Nils Mittmann glaubt ans Halbfinale
Braunschweig Reisen nach Ulm sind für Nils Mittmann eigentlich Routine. Der Phantoms-Kapitän spielte an der Donau, lernte dort seine Frau Caroline kennen.
Nun zum Play-off-Duell anzureisen, sorgt allerdings auch bei ihm für besonderes Herzklopfen. „Aber in den Spielen werden alle Freundschaften ruhen“, betont Mittmann. Wo sie nun schon ihren Wunschgegner Ulm fürs Viertelfinale bekommen haben, wollen Braunschweigs Basketballer auch zuschlagen. Sinnbildlich. „Das soll aber nicht respektlos gegenüber den Ulmern klingen. Sie scheinen uns im Vergleich zu den Alternativen Bamberg und Berlin nur am ehesten in einer Play-off-Serie schlagbar“, verdeutlicht der Kapitän. „Aber es wäre natürlich ein Fehler zu sagen, alles läuft für uns, die hauen wir jetzt locker weg.“
Das Selbstvertrauen seiner Mannschaft rühre aus den Erfahrungen in den Punktspielen, sagt Trainer Sebastian Machowski. Das Heimspiel ging erst mit dem letzten Wurf verloren, in Ulm hatten die Braunschweiger bis kurz vor Schluss geführt. „Wir glauben daran, dass wir ganz gute Chancen haben, aber das müssen wir natürlich jetzt beweisen.“
Mit höchster Anerkennung urteilt Mittmann über die Entwicklung seines ehemaligen Vereins: „Da ist ein Basketball-Hype entstanden.“ Der Klub ist mit seinem 3,5 Millionen-Etat an den Phantoms vorbeigezogen, hatte erst die alte Kuhberghalle und seither die neue 6000-Zuschauer-Arena stets ausverkauft, und seine Fans brauchen sich in Sachen Lautstärke und Fanatismus vor den Bambergern nicht zu verstecken.
„Sie haben viele gute Einzelspieler und daraus eine sehr homogene Mannschaft geformt, die diszipliniert und leidenschaftlich spielt und im Gegensatz zu uns vor großen Verletzungen verschont war“, erklärt der Braunschweiger, warum Ulm zu Recht Zweiter geworden sei. Der zum besten Spieler der Liga gewählte Center John Bryant und Topscorer Isiah Swann stechen noch besonders hervor.
Die Phantoms könnten dafür ihren tieferen Kader in die Waagschale werfen, auf den großen Positionen variabler spielen und hätten die größere Play-off-Erfahrung, vergleicht Mittmann.
Dass sie als Hauptrunden-Siebter (korrigiert) beim Zweiten nur Außenseiter sind, stört die Braunschweiger überhaupt nicht. Schließlich hatten sie schon in den vergangenen Jahren den Heimvorteil des Gegners schnell wettgemacht. Passend dazu hat das Ulmer Hallen-Magazin „OrangeZone“ ausgerechnet, dass das Heimrecht in den Play-off-Serien der BBL nur zu 57 Prozent zum Erfolg führt.
Auch der Coup der Bonner, die im ersten Viertelfinale am Donnerstag Meister Bamberg die erste Heimniederlage auf nationaler Ebene seit 49 Spielen zugefügt hatten, beflügelt die Phantoms. In den Play-offs geht es eben bei Null los. „Der Heimvorteil produziert auch hohen Druck – wir kommen gern als Underdog“, sagt Mittmann. „Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen, ins Halbfinale einzuziehen.“
•1. Viertelfinale („best of five“): Ulm – Phantoms, heute, 19 Uhr, Arena



