Phantoms kommen in Bamberg unter die Räder
Keine Fernsehkameras, kein Titelkampf, kein Grund zur Nervosität – diesmal es ging "nur" um zwei Punkte. Punkte, die man nicht einplanen musste auf Braunschweiger Seite. Denn Gastgeber Bamberg ist in seiner herausragenden Frühform die Übermannschaft der Basketball-Bundesliga und obendrein seit mehr als einer Saison in eigener Halle unbezwungen.
Auch wenn die Sensation nicht gelingt, lässt sich in solch einer Situation Selbstvertrauen erarbeiten: Wenn man sich gut schlägt als Gast, wenn man dem Meister ärgert und ihn zwingt, an seine Grenzen zu gehen. Gelingt das nicht, fährt man als Play-off-Anwärter wenigstens mit einer akzeptablen 20-Punkte-Niederlage nach Hause, die am nächsten Tag abgehakt werden darf.
Braunschweigs Basketballer allerdings haben gestern nichts von alledem vollbracht. Nach nur sechs Minuten Gegenwehr (12:16) ließen sie sich von dem noch im Europaliga-Schwung loslegenden Top-Favoriten demütigen und ergaben sich wie schon gegen Berlin früh in ihr Schicksal. Nicht, weil sie nicht kämpfen wollten, sondern weil sie kein Mittel fanden, dies effektiv und geschlossen genug zu tun.
Die blamable 57:95-Niederlage, bei der sie zwischenzeitlich sogar mit 42 Punkten hinten gelegen hatten, kann nun nicht einfach abgehakt werden. "Wir haben absolut nicht auf dem Level gespielt, das nötig ist, um in dieser Liga zu bestehen", sprach Trainer Sebastian Machowski Klartext und nahm das Wort Play-offs schon gar nicht mehr in den Mund.
Mit ihrem erschreckend schwachen Auftritt hatten seine Mannen ihr gerade erst in Oldenburg aufgebautes Selbstvertrauen und Teamspiel demontiert – Perspektive ungewiss. Dass sie anfangs bei jedem Bamberger Angriff von dem mit Doppel-Meister-Bonus agierenden Schiedsrichter-Trio ein Foul angekreidet bekamen und Spielmacher Steven Dennis deshalb nach vier Minuten schon wieder auf die Bank musste, war hart für die Phantoms. Aber sicher kein Grund für wirre Aktionen und hängende Köpfe gegen den gewohnt fehlerarm, mit Irrsinns-Tempo und abgebrüht aufspielenden Favoriten.
"Wir können doch nicht alles über Bord werfen, bloß weil der Gegner ein bisschen wegzieht", schimpfte Machowski. In solchen Phasen sei es erst recht wichtig, dass sich jeder auf die Details des Teamspiels besinnt.
Stattdessen tauchte die eine Hälfte seiner Profis gegen den hohen körperlichen Druck der Bamberger ab (McElroy, Kulawick), die andere wurde hyperaktiv und begann erfolglos auf eigene Faust zu zocken (Greer, Williams, Melzer). Die Folge: 15 Ballverluste schon zum Seitentausch. Auch die Halbzeitpause brachte kaum Besserung. Der Kampfgeist der einen Aktion verpuffte durch einen Fehler in der nächsten.
"Wir sind heute wieder in individuelle Aktionen zurückgefallen", rügte Machowski. "Das ist nicht der Basketball, den wir spielen wollen–auch nicht, wenn wir mit 30 Punkten zurückliegen."

