Phantoms enttäuschen auf der ganzen Linie
Quakenbrück Bei ihrer 80:101-Pleite beim Tabellenvierten Quakenbrück kommen Braunschweigs Basketballer nicht mal in die Nähe einer Siegchance.
Der gute Eindruck vom Mittwochs-Heimspiel gegen München war am Samstagabend schnell weggewischt. Bei den Artland Dragons scheiterten die Phantoms-Korbjäger deutlich bei dem Versuch, endlich einen Sieg bei einem über ihnen stehenden Team zu landen. Schlimmer noch: Sie waren meilenweit davon entfernt und kassierten mit 80:101 (47:53) einen schmerzhaften „Hunderter“.
Da es der Wille ja wohl nicht gewesen sein wird, fehlte den Braunschweigern im dritten Spiel der englischen Woche offensichtlich die Energie, eine Leistung auf Play-off-Niveau abzurufen. Dabei hatten sie geglaubt, gegenüber Quakenbrück in dieser Hinsicht einen Vorteil zu haben. Schließlich hatten die Artland Dragons vom Mittwoch in Ludwigsburg zwei Verlängerungen und die nächtliche Heimreise in den Knochen. „Erstaunlich, wie frisch die Dragons dafür waren“, wunderte sich Phantoms-Trainer Sebastian Machowski.
Statt den Gegner unter Druck zu setzen und zu versuchen, ihn mürbe zu machen, wirkte sein Team von Anfang an pomadig. In der zweiten Hälfte, als der Frust hinzu kam, schafften es die Phantoms nicht einmal, eine physische Präsenz wie im Training abzurufen.
Das Vorhaben, besser zu verteidigen als beim 88:91 (korrigiert) gegen die Bayern, missriet ihnen von Anfang an. In nahezu jedem Angriff gelang es den Gastgebern, einen halbwegs freien Wurf herauszuspielen, und wenn der nicht traf, per Offensivrebound eine zweite Chance zu erkämpfen. „Wir haben es nicht verstanden, den Gegner vom Werfen abzuhalten“, rüffelte Machowski seine Profis.
Zunächst war das nicht schlimm, denn auch Branko Jorovic und Co. versenkten ihre erneut schön herausgespielten Würfe hochprozentig. Am Ende lässt sich über die Offensivbilanz von 80 Zählern mit 51 Prozent Trefferquote und 21 Vorlagen – auch noch auswärts erzielt – nicht meckern.
„Aber im Angriff gewinnt man halt keine Spiele auf dem Niveau“, zitierte Machowski die bekannte Weisheit. Topscorer Rich Melzer lieferte das beste Beispiel, woran des krankte: Er erzielte zwar 18 Punkte mit guter Quote, war mit seiner Alibi-Verteidigung gegen den starken Nathan Peavy (17 Punkte/6 Vorlagen) aber Wegbereiter für noch mehr Zähler auf der Gegenseite.
Die Quakenbrücker hingegen, die in ihrem letzten Heimspiel vor den Play-offs vor eigenem Publikum nochmal ein Ausrufezeichen setzen wollten, schafften es in der entscheidenen Phase, die Braunschweiger Trefferflut einzudämmen. Mit aggressiverer, härterer Verteidigung kauften sie den Phantoms im dritten Viertel den Schneid ab und zogen von 53:49 auf 76:57 davon. Eine heftige Dreierserie prasselte auf die Braunschweiger ein. Insgesamt versenkten die Dragons 14 Distanztreffer bei 29 Versuchen, wobei die Würfe größtenteils mit schnellen Passstaffetten auch mustergültig freigespielt waren. Viel zu behäbig bewegten sich die Phantoms zu den Schützen, kamen immer mindestens einen Schritt zu spät. „Als wir selbst nicht mehr getroffen haben, haben wir den Faden komplett verloren“, schimpfte Machowski.
Mit der Umstellung auf eine Zonenpress-Verteidigung gelang es dem seinem Team Ende des dritten Viertels, dem Gegner nochmal Sand ins Getriebe zu streuen und den 19-Punkte-Rückstand auf 65:77 zu verringern. Ein Hoffnungsschimmer für die mitgereisten Fans. Da schien noch etwas möglich im Schlussabschnitt.
Doch in mehreren Angriffen in Serie scheiterten die Phantoms nun durch Ballverluste und Offensivfouls gegen die noch intensiver zupackenden Dragons. Quakenbrück fand allmählich Lösungen gegen die neue Verteidigung und warf sich wieder ein. Insgesamt trafen die Gastgeber starke 57 Prozent ihrer Würfe. „Das war unsere beste Offensivleistung seit langem“, frohlockte ihr Trainer Stefan Koch.
Auf Machowski wartet diese Woche viel Arbeit. Denn dieser Auftritt dürfte von der Mannschaft nicht so schnell abgehakt werden können. Nächsten Sonntag kommt Oldenburg, am Mittwoch darauf Bonn. Und nachdem die Verfolger allesamt gewonnen haben und Frankfurt schon auf Platz sieben vorbeigezogen ist, müssen die Phantoms beide Heimspiele gewinnen, wenn es doch noch klappen soll mit den Play-offs. „Da wollen wir definitiv noch hin“, sagte der Trainer.
Phantoms: Melzer 18, Jorovic 15 (6 Vorlagen), Umeh 10, Visser 9 (6 Rebounds), McElroy 6 (5 Rebounds), Milosevic 6, Greer 6 (5 Vorlagen), Schneiders 4, Kulawick 3, Mittmann 3, Schröder. (Daniel Theis fehlte verletzt wegen seines Fersensporns)

