausschlagen. An die 59 Punkte, die Everling 1961 in einem Oberliga-Spiel erzielt hat, konnte auch Greer nicht heranreichen. Aber vielleicht hat er sich das für den 80. Geburtstag von Braunschweigs erstem Nationalspieler aufgehoben.
