Phantoms gefallen hinten, sind aber vorne zu schwach
Frankfurt 59:61 in Frankfurt – die schwarze Serie der Braunschweiger Bundesliga-Basketballer dauert nun schon zehn Jahre.
Selbst aus dem Umfeld der erleichterten Skyliners-Profis gab es Mitleidsbekundungen für Braunschweigs Basketballer. Denn es war wie immer in Frankfurt: Toll gekämpft, Siegchance erarbeitet und doch verloren. Auch der zehnte Anlauf, vom Angstgegner die Punkte mitzunehmen, misslang den Phantoms. Das 59:61 (29:26) war die dritte knappe Niederlage in Folge.
Von Abstiegskampf wollte Kapitän Nils Mittmann aber nicht sprechen. „Klar müssen wir uns nach unten orientieren. Aber es macht keinen Sinn, sich jetzt schon verrückt zu machen“, meinte er. Schließlich sei die Saison erst acht Spieltage alt. „Und es ist sicher auch nicht der richtige Weg für unsere Psyche, nun noch mehr Druck aufzubauen.“
Der Kapitän hätte sein Team mit der Schlusssirene jubeln lassen können. Doch sein Dreier, der den Sieg bedeutet hätte, ging daneben. Aber es war nicht Mittmanns Fehler, denn er hatte von Immanuel McElroy völlig überraschend einen schlechten Pass bekommen und musste den Schuss ohne Balance abfeuern. McElroy hingegen hatte sich toll zum Korb durchgetankt und hätte selber werfen – und eben nur die Verlängerung erzwingen – müssen.
Eine symptomatische Aktion. Mehrfach hatten McElroy oder ein Kollege in guter Position kurz vor dem Korb den Ball nochmal nach außen gepasst. Und wenn es läuft für eine Mannschaft, dann sitzen die folgenden Dreier auch, dann ist die Aktion mannschaftsdienlich. Steht das Team aber unten und plagt sich im ganzen Spiel schon mit einer schwachen Trefferquote herum, so wie die Phantoms, dann wirkt es wenig selbstbewusst, dann wird die Verantwortung weitergeschoben.
Trotzdem boten die Braunschweiger den Gastgebern dank ihrer abermals sehr starken Verteidigung einen packenden, leidenschaftlichen Kampf um jeden Ballbesitz und lagen bis zum 35:37 (28.) vorne. Doch dann musste der immer besser spielende Center Eric Boateng mit dem vierten Foul auf die Bank. Die Phantoms verloren kurzzeitig die Konzentration, und ihre Schwächephase mit drei Ballverlusten schien die Skyliners auf die Siegerstraße zu bringen. 48:37 stand es nach Schnellangriffen plötzlich, und weil Frankfurts Ted Scott drei Dreier in Folge traf, auch noch 54:43 (34.).
Elf Punkte in sechs Minuten aufzuholen, wo man im ganzen missratenen dritten Viertel nur acht erzielt hatte, schien fast nicht möglich. Doch Casey Mitchell, zuvor kaum zu sehen, zeigte doch noch seine Scorerqualitäten. Mit vier Dreiern im Schlussviertel brachte er sein Team auf 55:53 (37.) heran. Frankfurt konterte zum 60:53, doch Harding Nana und Mittmann trafen ebenfalls von außen zum 60:59.
Die Verteidigung erzwang einen Ballverlust des Gegners, und nun blieben den Phantoms 41 Sekunden, um den Rückstand in einen Sieg zu verwandeln. Aber der ansonsten verbesserte Miah Davis verdaddelte diesen Angriff. Frankfurts Scott traf nur einen Freiwurf zum 61:59, und den Braunschweigern blieben noch 16 Sekunden für Verlängerung oder Sieg.
Bei allem Pech, das ihnen wieder einmal in der Schlussphase an den Händen klebte: Ihre Offensive war mit 34 Prozent Trefferquote zu schwach, um zu gewinnen. Kein Braunschweiger Profi erreichte sein oberes Leistungsniveau, keiner konnte die Mannschaft offensiv tragen. Und diese Schwächen ließen sich eben mit engagiertem Teamspiel auch nicht ausgleichen. „Wir spielen eine der besten Verteidigungen der Liga“, resümierte Trainer Kostas Flevarakis. „Aber offensiv müssen einfach von jedem Spieler ein paar Prozent mehr kommen.“



