Phantoms gelingt Befreiungsschlag bei den Bayern
München Braunschweigs Korbjäger feiern auch ohne Mittmann und McFadden einen Überraschungscoup. Nach vier Niederlagen gelingt 78:73 (37:37)-Sieg in München
Sie hatten als krasser Außenseiter nicht viel zu verlieren und haben ihre Chance genutzt: Braunschweigs Basketballer sorgten mit ihrem Triumph beim Ligakrösus München für die Überraschung des Spieltages. Der verdiente 78:73 (37:37)-Sieg war nach vier bitteren Niederlagen in Folge ein eindrucksvolles Lebenszeichen.
Und Trainer Kostas Flevarakis durfte sich bestätigt fühlen in seiner Aussage, dass die Phantoms nicht zu schwach sind für die Bundesliga, sondern zuletzt nur nicht mit dem auf ihnen lastenden Druck zurecht kamen. „Die Spieler haben sich unter Wert geschlagen gefühlt, und heute haben sie bis zum Schluss eine enorme Entschlossenheit gezeigt“, freute sich der Grieche, der die gesamte Trainingswoche über neben hartem Training auch viele Gespräche auf das Tagesprogramm gesetzt hatte.
Ohne den Druck, einen „Pflichtsieg“ landen zu müssen, spielten die Braunschweiger hochkonzentriert, mit viel Biss und einem guten taktischen Konzept befreit auf. Und sie konnten ihr Niveau diesmal auch über 40 Minuten halten, führten die meiste Zeit und behielten im Schlusskrimi die Nerven. So gelang nach Pleiten gegen andere Kellerkinder der dritte Saisonerfolg auch wieder gegen ein Team aus der oberen Tabellenhälfte.
„Das war unheimlich wichtig für uns“, sagte Sportdirektor Oliver Braun erleichtert. „Ich hoffe, das bringt der Mannschaft das Selbstvertrauen für die nächste Heimaufgabe gegen Gießen.“ Braun wollte den Tag aber nicht vor dem Abend loben. „Wir nehmen das mit, aber wir wissen, dass noch viel zu tun ist.“
Den Ausfall der Verletzten Nils Mittmann und Thad McFadden konnten die Phantoms wegstecken, weil die anderen Leistungsträger auf diesen Positionen allesamt einen starken Tag erwischten. Nana Harding spielte auf der Position vier fast durch, auf der er sich sonst mit Kapitän Mittmann abwechselt. Und der Kameruner war mit 23 Punkten bei guter Quote inklusive vier Dreiern einer der herausragenden Braunschweiger Akteure.
Im Spielaufbau hatte sich Flevarakis diesmal ebenfalls etwas Neues überlegt. Dennis Schröder und Jeremiah Davis standen beide in der Startaufstellung und lieferten gemeinsam und später auch abwechselnd sehr starke Leistungen ab. „Ein Schlüssel für den Sieg war, dass wir heute volle 40 Minuten gute Impulse von der Spielmacherposition bekommen haben“, analysierte der Coach.
Die dritte treibende Kraft von außen war Immanuel McElroy, und unter dem Korb drehte Center Eric Boateng vor allem in der zweiten Hälfte stark auf. Dabei kam den Braunschweigern auch entgegen, dass Münchens Center-Schwergewicht Jared Homan aus disziplinarischen Gründen nicht mitspielen durfte. Den für ihn in den Kader gerückten Aleksandar Nadjfeji hatten die Phantoms im Griff.
Von Anfang an demonstrierte das Flevarakis-Team den Bayern, dass es keineswegs als Punktelieferant angereist war. Von der Verunsicherung, die die Mannschaft in den Schlussphasen der vergangenen drei verlorenen Kellerduelle gezeigt hatte, war keine Spur mehr. „Wir hatten uns die ganze Woche darauf eingeschworen, dass wir in München gewinnen wollen“, sagte Nana. „Schon um uns die lange Rückfahrt zu versüßen, wie damals in Trier.“
Die Phantoms spielten vorbildlich geschlossen und kämpferisch eine starke Verteidigung, die von den Münchenern kaum zu überwinden war, wenn sie es nicht mit einem der (zu) vielen Schnellangriffe schafften.
