Rekorde purzeln beim Braunschweig-Marathon
Von Frank Rieseberg
Die Sieger liefen Veranstaltungsrekorde bei den Männern wie bei den Frauen. Nach 42,195 Kilometern und knapp 2:36 Stunden passierte Lars Rößler aus Jena am Sonntag die Ziellinie. Diese Bestzeiten bildeten für die Organisatoren Dieter Grabow und Manuela Engelstädter das Sahnehäubchen auf den 6. Braunschweiger Lauftag. "Gib Gas, du schaffst den Rekord", rief Grabow, der wüstenerprobte Braunschweiger Extremsportler, mit begeisterter Stimme via Mikrofon Rößler zu, als dieser auf die Zielgerade am Kohlmarkt einbog.
Für Rößler war es ein schöner Saisonabschluss, der hier nur zustande kam, weil der Lauf in Frankfurt schon ausgebucht war. Der ambitionierte 27-Jährige absolvierte seinen siebten Marathon. Seine persönliche Bestzeit – aufgestellt in diesem Jahr beim Lauf in Leipzig, wo er den vierten Rang belegte – verfehlte der Athlet zwar um sieben Minuten, doch das störte ihn nicht. "Ich hatte keine optimale Vorbereitung, weil ich längere Zeit verletzt war. Ich bin zufrieden mit mir", resümierte Rößler, der es auf bis zu 180 Trainingskilometer pro Woche bringt.
Halbmarathon, Läufe über fünf und zehn Kilometer für Erwachsene aller Altersklassen sowie ein Kinderlauf – die Königsdisziplin war nur eine Möglichkeit für Profis und Amateure, für Jogger und Fitness-Fans, für Vereinsläufer und Privatstarter, sich allein oder in der Gruppe dem Lauferlebnis hinzugeben. Rund 1500 waren dabei und genossen die optimalen Bedingungen bei Kaiserwetter. Mehr als 120 Helfer, unter anderem vom SV Blau-Gold, vom SV Lindenberg und vom Ultra-Lauf-Team, sorgten für einen reibungslosen Ablauf.
Im Bürgerpark teilten sich Fahrrad-Ausflügler, Sonntags-Spaziergänger und die Sportler die laubbedeckten, aber trockenen Wege. Immer wieder blieben Passanten hochachtungsvoll stehen, wenn Männer und Frauen mit Teilnehmer-Nummern über der Brust vorbeihetzten – und gaben spontan Applaus.
Das tat gut. Nicht nur im Ziel, wo mehrere Hundert Zuschauer die Renner mit ihren Anfeuerungen zu Endspurts verleiteten, die so mancher von sich nach Stunden der Strapazen auf der Strecke gar nicht mehr für möglich gehalten hätte. Für die allermeisten Starter zählte das Glücksgefühl, die Freude darüber, etwas gewagt und dann auch geschafft zu haben. Ganz öffentlich. Fantastisch!
Dankbar nahmen viele das kostenlose Angebot an, sich hinterher professionell massieren zu lassen. So wie Andreas Weis. Der 49-Jährige aus Wasbüttel (Landkreis Gifhorn) hatte den Halbmarathon in 2:06 Minuten geschafft. Um sein Handgelenk gewickelt war immer noch die ganz persönliche Marschtabelle. So wie Spielmacher beim Football ihre notierten Spielzüge mit aufs Feld nehmen.
"Demnach bin ich eine Minute zu spät ins Ziel gekommen. Aber das ist schon okay so", fand Weis, der sich monatelang vorbereit hatte – zweimal pro Woche läuft er 9 Kilometer, einmal 15. Und am Montagmorgen wollte er, zum 84. Mal in diesem Jahr, schon wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren – nach Braunschweig, 21 Kilometer weit.