Phantoms triumphieren gegen den Spitzenreiter
Braunschweig Braunschweigs Basketballern gelingt beim ersten Heimsieg gleich ein Hunderter. Der als Tabellenführer angereiste BBC Bayreuth wird 100:69 überrollt.
Wer dabei war, rieb sich die Augen, und wer nicht dabei war, wird es angesichts des Ergebnisses tun: Nach zwei deklassierenden Niederlagen haben sich Braunschweigs Basketballer eindrucksvoll zurückgemeldet und den ersten Heimsieg sogar mit einem „Hunderter“ gefeiert. Ausgerechnet gegen den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter BBC Bayreuth um den starken Ex-Braunschweiger Jason Cain (12 Punkte, 9 Rebounds, 4 Vorlagen) spielten sie groß auf und schickten die Gäste mit einer dicken 100:69 (51:37)-Packung nach Hause.
Trainer Kostas Flevarakis hatte die Pleiten gegen Hagen und Bonn auf die hohe Belastung mit vier Spielen in elf Tagen zurückgeführt und mehr Entwicklungs- und Trainingszeit gefordert für sein Team. Am Samstagabend demonstrierten die Phantoms gegen die Oberfranken dann, was sie mit ihrer ersten kompletten Trainingswoche anzufangen wussten.
Im Vergleich zum frustrierenden jüngsten Heimauftritt gegen Bonn zeigten sich die Braunschweiger wie verwandelt. Mit einer Körpersprache, als hätten sie und nicht der Gegner eine Siegesserie von vier Spielen im Rücken, verteidigten energiegeladen, trafen hochprozentig und konterten jeden Versuch der Bayreuther, nach ihrer ersten deutlichen Führung nochmal in Schlagnähe heranzukommen.
„Die Jungs haben heute gezeigt, dass das keine faule Ausrede war letzte Woche. Wir wissen schon, was wir machen“, erklärte Flevarakis, wie er die neuen Kräfte bei seinen Schützlingen freigesetzt hatte. „Erstmal muss man daran glauben, dass man etwas kann.“ Da machte sich auch der Groll bemerkbar, den der Grieche angesichts der vielen kritischen Stimmen aufgebaut hatte, die schon nach vier Spieltagen an der Ligatauglichkeit der Mannschaft zumindest stark gezweifelt hatten. „Ich war mir sicher, dass wir heute ein anderes Gesicht zeigen würden“, meinte Flevarakis.
In der Tat. Die Leistungsträger sowieso, aber auch all seine Sorgenkinder präsentierten sich am Samstag stark. Nick Schneiders gefiel als Abwehrbollwerk und unter anderem mit einem spektakulären einhändigen Alley-hoop-Dunking, als er einen Pass von Dennis Schröder aus der Luft in den Korb krachen ließ. Sein Centerkollege Eric Boateng präsentierte sich nach seiner ersten richtigen Trainingswoche mit den Phantoms schon viel besser integriert. Thad McFadden traf vier Dreier bei nur einem Fehlversuch, genauso wie Robert Kulawick, und Casey Mitchell meldete sich mit 23 Punkten als Topscorer zurück.
Schon zum Ende des ersten Viertels setzten sich die Braunschweiger durch einen Dreier des in Hälfte eins groß auftrumpfenden Dennis Schröder beim 25:17 etwas ab, bauten den Vorsprung noch in Hälfte eins auf 17 Punkte aus und gerieten nie mehr in Gefahr. Die Bayreuther, denen Topscorer Bryan Bailey kurzfristig wegen eines Magen-Darm-Virus ausgefallen war, und die trotz ihres starken Tabellenplatzes nicht zu den Spitzenteams der Liga zu zählen sind, kamen nur zu Beginn der zweiten Hälfte noch einmal kurz auf neun Punkte heran. Dann zogen die wie aus einem Guss spielenden Phantoms unaufhaltsam weg. „Wir spielen super zusammen, keiner ist eigensinnig, das zeichnet uns aus“, meinte der starke Schröder zufrieden. Der mit einer Leistenzerrung angeschlagene Harding Nana half dem Team gute elf Minuten lang, konnte sich dann aber entspannt zur Schonung auf die Bank setzen.
Der Schlüssel zum klaren Erfolg war nur bedingt die starke Trefferquote aus der Distanz. Entscheidend war die starke Verteidigung, die den Gegner oft in Zeitnot brachte und zu 18 direkten Ballverlusten zwang. „Wir können nicht immer so stark treffen wie heute“, bilanzierte Flevarakis angesichts der 18 Dreier bei 27 Versuchen, die die Phantoms verwandelt hatten. „Aber es muss immer möglich sein, solch leidenschaftliche Verteidigung zu spielen, richtige Entscheidungen zu treffen auf dem Feld und den Ball so gut zu bewegen.“ Damit kann man auch Spiele gewinnen, wenn die Distanzwürfe nicht so gut sitzen, sollte das heißen, und auch Schröder meinte: „Wenn wir weiter so verteidigen wie heute, werden wir noch viele Spiele gewinnen.“
„Unsere Leistung heute war sehr ermutigend“, resümierte der Trainer, holte sein Team aber gleich wieder auf den Teppich: „Wichtig ist, dass die Jungs begreifen, dass es ab Montag wieder bei Null losgeht.“
Nächsten Sonntag fahren die Braunschweiger zum Spitzenteam Oldenburg, trainiert von ihrem Ex-Coach Sebastian Machowski.
Phantoms: Mitchell 23 (4/6 Dreier), Schröder 16 (4/6 Dreier, 5 Rebounds, 5 Vorlagen, 3 Ballgewinne), Kulawick 14 (4/5 Dreier), McFadden 12 (4/5 Dreier), McElroy 10 (6 Vorlagen, 3 Ballgewinne), Boateng 7, Schneiders 6 (3 geblockte Würfe), Nana 6, Davis 6, Mittmann.
