Phantoms ringen Tübingen 89:78 nieder
Braunschweig Nach vier Bundesliga-Niederlagen gingen die Braunschweiger Korbjäger wieder auf Erfolgskurs. Der Sieg brachte die Rückkehr auf einen Play-off-Platz.
Zu bejubeln gab es nichts, aber das Durchatmen gen Hallendecke war gestern bei allen Braunschweiger Basketballern zu sehen. Da fiel eine Menge Last ab auf dem Weg in die Kabine, die Erleichterung stand Branko Jorovic und seinen Kollegen ins Gesicht geschrieben.
Nach vier Bundesliga-Niederlagen in Folge hatten sie dem Druck standgehalten, gegen Verfolger Tübingen unbedingt gewinnen zu müssen. „Wir wussten, dass die Play-offs auf dem Spiel stehen“, sagte Jorovic, der beim 89:78 (47:28) zusammen mit Immanuel McElroy der herausragende Phantoms-Akteur war. „Und wir hatten im Training unsere Intensität nochmal hochgeschraubt.“
„Wir haben alle gespürt, dass es nicht richtig gelaufen ist bei unseren Niederlagen – der Druck war relativ groß, und er ist jetzt ein bisschen abgefallen“, empfand auch Robert Kulawick. „Aber wir dürfen jetzt natürlich nicht nachlassen.“ Diese auf die nächsten Begegnungen gemünzte Aussage umzusetzen, fiel den Phantoms im Spiel allerdings schwer.
Unglaublich konzentriert und bis in jeder Körperfaser energiegeladen hatten sie losgelegt und den Gästen zunächst keine Chance gelassen. Mehrfach überschritten die Tübinger gegen die starke Verteidigung ihre Angriffszeit oder warfen weit am Korb vorbei. Ab ging die Post bei Braunschweiger Schnellangriffen, und über 22:7 (9.) setzen sie sich auf 41:20 (18.) ab.
Die Spieler hatten ihr Vergnügen mit Tempo-Ballstaffetten wie aus dem Lehrbuch, und die Fans natürlich auch. Die Taktik in Angriff wie Verteidigung ging hundertprozentig auf. Und in der Halbzeit wurde auf den Rängen schon übermütig davon geschwärmt, dass man nach der 31-Punkte-Niederlage im Hinspiel vielleicht sogar den direkten Vergleich noch gewinnen könne.
„In der ersten Hälfte haben wir wirklich viel richtig gemacht, mit der Leidenschaft und dem Feuer, das man in eigener Halle haben muss, guten Basketball gezeigt und den Gegner kontrolliert“, freute sich Trainer Sebastian Machowski.
Aber die Tübinger steckten auch nach der 51:28-Führung der Phantoms kurz nach der Pause nicht auf. Allmählich fanden sie Gegenmittel gegen die Braunschweiger Dominanz, agierten hinten immer aggressiver und zogen vorne energischer zum Korb. Ihre Trefferquote stieg, und plötzlich wurde klar, wie die Mannschaft zuletzt vier Spiele in Folge gegen Gegner wie Oldenburg und München gewonnen hatte.
„Wir hatten plötzlich etwas zu verlieren, und der Gegner überhaupt nicht mehr“, beschrieb Jorovic die mentale Seite. Gegen Tübingens Zonenverteidigung erspielten sich die Phantoms zwar freie Würfe, trafen aber nicht mehr gut. „Wenn man eine so komfortable Führung hat, passiert es, dass man ein bisschen locker lässt, und das wird in der Bundesliga eben knallhart bestraft“, kommentierte Kulawick.
Bis auf 65:59 (35.) arbeiteten sich die Schwaben im Schlussviertel heran, die Phantoms-Fans mussten bangen. Doch Immanuel McElroy zeigte einmal mehr, dass er ein Führungsspieler ist. Er trat nicht nur mit einer eindruckvollen Sieger-Körpersprache auf, er versenkte auch in diesem Moment des Zweifelns den Dreier zum 68:59. Das war das entscheidende Signal. Sein Team behielt auch an der Freiwurflinie Nerven und brachte den Erfolg noch relativ souverän über die Bühne.
„Mit der zweiten Hälfte kann man natürlich nicht zufrieden sein, immerhin haben wir 50 Punkte abgegeben“, resümierte Machowski. Aber unter dem Strich habe das Team verdient gewonnen. „Die einzige Kritik ist, dass wir es nicht verstanden haben, den Sack früher zuzumachen. Dann hätten wir auch noch ein bisschen mehr durchwechseln können.“
