Rekordkulisse sieht tolles Spiel – aber kein Happy-End
Jorovics letzter Dreier verfehlt den Ulmer Korb – Bittere Niederlage für Phantoms
Was hat dieser Mann für ein Pech mit den Würfen in letzter Sekunde! Fassungslos zog sich Branko Jorovic nach der Schlusssirene sein Trikot über den Kopf. Die Halle war einen Moment lang totenstill, bevor es den verdienten Beifall für eine Klasseleistung der Braunschweiger Basketballer gab. Wie schon im Heimspiel gegen Quakenbrück hatte der Serbe die Chance gehabt, mit dem letzten Schuss seinem Team einen Sieg zu bescheren. Aber sein Dreier verfehlte den Ulmer Korb, und auch Rich Melzer konnte seinen Offensivrebound nicht mehr verwerten.
Somit scheiterten die Phantoms-Korbjäger erneut bei dem Versuch, endlich eines der Spitzenteams zu schlagen. Der Tabellenzweite Ulm triumphierte vor der Saison-Rekordkulisse von 4300 Fans mit 88:86 (52:52) und qualifizierte sich vorzeitig für die Pokalrunde der Top-Sechs. Die Phantoms können noch nachziehen, wenn sie ihre restlichen Hinrundenbegegnungen am Montag in Göttingen und nächsten Samstag gegen Bayreuth gewinnen. "Aber wir hätten unsere Fans natürlich gern mit einem Heimsieg beglückt", bedauerte Trainer Sebastian Machowski. Entsprechend geknickt ging Jorovic vom Feld, nachdem er zuvor vier von sechs Dreiern getroffen und somit zusammen mit LaMarr Greer und Immanuel McElroy erst die enge Schlussphase ermöglicht hatte.
Denn eigentlich sah es drei Minuten vor dem Ende nach einer klaren Niederlage der Braunschweiger aus. Elf Punkte lagen sie hinten (70:81), weil sie ihre starke Angriffsleistung aus der ersten Spielhälfte gegen eine aggressiver zupackende Ulmer Verteidigung nicht konservieren konnten.
In Hälfte eins boten beide Teams ein vorgezogenes Silvesterfeuerwerk mit Korbkrachern aus allen Lagen. Ein rasantes Auf und Ab auf höchstem Niveau, das die Fans von den Sitzen riss. Es gab kaum Fouls, somit wenig Unterbrechungen und dank Trefferquoten weit über 50 Prozent Punkte in Hülle und Fülle.
Dabei verteidigten beide Seiten schon leidenschaftlich. Aber die Angreifer trafen trotzdem, weil der Ball in Höchstgeschwindigkeit durch die Reihen gepasst wurde, bis ein freier Wurf erarbeitet war. Die Phantoms schafften es wie erhofft, Ulms Starcenter John Bryant zu kontrollieren und nicht viele Schnellangriffe zuzulassen. Und sie glänzten mit einer Traum-Dreierquote von 62 Prozent – 8 Treffer bei 13 Versuchen.
Hier war schon klar: Das würde sich wohl nicht durchhalten lassen. Und in der Tat, die Trefferquote der Phantoms sank von 56 Prozent zur Pause auf 43 Prozent, während die selbstbewusst auftretenden Gäste 54 Prozent halten konnten.
Hinzu kam zwischen der 27. und 35. Minute eine Serie von Ballverlusten, die Ulm zu leichten Punkten verhalf. Die Phantoms hatten kurzzeitig ihre Linie verloren, griffen zu überhastet an und gestatteten dem Gegner, nach starker Verteidigung einige Offensivrebounds. "Das sind solche Momente, die man sich nicht erlauben darf, wenn zwei Mannschaften auf gleichem Niveau aufeinandertreffen", klagte Machowski.
Doch sein Team kam noch zu seiner Siegchance. Mit cleveren taktischen Fouls, zwang es Ulm an die Freiwurflinie, von wo die Gäste vier Punkte verschenkten. Zwei Dreier von Greer, zwei von Jorovic, zwei Ballgewinne und zwei Freiwurftreffer von Mc Elroy – und die Phantoms hätten mit dem letzten Wurf gewinnen oder eine Verlängerung erzwingen können. Aber es sollte nicht sein.



