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Phantoms

Schulterklopfen für den Blonden

Heiko Schaffartzik spielt toll beim Sieg gegen Serbien, denkt aber noch nicht an die Zukunft in der Türkei

Ute Berndt

KAYSERI. Als sich die deutschen Basketballer nach ihrem sensationellen 82:81-Triumph gegen den Rekord-Weltmeister Serbien zum Feiern in Richtung ihrer Fans aufmachten, wurde Heiko Schaffartzik schon ein paar Meter vor dem Spalier der Deutschen abgefangen. Mehrere Türken zogen den Spielmacher zu sich und klopften ihm anerkennend auf die Schulter.

"Das war, weil ich blond und blauäugig bin, was sie hier nicht so oft zu sehen bekommen, und weil die Türken eben sehr nett sind", meinte der letztjährige Braunschweiger Spielmacher. Dass die Zuneigung mit seinem Wechsel ins nahe Ankara zu tun haben könnte, glaubt er hingegen nicht.

Für ihn habe sein künftiges Vereins-Engagement in der Türkei momentan überhaupt keine Bedeutung. "Da könnte ich auch in Aserbaidschan spielen – ich will mir meine Konzentration auf die WM nicht kaputt machen, indem ich an was anderes denke", betont der 26-Jährige. "Bei einer WM aufzulaufen, könnte ein einmaliges Erlebnis bleiben." Auch spüre er keinerlei besondere Aufmerksamkeit türkischer Medien.

Das wäre vielleicht schon Sonntagabend anders gewesen, wenn er seinen letzten Wurf getroffen hätte. Nachdem er in der Vorbereitung und zum WM-Auftakt gegen Argentinien blass geblieben war, war dies nun so ein typisches Schaffartzik-Spiel: Schon zur Halbzeit und zum Ende des dritten Viertels hatte der Spielmacher bei ablaufender Uhr jeweils den letzten Korb für die deutsche Mannschaft erzielt und sie damit noch in Führung gebracht. Dann stand es Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit 69:69, und natürlich war es Schaffartzik, der die Partie entscheiden wollte und sollte. In den Minuten zuvor hatte er einige Notwürfe in verballert, diesmal erarbeitete er sich mit Hilfe der Kollegen einen freien Dreier, der aber vom Ring sprang. "Ich dachte, der geht rein", sagte er etwas enttäuscht.

In diese Schlussphase und den vermeintlich entscheidenden Wurf hatte der Ex-Phantoms-Regisseur so viel Energie gesteckt, dass er am Ende überzeugt war, der Sieg wäre erst nach drei Verlängerungen perfekt gewesen. "Waren es nur zwei?", fragte er ungläubig in die Runde und gestand: "Ich war total platt, ich bin an meine körperlichen Grenzen gegangen, ich konnte nicht mehr."

Aber da kam die Stärke der deutschen Mannschaft zum Tragen. "Jeder war für jeden da, wir konnten unsere Konzentration hoch halten, und wir haben Serbien niedergekämpft mit unserem Willen", lobte Schaffartzik. Und in den beiden Verlängerungen waren es die Routiniers Steffen Hamann, Demond Greene und der herausragende Matchwinner Jan Jagla, die alle 13 Punkte des Teams erzielten.

Wer 50 Minuten fast konstant auf WM-Niveau spielen kann, muss keinen Gegner fürchten, lautet Schaffartzik Resümee und Ausblick für das weitere Turnier. Ein Sieg sei allerdings noch nicht viel wert, das Achtelfinale noch fern. Die gestrige Partie gab ihm recht.

Doch wenn er mit seinen Kollegen ab morgen an vorgestern anknüpft und zumindest Angola und Jordanien schlägt, klappt es auch mit dem Umzug nach Istanbul zur K.o.-Runde. Und dort dürften dann auch die türkischen Medien den blonden, blauäugigen Import aus "Almanya" ins Visier nehmen.

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Veröffentlicht: 30.08.2010 - 22:00 Uhr
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