Phantoms lassen sich Heimsieg noch entreißen
Wie gewonnen, so zerronnen. Mit einer völlig unnötigen Heim-Niederlage im Niedersachsenduell gegen die Artland Dragons Quakenbrück haben Braunschweigs Erstliga-Basketballer ihren Sieg in Ludwigsburg wieder entwertet. Statt sich in der Tabelle in den Play-off-Rängen festzusetzen, finden sie sich nach der 71:72 (29:40)-Niederlage im grauen hinteren Mittelfeld wieder.
Am Ende war es Pech, dass der Gegner einen Notwurf traf und Branko Jorovic den letzten freien Schuss für die Phantoms nicht versenkte. Verloren hatte das Team von Trainer Sebastian Machowski die Partie aber durch die unerklärliche Schwächephase zuvor.
Statt dem angeschlagenen Gegner, der auf zwei Leistungsträger aus der Startformation verzichten musste, gleich zu zeigen, wer Herr im Haus ist, traten die Phantoms verhalten auf. Vorne lief zunächst wenig zusammen, weil der Gegner auf ihre Systeme gut eingestellt war und nach dem Hase-und Igel-Prinzip immer schon da stand, wo die Phantoms hinwollten. Hinzu kam Wurfpech bei eigenen gut herausgespielten Schüssen und Wurfglück bei den Quakenbrückern. Die starteten mit fünf Dreiern bei acht Versuchen, holten zudem zu viele Offensivrebounds und setzten sich auf 19:34 (15. Minute) ab.
Machowski stellte die Verteidigung um, und mit einer aggressiven Zonenpresse gelangen erste Erfolgserlebnisse noch vor der Pause. Bis dahin hatte einzig Center Kyle Visser überzeugt, der am Ende mit 21 Punkten bei nur einem Fehlwurf, neun Rebounds und im Laufe des Spiels auch immer besserer Verteidigung gegen Quakenbrücks Anthony King auch der herausragende Phantoms-Akteur war.
Nach dem Seitentausch hatten die Braunschweiger dann endlich ihr Spiel gefunden. Mit der Zonenverteidigung wurden die Gäste zu schlechten Würfen gezwungen, ihre Trefferquote sank rapide. Und die Reboundhoheit lag nun auf Seiten der Phantoms, die eine ganze Serie von Schnellangriffen liefen. Branko Jorovic brachte das Team in der 27. Minute erstmals in Führung (47:46).
Als Nick Schneiders bei einem spektakulären Alley-hoop den Ball zum 63:57 in den Drachen-Korb stopfte (33.), schien alles auf einen Heimsieg hinauszulaufen. Die Braunschweiger hatten nun eine knappe Viertelstunde derart entschlossenen körperlich und spielerisch dominiert, dass kein Fan vermutete, dass die sich dieses Spiel noch aus den Händen nehmen lassen würden.
Defensiv arbeitete das Team weiterhin gut und eroberte den Ball. Aber vorne ging minutenlang der Faden verloren, als Quakenbrück auch auf Zonenverteidigung umgestellt hatte. Die Phantoms ließen ihre neue Entschlossenheit nun wieder vermissen. Vor allem Spielmacher Stephen Dennis wirkte viel zu zögerlich und entscheidungsschwach und ließ sich von Quakenbrücks Star David Holston auch noch den Ball aus der Hand stibitzen.
Da hätte man sich einen erfahreneren Spielgestalter wie Immanuel McElroy in der Verantwortung gewünscht. So aber durften die Gäste wieder Morgenluft wittern. Und als LaMarr Greer den ersten Feldkorb nach viereinhalb Minuten Leerlauf traf, war das nur noch der Ausgleich zum 66:66 (37.).
Die Artland Dragons setzten sich durch vier Freiwurftreffer von Anthony Hilliard sogar auf 66:70 ab. Dann kam reines Pech dazu. Nach LaMarr Greers Dreier zum 69:70 eine Minute vor Schluss, verteidigten die Braunschweiger bärenstark. Doch in letzter Sekunde der Angriffszeit zirkelte Holston im Rückwärtsfallen von der Außenlinie einen Notwurf irgendwie doch noch in den Korb. Der hätte wohl sogar drei Punkte zählen müssen, die Schiedsrichter gaben aber nur einen Zweier zum 69:72.
Visser verkürzte zum 71:72. Und nachdem die Phantoms abermals leidenschaftlich und erfolgreich bis zum Ablauf der Quakenbrücker Angriffszeit verteidigt hatten, blieben ihnen die letzten 7,6 Sekunden, um selbst den siegbringenden Wurf einzunetzten. Aber Jorovic scheiterte von außen.
Ein Ende wie vergangene Woche in Ludwigsburg, nur mit umgekehrten Vorzeichen. „Wir haben heute einen Heimsieg verschenkt, weil wir uns nicht clever genug angestellt haben“, resümierte Machowski sauer. Und nur ein Erfolg hätte auch die schwache erste Hälfte vergessen lassen, in der das Team den Fans nach der Pleite gegen Berlin erneut nicht den Biss bot, mit der ein Play-off-Anwärter zu Hause auftreten muss. „Wir haben leider erst nach der Pausenansprache mit der Aggressivität gespielt, die nötig ist, um in der Bundesliga Spiele zu gewinnen“, rügte der Trainer.
Phantoms: Visser 21 Punkte (9 Rebounds), Jorovic 13, Mc Elroy 9, Greer 9, Dennis 6 (6 Vorlagen), Schneiders 5, Mittmann 3, Kulawick 3, Melzer 2, Schröder.



