Nicht schön, aber erfolgreich
TRIER. "Auswärtsfahren ist schön", skandierten die acht mitgereisten Phantoms-Fans kurz vor Spielende, als klar war, dass ihre Mannschaft das Parkett in der Arena Trier als Sieger verlassen würde. Wobei mit dem Wort "schön" gestern einzig und allein das Endergebnis von 63:52 (31:29) zugunsten der Braunschweiger gemeint war.
Denn schön war die Art und Weise, wie der vierte Saisonsieg zustande gekommen war, nun wirklich nicht. Und es gibt für Fans, und seien sie noch so hartgesotten, sicherlich auch Schöneres, als an einem frühen Sonntagmorgen zu einer 500 Kilometer langen Bulli-Fahrt in den westlichsten Zipfel Deutschlands aufzubrechen –und erst spät in der Nacht wieder ins heimische Braunschweig zurückzukehren.
Aber sei’s drum! Einen Schönheitspreis gibt es im Sport, sieht man einmal vom Tanzen, Turmspringen und Dressurreiten ab, nunmal nicht zu gewinnen. Letztendlich zählt das nackte Ergebnis–und zumindest das stimmte gestern aus Sicht der Niedersachsen. "Man muss das positiv sehen", konstatierte Phantoms-Coach Sebastian Machowski deshalb auch: "Wir haben zwei wichtige Punkte auf dem Weg in die Play-offs gesammelt." Recht hat er!
Gleichwohl: Play-off-würdig war der gestrige Auftritt der Phantoms bei den bis dato punktgleichen Moselstädtern, wenn überhaupt, nur in der Defensive. Die knapp 3300 Zuschauer sahen hüben wie drüben ein an Offensiv-Höhepunkten armes Spiel. "Da ist bei uns noch viel Luft nach oben", räumte Braunschweigs Kapitän Nils Mittmann selbstkritisch ein. "Wenn wir den Ball besser laufen lassen, tun wir uns leichter."
Das jedoch gelang den Niedersachsen viel zu selten. Stattdessen brachte sich das Team durch hanebüchene Ballverluste immer wieder selbst in Bedrängnis. Nur gut, dass Trier, das kurzfristig auf den erkrankten John Bynum verzichten musste, die Qualität fehlte, um daraus Kapital zu schlagen.
Erschwerend hinzu kam, dass den Gästen in 40 Minuten gerade einmal sechs mickrige Freiwürfe von den diesmal wirklich guten Schiedsrichtern zugesprochen bekamen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass Machowskis Akteure viel zu selten den energischen Weg zum Korb wählten.
Seine Schützlinge hätten sich nicht immer an die Vorgaben, den sogenannten Game-Plan, gehalten, monierte der 39-Jährige. "Wobei man einfach auch mal anerkennen muss, dass Trier sehr gut verteidigt hat." Deshalb dauerte es bis weit ins dritte Viertel, ehe sich Visser und Co. erstmalig ein wenig absetzen konnten (46:36, 28.Min.). Diesen Vorsprung gaben sie auch nicht mehr aus der Hand.
Mit nunmehr 8:8 Punkten sind die Braunschweiger in der Bundesliga-Tabelle als Neunter nach wie vor auf Tuchfühlung zum begehrten achten Platz, der die Qualifikation für die Meisterschaftsrunde bedeutet. "Bei dem Startprogramm kann sich unsere Tabellenposition durchaus sehen lassen", betonte Machowski. Schließlich hat seine Mannschaft die Begegnungen gegen Hochkaräter wie Bamberg, Berlin, Quakenbrück oder aber auch München, wo Niederlagen durchaus eingeplant waren, bereits hinter sich.
Und das ist aus Braunschweiger Sicht: verdammt schön.


