Saison der Trotzreaktionen – nun sind die Phantoms dran
Braunschweigs Basketballer fahren Sonntag zum Duell der Enttäuschten nach Oldenburg – Jorovic soll spielen
"Jetzt könnte sich schon die Spreu vom Weizen trennen", hieß es in der Ankündigung der Basketball-Bundesliga vor dem zweiten und dritten Spieltag. Denkste. Jeder gewinnt derzeit gegen jeden. Und Prognosen sind die reine Lotterie."Ich kann überhaupt noch nichts einschätzen", sagt auch Braunschweigs Trainer Sebastian Machowski. "Die Liga beweist jedenfalls, wie ausgeglichen sie ist. "
Die Baskets Oldenburg, Phantoms-Gastgeber am Sonntag, bekamen das am Mittwoch in Ludwigsburg zu spüren. Dorthin waren die als Tabellenführer gereist, wurden aber genauso klar wie die Braunschweiger im Heimspiel gegen Berlin mit 20 Punkten überrannt – von einer Mannschaft, die Spieltags zuvor in ähnlicher Weise von den Göttingern düpiert worden waren, die wiederum mit 40 Punkten in Bamberg verloren hatten.
Nächstes Beispiel: Bremerhaven geht in Trier mit 20 Punkten unter und bezwingt dann Berlin. Die Trierer hingegen unterliegen klar in Quakenbrück, zum Auftakt noch Überraschungs-Verlierer in Ulm.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Groß der Bundesligisten in der Lage ist, personell und mental innerhalb weniger Tage den Schalter umzulegen, Fehler abzustellen, ganz anders aufzutreten. Bislang ist es eine Saison der Trotzreaktionen – wobei die der Phantoms noch aussteht.
Am Ende werden Bamberg, Berlin, München und wohl auch Oldenburg oben stehen, schließlich verfügen diese Teams nahezu über den doppelten Etat wie die Verfolger. Aber dahinter scheint alles noch offener als gedacht. Wobei Tabellenführer Bonn, Aufsteiger Würzburg und Ulm einen überraschend starken Saisonstart boten.
Die Braunschweiger drohen angesichts ihres schweren Folgeprogramms mit Spielen in Oldenburg, Bamberg und Ludwigsburg erstmal den Anschluss zu verlieren, sollten sie nicht defensivstärker und taktisch klüger auftreten als zuletzt.
Ihr Hoffnungsträger heißt Branko Jorovic und soll Sonntag zumindest für einige Minuten sein Bundesligadebüt feiern. "Mit seinem Spielwitz und als hervorragender Werfer bringt er uns eine Dimension, die wir mit Nils Mittmann und Rich Melzer auf der Position vier nur teilweise hatten", sagt Machowski.
Dennoch ist sein Team beim Meister von 2009 Außenseiter. Die Oldenburger haben ausnahmslos europäisch erfahrene Top-Ausländer verpflichtet. Beim Turnier in Göttingen hatten die Phantoms knapp verloren, allerdings ohne Jorovic und Melzer. "Weil wir schon gegen Oldenburg gespielt haben, wissen die Spieler, worauf sie sich einstellen müssen", sagt Machowski.
Der Trainer war nach der Berlin-Pleite vor allem sauer, dass unter dem Druck des Gegners die taktischen Marschroute nicht befolgt wurde. "Außerdem müssen wir mit mehr Selbstvertrauen auftreten", fordert er. Wo das herkommen soll nach zwei bitteren Niederlagen in Folge? Machowski klingt zumindest schon mal trotzig: "Das erarbeitet man sich, in dem man das umsetzt, was man im Training geübt hat."


