Peinlicher Filmriss gegen den Tabellenletzten
Braunschweig Braunschweigs Basketballer kassieren nach hohem Vorsprung und katastrophaler Schluss-Viertelstunde mit 70:76 gegen den MBC die dritte Heimniederlage.
Braunschweigs Basketballer stecken im Tabellenkeller. Nach einem unerklärlichen Filmriss mussten sie sich am Samstagabend dem als Tabellenletzter angereisten Mitteldeutschen BC mit 70:76 (45:32) geschlagen geben. Statt Anschluss nach oben zu knüpfen, fielen sie nach einer katastrophalen Schlussviertelstunde in ein Jammertal und ließen die 3106 Zuschauer nach der dritten Heimniederlage fassungslos zurück.
Denn die zunächst stark verteidigenden und ordentlich angreifenden Phantoms schienen angesichts ihrer 59:43-Führung aus der 26. Minute und einer gewissen Dominanz und Spielkontrolle einem sicheren Sieg entgegenzusteuern. „Dieses Spiel darf man nicht mehr verlieren“, schimpfte Sportdirektor Oliver Braun. „Die Mannschaft hat in der Halbzeit den Kopf ausgeschaltet.“
Die bis dahin klar unterlegenen Gäste stellten ihre Defensive angesichts der hohen Phantoms-Führung auf Zonenverteidigung um und schienen Braunschweigs Offensive damit den Stecker aus der Steckdose gezogen zu haben. Zwei schlaue Angriffe über Nils Mittmann zum 63:49 (28.) brachten die Gastgeber sogar noch zustande. Doch sie versäumten, so entschlossen weiterzumachen, und dann ging gar nichts mehr. Der Weißenfelser Korb war wie vernagelt.
Erfolglose Dreierversuche und Ballverluste wechselten sich ab, der Gegner witterte Morgenluft und traf plötzlich aus allen Lagen. „Wir haben die richtig aufgebaut“, analysierte Kapitän Nils Mittmann. „Plötzlich sind wir offensiv wie defensiv von unserer Linie abgekommen“, wunderte sich Trainer Kostas Flevarakis. Dabei habe er sein Team in der Halbzeit noch ermahnt, die Gäste würden wohl mit einer verbesserten Zonenverteidigung zurückzuschlagen versuchen, und es sei höchste Konzentration erforderlich. Stattdessen erlitt sein Team eine haarsträubende 0:20-Punkte-Serie.
Nach fast zehnminütigem Blackout weckte Casey Mitchell wieder Hoffnung auf ein gutes Ende. Er traf zum 65:69 dreieinhalb Minuten vor Schluss und mit einem Dreier zum 68:71 mit noch gut zwei Minuten zu spielen. Doch es lief nichts mehr zusammen bei den Braunschweigern. Der MBC ließ sich seinen zweiten Saisonerfolg nach sechs Niederlagen nicht mehr entreißen.
Die letzte Viertelstunde verloren die Phantoms erschreckend klar mit 11:33. Viel zu einfallslos, ja teilweise hilflos wirkten sie in der Schlussphase mit ihrem wilden Geballer von außen. „Wir haben uns nicht mehr bewegt und nicht mehr den Korb attackiert“, analysierte der Trainer.
Ihm fehlte ein abgebrühter Anführer und Lenker auf dem Feld. Youngster Dennis Schröder, der wieder eine herausragende Leistung in Hälfte eins mit 13 Punkten geboten hatte, war mit dieser Rolle in der neuen Drucksituation und gegen die Zone, gegen die er seine Schnelligkeit nicht so nutzen konnte, natürlich noch überfordert. Und sein Spielmacherkollege Jeremiah Davis saß nach pomadiger Vorstellung zu recht draußen.
Flevarakis versuchte mit immer kleineren, beweglicheren Aufstellungen eine Lösung, scheiterte aber, weil die Phantoms nun nach ihren Serien von Fehlwürfen auch keinen Rebound mehr bekamen. Vielleicht hätte da doch Center Eric Boateng auf dem Feld bleiben sollen, der diesmal mit starker Verteidigung und elf Rebounds sogar noch einer der besten Braunschweiger neben Mittmann, Schröder und Harding Nana war.
Phantoms: Mitchell 18 (43%, 3/8 Dreier, 3 Ballverluste), Nana 14 (50%, 6 Rebounds), Schröder 13 (55%, 3 Ballverluste), McElroy 7 (60%, 3 Vorlagen), Mittmann 6 (43%, 7 Rebounds), Land 3, Boateng 2 (11 Rebounds), McFadden 2 (17%), Kulawick 2, Davis 2 (3 Ballverluste), Schneiders 1.

