Phantoms scheitern an Ulms Offensivkunst
Braunschweig Die Braunschweiger haben es nicht geschafft, ihren Heimvorteil in einen Sieg umzuwandeln. Nach der hauchdünnen 94:96-Niederlage gegen Ulm steht es in der Viertelfinalserie 0:2.
Das bittere Ende der Partie am Donnerstag hat bei Braunschweigs Basketballern noch bis in den späten Abend hinein für Empörung gesorgt. Völlig aufgebracht warf Trainer Sebastian Machowski nach der Schlusssirene sein Sakko auf die Bank und sagte das angefragte Fernseh-Statement ab. „Diese Entscheidung des Spiel wollte ich nicht kommentieren“, begründete er. Denn es seien ja nicht die Spieler gewesen, die diese Partie entschieden hätten.
„Ein Schiedsrichter darf kein Spiel entscheiden, das ist eine alte Regel“, schimpfte Sportdirektor Oliver Braun über den Pfiff von Moritz Reiter zwei Sekunden vor Schluss. Der hatte gegen LaMarr Greer ein Offensivfoul verhängt, als dieser im letzten und möglicherweise siegbringenden Angriff der Phantoms mit dem ihn attackierenden Nationalspieler Per Günther zu Boden gegangen war.
Um die Schwere von Greers schützender oder möglicherweise stoßender Armbewegung zu beurteilen, müsste man wohl diverse Zeitlupen bemühen. Jedenfalls waren vergleichbare Aktionen in den 39:58 Minuten zuvor auch nicht gepfiffen worden. Die Braunschweiger sind auf Günther nicht gut zu sprechen. „Das war ein Deja-vu“, sagte Machowski. Vor zwei Jahren hatte sich der Nationalspieler in ähnlicher Manier vor Heiko Schaffartzik geworfen, und dessen siegbringender Dreier war wegen angeblichen Offensivfouls nicht anerkannt worden.
So war es ein doppelt schmerzhaftes Ende der Heimpartie, mit der die Phantoms die Viertelfinal-Serie eigentlich hatten ausgleichen wollen. Stattdessen heißt es nach der 94:96 (51:47)-Niederlage nun 0:2. Und die Chancen, am Sonntag in Ulm ein zweites Heimspiel zu erkämpfen, stehen nicht gut. Denn dazu müsste das Machowski-Team, das erneut auf den verletzten Robert Kulawick verzichten musste, ein Mittel gegen die Ulmer Offensivkünste finden.
Das war am Donnerstagabend im nun schon fünften Aufeinandertreffen der Saison wieder nicht gelungen. Spielerisch leicht kombinierten sich die Gäste immer wieder durch die Phantoms-Verteidigung oder düpierten sie mit Schnellangriffen.
Dafür überzeugten die Braunschweiger über weite Strecken selbst mit gutem Angriffsspiel. Zwar vereitelte die Ulmer Verteidigung wie schon im ersten Viertelfinale die schnellen Ballstaffetten und somit leicht herausgespielte Korberfolge.
Aber dank ihrer individuellen Klasse punkteten die Phantoms trotzdem mit guter Trefferquote (50%). Und weil sie zudem deutlich besser reboundeten als das beste Reboundteam der Liga und sich 17 Offensivabpraller schnappten, bekamen sie auch genügend zweite Würfe, um Ulms noch bessere Trefferquote (59 %) nahezu wettzumachen.
Die Güte dieses Offensivfeuerwerks auf beiden Seiten verdeutlicht am besten die Punkteverteilung: Fünf Phantoms trafen zweistellig, aber beim Gegner waren es sogar sechs Spieler.
Am Ende hätte man den Gegner eben doch ein paar Mal mehr stoppen müssen, um die Partie zu gewinnen. Doch nach dem Führungsdreier Greers, der insgesamt vier wichtige Dreier in Ulmer Drangphasen hinein traf, eine gute Minute vor Schluss zum 94:93, mussten die Phantoms durch den in der zweiten Hälfte aus allen Lagen punktenden Tommy Mason-Griffin das 94:95 hinnehmen. 5,3 Sekunden blieben für den letzten Angriff, doch dann kam der Pfiff.
Stimmen
Sebastian Machowski: „Wir haben über weite Strecken ein gut es Spiel geboten, was leider am Ende nicht belohnt wurde. Wir schaffen es nicht, Ulm vom Punkten abzuhalten. In der zweiten Hälfte haben wir da mehr Fehler gemacht, haben uns auskontern lassen und am Ende auch den Offensivrebound für Ulms erneute Führung zugelassen. Unser Ziel war es, ein zweites Heimspiel zu erkämpfen, und das werden wir nun am Sonntag in Ulm nochmal versuchen. Ich hoffe nicht, dass das mein letztes Heimspiel war.“
Kyle Visser: „Die Ulmer sind wirklich eine sehr gute Offensivmannschaft mit vielen Waffen von überall. Wir haben nicht genug Stopps geschafft. Der Pfiff am Ende war sehr hart. Klar war da ein Kontakt, aber das ist ein Play-off-Spiel und es waren die letzten Sekunden. Man hofft immer, dass sie die Spieler die Partie entscheiden lassen. Nun werden wir es Sonntag wieder versuchen.
In Ulm ist es zwar schwer zu gewinnen, aber dass ein Team eins anderes sechsmal in Folge schlägt, wäre auch ungewöhnlich. Wir hoffen, dass wir den Braunschweiger Fans noch ein Spiel bieten können.“
Rich Melzer: „Wir haben nicht schlecht verteidigt, aber Ulm hat einfach auch ganz schwere Schüsse getroffen. Wir hätten es nicht auf den letzten Angriff ankommen lassen dürfen.“
Spiel kompakt
Braunschweig – Ulm 94:96 (51:47)
Viertel: 28:27, 23:20, 20:29, 23:20
Phantoms: Melzer 19 (46 %, 6/6 Freiwürfe), Greer 16 (71 %, 4/6 Dreier), Umeh 14 (50 %, 5 Ballverluste), Visser 12 (71 %, 8 Rebounds), Jorovic 12 (45 %, 7 Rebounds), Schneiders 9 (100 %, 5 Rebounds), McElroy 8 (4 Assists), Milosevic 4 (29 %), Mittmann (5 Rebounds), Schröder.
Ulm: Bryant 20 (82 %, 8 Rebounds), Esterkamp 16 (67 %, 3/5 Dreier), Nankivil 14 (80 %), Mason-Griffin 13 (50 %, 4 Assists), Swann 12 (6 Assists), Watts 10, Günther 7 (6 Assists), Betz 4.
Teamvergleich: 50:59 % Trefferquote, 10/28:8/19 Dreier, 14/18:14:19 Freiwürfe, 42:23 Rebounds, 15:21 Assists, 12:7 Ballverluste, 5:8 Ballgewinne.
