Phantoms rutschen dicht heran an die Abstiegsränge
Berlin Auch in der dritten Partie in Folge gegen eines der Spitzenteams waren Braunschweigs Korbjäger chancenlos. In Berlin gab es eine 58:80-Niederlage.
Mit versteinerten Mienen standen Braunschweigs Basketballer gestern Abend auf dem Bahnsteig des Berliner Ostbahnhofs und warteten auf ihren ICE. Geredet wurde nicht, die Niederlage beim Spitzenteam tat zu weh. Denn das 58:80 (27:43) in der Hauptstadt besiegelte zum Abschluss der Hinrunde das ernüchternde Tabellenbild, auf dem die Phantoms ganz tief unten, nur einen Platz und zwei Punkte über den Abstiegsplätzen, zu sehen sind.
Zudem hatten sie auch die Gelegenheit vertan, mit einem knappen Ergebnis gegen den Favoriten vom Parkett zu gehen. Trainer Kostas Flevarakis war vor allem deswegen sehr sauer. „Wir hätten dieses Spiel besser beenden müssen“, schimpfte der Grieche. „Ich bin es gewohnt, dass meine Teams bis zur letzten Sekunde um jede Ergebnisverbesserung kämpfen, aber wir haben uns heute aufgegeben.“
Zunächst nämlich hatten seine Schützlinge durchaus Behauptungswillen gezeigt und sich erfolgreich gegen eine hohe Pleite gestemmt.
Mit einem fulminanten ersten Viertel hatten die – nach fünf Niederlagen in Bundesliga und Europaliga in Folge – hochkonzentriert, entschlossen und aggressiv loslegenden Gastgeber die Braunschweiger auf dem falschen Fuß erwischt. Fünf Minuten konnten die Phantoms mithalten. Dennis Schröder brachte sie per Dreier sogar 15:14 in Führung.
Aber dann warf sich Alba in einen Rausch, traf aus allen Lagen, unter anderem fünf von sechs Dreiern, während sich bei den Braunschweigern selbst bestens herausgespielte freie Distanzwürfe nicht durch den Ring senken wollten. In dieser Phase hätte auch jeder andere Erstligist gegen die bärenstarken, tief besetzten Berliner den Kürzeren gezogen, die sich schon vor der Halbzeit auf 18 Punkte absetzten.
Die Phantoms taten das einzig Richtige, sie behielten die Ruhe und setzten auf eine allmähliche Wiederannäherung an den enteilten Favoriten. Sie durften darauf setzen, dass sich die überdurchschnittliche Trefferquote des Gegners (77% im ersten Viertel, 64% zur Halbzeit) mit guter Verteidigung deutlich herunterarbeiten lassen würde.
Und das gelang. Obwohl die Phantoms offensiv nicht richtig überzeugen konnten, brachte sie der im Schlussviertel endlich auftrumpfende Harding Nana vom 22-Punkte-Rückstand (27:49, 23.) auf 46:58 (33.) beziehungsweise 49:61 (34.) heran und Alba-Trainer Sasa Obradovic ins Schwitzen.
Hier hätte Flevarakis ein Festbeißen seiner Profis erwartet, den Versuch, unter die psychologisch wirksame Zehn-Punkte-Schwelle zu kommen, höchste Konzentration also. Doch die ließen die Phantoms vermissen. Eine Schläfrigkeit hier, ein dummes Foul dort, und schon stand es wieder 70:51 (36.). Die Standpauke in der Kabine war den Profis sicher.
Sie hatten es verpasst, mit einem Mutmacher-Endspurt Richtung Rückrunde zu starten, die am Samstag in Bonn beginnt. Stattdessen hinterließen sie unter dem Strich einen schwachen Eindruck, besonders im Angriff. Nur Schröder bot dort konstant gute Minuten auf Augenhöhe mit den Klasse-Gegenspielern. Kämpferisch gefielen noch Immanuel McElroy und Erik Boateng. Thad Mc Fadden, Jermaine Anderson und Nana tauchten nur mal kurz für ein paar Punkte in Folge aus der Versenkung auf, der Rest gar nicht.
„Konstanz ist der Schlüssel aus dem Tabellenkeller“, bilanzierte Flevarakis. „Einige Schlüsselspieler müssen sich erheblich steigern.“

