Schröder und Theis trumpfen groß auf
Als sei die Partie nicht nervenkitzelnd genug gewesen, setzte Liviu Calin 23 Sekunden vor Schluss noch eins drauf: Der Trainer der SG Baskets pfefferte seine Taktiktafel wütend auf den Boden – und hätte damit beinahe das Spiel verloren. "Das hätte ich auf meine Kappe nehmen müssen", gestand er ein.
Zuvor hatte Calin umso ausgelassener in der Jubeltraube seiner Schützlinge mitgefeiert, dass es doch nicht so gekommen war, sondern sein Team 85:81 (40:45) gewonnen hatte. Denn Gegner Schwelm wusste mit den Geschenken der Braunschweiger nichts anzufangen. Weder verwandelten die Westdeutschen den Wurf, den ihnen Lucas Gertz beim Stand von 82:80 mit seinem haarsträubenden Ballverlust beim Einwurf 30 Sekunden vor Schluss offeriert und der Calins Emotionsausbruch ausgelöst hatte, noch nutzten sie die Chancen, die der Tafel-Wurf ihnen unverhofft einräumte.
Denn die Aktion des SG-Coaches wurde laut der verschärften Disziplinregeln mit einem Technischen Foul bestraft– da ließ Spielmacher Dennis Schröder in minutenlangen Diskussionen mit den Schiedsrichtern vergeblich seinen Charme spielen. Zwei Freiwürfe und Ballbesitz bekamen die Gäste geschenkt. Aber ein magerer Freiwurfpunkt war ihre ganze Ausbeute.
Den Braunschweigern kam in der Schlussphase zur Hilfe, dass bei Schwelm die US-Schlüsselspieler Jason Smith (35.) und Alex Starr (39.) schon herausgefoult waren. Brettspieler Kristof Speier war verletzt ausgefallen, so dass die Theis-Brüder unter den Körben leichteres Spiel hatten als erwartet. Daniel Theis trumpfte im zweiten und vierten Viertel auf. Mit zwei Blocks in den Schlussminuten leitete er Schnellangriffe ein, holte alle wichtigen Rebounds und machte von der Freiwurflinie den Sieg perfekt.
Dabei waren die Braunschweiger lange Zeit vergeblich einem Rückstand hinterhergelaufen. Mit bis zu elf Punkten lagen sie gegen die clever kombinierenden Gäste hinten (48:59, 24.). Sie kamen durch Schröder auf 59:59 (27.) und 68:68 (32.) heran, schafften es aber zunächst nicht, in Führung zu gehen.
Das gelang erst zwei Minuten vor Schluss durch einen Dreier von Frank Theis zum 77:75 . "Wir hatten uns vorgenommen, locker zu bleiben und langsam aufzuholen, das ist uns gelungen", meinte Schröder. Die Steigerung des Spielmachers war letztlich der Schlüssel zum Sieg. Schröder trieb mit Ballgewinnen das Tempospiel voran und traf drei Schlüsseldreier. "Wir haben in Hälfte zwei konzentrierter gespielt und besser verteidigt", sagte er – wohl auch im Blick auf sich selbst.
So verteidigten die SG-Baskets ihren zweiten Tabellenplatz in der ProB und konnten dank ihrer starken Jugend-Nationalspieler sogar verkraften, dass Lucas Gertz nach seinem Bänderriss und Howard Sant-Roos zumindest offensiv weit von ihrer Bestform entfernt waren.