Vorne überraschten die Phantoms Bayern mit ihren Angriffsystemen. Bloß nicht so viele Dreier der besten Dreiermannschaft der Liga kassieren, hatte Münchens Trainer Yannis Christopoulos als Devise an seine Verteidiger ausgegeben. Dementsprechend versuchte der Favorit, viel Druck auf den Außenpositionen auszuüben. Und das nutzten die Phantoms und zogen immer wieder erfolgreich zum Korb. Allen voran Dennis Schröder. Vor den Augen von Bundestrainer Svetislav Pesic legte der 19-Jährige los wie die Feuerwehr und führte sein Team mit acht Punkten im ersten Viertel zu einer Elf-Punkte-Führung 22:11 (9.).
Erwartungsgemäß fand der Favorit eine Antwort. Als nicht mehr die Stars Tyrese Rice und Yatam Halperin die Defensivarbeit gegen Schröder und Co. übernahmen, sondern die deutschen Defensivspezialisten Steffen Hamann und Demond Greene, erlahmte der Braunschweiger Angriff. Die Münchener übernahmen durch einen Rice-Dreier zum 31:30 erstmals die Führung.
Aber die Phantoms blieben im Spiel. „Wir hatten uns fest vorgenommen, diesmal unsere Defensive konstant durchzuziehen, auch wenn wir vorne mal ein, zwei Angriffe erfolglos sind“, erläuterte Nana. Das Vorhaben gelang. Und wie das so ist, wenn man stark verteidigt, erwächst dadurch auch Selbstvertrauen für die Offensive. Zwölfmal wechselte in der Folgezeit noch die Führung, aber um mehr als vier Punkte ließ Braunschweig den Favoriten nie wegziehen (41:37, 21.). Immer wieder konterte das Team Münchener Versuche, endlich die Wende herbeizuführen.
Beim 59:61 lagen die Phantoms noch hinten. Dann glich McElroy aus, und Nana und dann Davis punkteten je zweimal in Folge. Davis schaffte einen Dreier zur 69:65-Führung drei Minuten vor Schluss, dann das 73:67 bei noch 1:24 Minuten auf der Uhr, nachdem zwischenzeitlich McElroy einmal getroffen und dann dem Gegner den Ball stibitzt hatte Nun hatten die Phantoms den Sieg in der Hand und ließen ihn sich auch nicht mehr nehmen. München foulte, und der ansonsten enttäuschende Casey Mitchell traf vier Freiwürfe, die den Coup perfekt machten.
„Das war eine tolle Teamleistung von uns“, sagte Boateng. „Es war eine gute Sache, dass wir mit Jeremiah, Mac und mir zu Beginn drei gute Ballhandler auf dem Feld hatten“, meinte Dennis Schröder. „Da waren wir sehr variabel im Angriff.“ Topscorer Nana legte den Blick mehr auf das Ende: „In den letzten fünf Minuten sind wir zuletzt immer als Mannschaft auseinandergefallen. Aber heute haben wir an uns geglaubt und den Fokus nie verloren.“
Phantoms: Nana 23 (58%, 4/7 Dreier, 7 Rebounds, 6 Fouls gezogen, 4 Ballverluste, 3 Ballgewinne), Davis 14 (56%), Schröder 13 (40%, 8 Rebounds, 6 Vorlagen, 5 Ballverluste, 5 Fouls gezogen), McElroy 13 (50%, 4 Rebounds), Boateng 9 (80%, 6 Rebounds, 4 Blocks), Mitchell 6 (20%, 5 Rebounds), Kulawick, Schneiders, Land.
