Phantoms überzeugen nur im ersten Viertel
Ulm Braunschweigs Korbjäger kommen zum Play-off-Start in Ulm mit 79:101 unter die Räder. Im Heimspiel am Donnerstag wollen sie anders auftreten.
Die Zuversicht hielt am Samstagabend nur eine Viertelstunde lang. Danach kamen die Braunschweiger Basketballer zum Auftakt der Play-off-Viertelfinalserie beim Tabellenzweiten Ulm schnell unter die Räder und fanden kein Gegenmittel mehr. Mit 79:101 (36:47) mussten sie eine klare Niederlage hinnehmen. Wobei vor allem die Routiniers ab der 25. Minute wohl innerlich schon in den Schongang schalteten, als sie bei klarem Rückstand angesichts des wie entfesselt auftrumpfenden Gegners keine Siegchance mehr sahen.
Fest steht: Wenn die Phantoms am Donnerstag im Heimspiel (19.15 Uhr, VW-Halle) nicht ein anderes Gesicht zeigen, ist die Meisterrunde für sie schon vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. Denn auf Play-off-Niveau präsentierte sich die Mannschaft vor der lautstarken Kulisse der 6000 Ulmer Fans noch nicht. Dazu fehlten Intensität, Tempo, Cleverness und vor allem Biss von allen elf Akteuren. Von den sonstigen Leistungsträgern Immanuel McElroy, LaMarr Greer und Rich Melzer kam viel zu wenig, und in Branko Jorovic hatte sich der Topscorer der vergangenen Wochen mit Fouls völlig aus dem Spiel genommen.
Die Braunschweiger überraschten Ulm mit Nick Schneiders in der Startformation. Der Riese trumpfte mit seiner besten Saisonleistung vorne wie hinten stark auf, und die Phantoms gingen mit starker Reboundarbeit und gefälligem Kombinationsspiel 20:10 in Führung (8.). Aber Ulms Center John Bryant (15 Punkte) zeigte, warum er zum besten Spieler der Liga gewählt worden ist. Unter dem Korb kam er gegen Schneiders und später Kyle Visser nicht richtig zum Zug, und so wich er einfach nach draußen aus. Mit zwei Dreiern in Folge brachte er sein Team zur ersten Viertelpause heran (16:21) und ließ noch zwei weitere folgen. Diese Stärke hatten die Braunschweiger nicht auf dem Zettel. „Das nehme ich auf meine Kappe“, sagte Trainer Sebastian Machowski.
Weshalb die Ulmer aber schon bis zur Halbzeit weit an den Phantoms vorbeigezogen waren, hatte einen anderen Grund. Spielmacher Per Günther drückte ab dem zweiten Viertel aufs Tempo und war dabei nicht zu bremsen. Jeder Fehlwurf der Braunschweiger wurde mit einem Schnellangriff bestraft. Und weil sie den Ball nicht so schnell und so klug bewegten wie zuletzt, gab es in dieser Phase viel zu viele Fehlwürfe. „Die haben uns im ersten Viertel eingeschläfert und dann mit ihrem Tempospiel zugeschlagen“, ärgerte sich Sportdirektor Oliver Braun. Es sei die Anspannung und Aufregung vor der Play-off-Premiere gewesen, meinte hingegen Nationalspieler Günther (15 Punkte), die sein Team etwas zögerlich hatte starten lassen.
„Fastbreaks und Dreier, das waren eine für uns tödliche Kombination“, beschrieb Machowski die Phase zwischen der 9. und 25. Minute, in der Ulm ins Spiel zurückfand und es entschied. „Wir haben leider nur im ersten Viertel guten Basketball gezeigt.
In der zweiten Hälfte killte Bryant gleich mit seinem vierten Dreier im vierten Versuch den Phantoms-Elan, Visser und Co. wurden nun unter dem Korb viel härter bearbeitet. Und als sich dann Jorovic, nachdem er gerade seinen ersten Wurf getroffen hatte, mit einer abfälligen Geste gegen die Schiedsrichter und somit einem technischen Foul, seinem vierten, praktisch für den Rest des Spiels selbst ausgewechselt hatte und Ulm auf 58:41 (25.) weggezogen war, da brannte das Play-off-Feuer nur noch in wenigen Braunschweiger Augen.
Fast jeder Versuch einer Aufholjagd der unermüdlichen Michael Umeh, Nick Schneiders, Kyle Visser, Nils Mittmann oder Igor Milosevic wurde von den Ulmern um Topscorer Isaiah Swann (23 Punkte) zudem mit einem Dreier beantwortet und somit im Keim erstickt. Insgesamt trafen die Gastgeber 15 von 29 ihrer Dreipunktewürfe. Dagegen war am Samstag kein Kraut gewachsen.
„Wir haben in der Verteidigung zu viele Fehler gemacht, die Dreier nicht verhindert, die Fastbreaks nicht gestoppt und den Ball nicht gut laufen lassen – diese Kombination war einfach zu viel, um hier um den Sieg mitspielen zu können“, resümierte Machowski. „Aber ich gehe davon aus, dass unser Spiel am Donnerstag anders aussieht.“ Noch ist nichts verloren für die Phantoms. Auch in den beiden vergangenen Jahren waren sie mit einer klaren Auswärtsniederlage in die Play-offs gestartet und hatten nach drei Spielen 2:1 geführt.
Phantoms: Umeh 23, Schneiders 11, Milosevic 9, Mittmann 8, Visser 7, Greer 7, Melzer 6, Theis 4, Jorovic 3, McElroy 1, Schröder.
