Phantoms bestehen Nervenschlacht in Ludwigsburg
Von Ute Berndt
Mit dem zweiten Sieg im viertem Auswärtsspiel haben sich Braunschweigs Basketballer wieder aus dem Tief der Bamberg-Pleite gearbeitet. Sie haben Format bewiesen und sich die lange Heimfahrt aus Ludwigsburg versüßt. Zum ausgelassenen Jubel allerdings war nach dem Herzschlagfinale beim 70:69 (39:34)-Erfolg gegen den mutmaßlichen Play-off-Rivalen allerdings keine Energie mehr da. Dieser Endspurt hatte geschlaucht – weniger körperlich, aber mental.
Denn wie schon in Oldenburg drohten die Braunschweiger sich als eigentlich bessere Mannschaft noch um den Sieg zu bringen. 66:60 führten sie vier Minuten vor Schluss, hatten den Gegner scheinbar im Griff, schlossen aber die nächsten drei Angriffe überhastet mit Ballverlusten und einem schwachen Dreier von LaMarr Greer erfolglos ab.
Die Gastgeber, die in eigener Halle noch ungeschlagen waren, kamen per Dreier heran. 1:18 Minute vor der Schlusssirene stand es 70:69 aus Phantoms-Sicht, und nach einem Rebound von Immanuel McElroy blieben 27 Sekunden bei eigenem Ballbesitz, um den Vorsprung auszubauen. Doch anstatt die Aufgabe spielerisch zu lösen, was das Team vorher so stark gemacht hatte, ließ es Greer erneut auf einen Notwurf von außen ankommen. Er ging vorbei, und dem Gegner blieben sechs Sekunden für den Siegtreffer. Doch zum Glück für die Phantoms traf Alex Harris nicht – gewonnen!
"Wir haben zu viele Flüchtigkeitsfehler gemacht, die auch hätten bestraft werden können. Am Ende war es ein glücklicher Sieg, aber er war nicht unverdient", kommentierte Trainer Sebastian Machowski und machte seiner Mannschaft ein Kompliment für den beherzten und spielstarken Auftritt. Sie kann nun, trotz des harten Auftaktprogramms, erstmal durchatmen, steht mit ausgeglichenem Punktekonto im Tabellenmittelfeld. "Unsere gute kämpferische Leistung gibt uns Kraft und Energie für die nächsten Aufgaben", meinte der Trainer erleichtert.
Die Verteidigungstaktik der Phantoms ging diesmal auf. Keine der berüchtigten Ludwigsburger Schnellangriffe kassieren, bloß nicht dem Gegner dadurch Selbstvertrauen geben, hieß die Maxime. Und sie wurde bestens umgesetzt. Die Braunschweiger, die auf die angeschlagenen Nick Williams und Daniel Theis verzichteten, begannen sehr konzentriert und kompakt. Der Rückschlag kam, als der bärenstarke Kyle Visser schon nach sechs Minuten mit zwei Fouls belastet auf die Bank musste. Nun fehlte dem Team ein die Masse unter dem Korb. Ludwigsburg kam dort nun leichter zu Punkten und holte auch noch recht viele Offensivrebounds.
Aber die Phantoms hatten eine andere Waffe gefunden: ihre Dreier. Weil der Gegner sehr darauf bedacht war, unter dem Korb dicht zu machen und auch oft eine Zonenverteidigung spielte, ergab sich außen Platz.Und mit blitzschnellen Pässen fanden die Phantoms ihre freien Mitspieler.
So wurde Nils Mittmann gegen sein altes Team zum Helden der ersten Hälfte. Der Phantoms-Kapitän, der wieder in die Startformation zurückgekehrt war, begann mit vier Treffern bei vier Versuchen und hatte nach einer Viertelstunde schon 14 Punkte erzielt. Insgesamt versenkte das Team sieben von elf Dreiern bis zur Halbzeit und setzte sich zwischenzeitlich bis auf acht Punkte (29:337, 19.) ab.
Es war natürlich klar, dass die Braunschweiger diese phänomenale Dreierquote von 64 Prozent nicht würden halten können und dass die Gastgeber sich zudem die freien Würfe nicht noch eine Spielhälfte lang gefallen lassen würden. Ludwigsburg stellte die Verteidigung um. Die Folge: Die Phantoms warfen zwar noch munter weiter, trafen aber keinen einzigen Wurf mehr von ganz draußen.
Aber dafür kam nach dem Seitentausch ja Visser zurück. Und prompt hatte sein Team unter dem Korb wieder alle Optionen, fand zu einem starken Innenspiel zurück und stand hinten massiv.
Die zweite Hälfte war dennoch ein packender Schlagabtausch. Die Ludwigsburger suchten ihr Heil in aggressivem Zug zum Korb, erkämpften sich viele Freiwürfe und gingen mit drei Zählern (49:46, 26.) in Führung. Im Schlussviertel allerdings dominierten wieder die Phantoms mit relativ abgeklärter Verteidigung und guter Reboundarbeit. Sie verdienten sich den Sieg, und es wäre schlimm gewesen, wenn sie ihn noch aus der Hand gegeben hätten.
Phantoms: Mittmann 14 (83 Prozent Trefferquote), Melzer 14, Mc Elroy 11, Visser 10, Dennis 8, Greer 7, Jorovic 3, Schröder 2, Schneiders 1, Kulawick.


