Neu-Phantom Anderson gelingt Siegtreffer im Herzschlagfinale
Braunschweig Braunschweigs Korbjäger biegen nach schwacher erster Hälfte das Spiel gegen Ludwigsburg in letzter Minute um. 77:75 ist der zweite Heimsieg in Folge.
Es geht aufwärts, aber mit Mühe. Die Phantoms-Basketballer strapazierten am Samstagabend die Geduld ihrer 3550 Fans mit einer lange Zeit schwachen Leistung aufs Äußerste. Aber dann boten sie ihnen im Schlüsselspiel gegen Ludwigsburg nach einem packenden Herzschlagfinale doch das Happy-End für die gute Weihnachtsstimmung. Neuzugang Jermaine Anderson war es, der 19 Sekunden vor Schluss mit einem Dreier die erste Führung der Braunschweiger seit ihrem Auftaktkorb herauswarf. Und auch, wenn 19 Sekunden im Basketball sehr lang sind – dieser Treffer zum 76:75 war der Siegkorb.
Den folgenden Angriff des Gegners stoppte Robert Kulawick mit einem Ballgewinn und traf nach dem prompten taktischen Foul der Gäste einen Freiwurf vier Sekunden vor dem Ende. Und weil dann Ludwigsburgs Joshua Jackson seinen Dreier mit der Schlusssirene haarscharf daneben setzte, durften die Phantoms erleichtert jubeln. Das 77:75 (20:33) war ihr zweiter Heimsieg in Folge und der vierte Erfolg aus den vergangenen fünf Spielen. Dennoch wirkte das Team nach dieser Zitterpartie noch nicht, als könnte es nun souverän mal weiter nach oben schauen.
„Wir haben Fehler gemacht, die uns schon lange nicht mehr passiert sind“, rügte Kapitän Nils Mittmann nach seinem Comeback die erschreckende Vorstellung seiner Mannschaft in der ersten Hälfte. „Unser Spiel war zerfahren, und uns hat auch Biss gefehlt, aber zum Glück haben wir das nach der Halbzeit komplett abgestellt.“
Warum dieser Rückfall? „Die Jungs haben sich selbst zu viel Druck gemacht“, mutmaßte Sportdirektor Oliver Braun, und auch Trainer Kostas Flevarakis sah den Grund für den lange Zeit enttäuschenden Auftritt seiner Schützlinge in der mentalen Anspannung, dieses Schlüsselspiel unbedingt gewinnen zu müssen, um nicht wieder in den Tabellenkeller zu rutschen.
Nachdem die ersten, noch gut herausgespielten Würfe wieder aus dem Korb gesprungen waren, verloren die Phantoms ihre spielerische Linie. Einfallslos,statisch und zunehmend verzweifelt wurden die Angriffe abgespult. Damit waren die defensiv prima eingestellten Ludwigsburger nicht zu überwinden. Nach den zahlreichen Braunschweiger Fehlwürfen und Ballverlusten starteten sie stattdessen erfolgreiche Schnellangriffe. Nationalspieler Lucca Staiger (18 Punkte), Spielmacher Kammron Taylor (20) und Center John Turek (17) bekamen die Phantoms nie richtig in den Griff.
Während in der Halbzeit Immanuel McElroys Tochter Kira für den Vortrag eines Weihnachtsliedes in der Halle den bis dahin größten Applaus des Tages bekam, wurde es in der Kabine der Phantoms richtig laut. „Der Coach hat geschrien, alle haben geschrien, wir haben uns gepusht“, berichtete Topscorer Dennis Schröder, der mit 20 Punkten eine neue persönliche Bestmarke schaffte, dabei allerding ab und zu etwas eigensinnig wirkte. „Der Trainer hat uns aufgefordert, uns endlich den Lohn für unsere harte Trainingsarbeit zu holen“, verriet Robert Kulawick. „Die Halbzeit kam zum richtigen Zeitpunkt, wir konnten uns neu fokussieren.“
Mit viel mehr Schwung und hautenger Verteidigung über das gesamte Spielefeld legten die Braunschweiger los. Sie ließen den Ball viel besser und einfallsreicher laufen und attackierten den Korb. Der Lohn: Freie Würfe und endlich auch Treffer. Fast 60 Prozent ihrer Schüsse saßen nun, in Hälfte eins waren es nur 25 Prozent gewesen.
Mehrfach arbeiteten sich die Braunschweiger schon auf zwei Zähler Differenz heran (43:45, 27.; 62:64, 35.). Doch die Gäste hielten zunächst stark dagegen, zogen nochmal auf elf (31.) und später auf acht Punkte (62:70, 37.) weg. „Es war nur eine Frage der Zeit, wann wir sie einholen“, meinte Kulawick. Ob dieser Zeitpunkt noch vor der Schlusssirene liegen würde, war allerdings nicht so klar.
Doch das Spiel der Flevarakis-Mannschaft lief nun, Biss und Entschlossenheit waren zurück. Die Phantoms konnten die Schlinge in der Verteidigung immer weiter zuziehen, wobei eine kleine Aufstellung mit dem bis dahin enttäuschenden Harding Nana als Center ein guter Schachzug war. Zudem gewannen sie die Schlüsselrebounds und fanden vorne neue Optionen. Nachdem Schröder und Center Eric Boateng den Angriff lange Zeit nahezu allein getragen hatten, übernahmen nun weitere Spieler Verantwortung. Erst traf Kulawick drei Dreier im Schlussviertel, dann führte Anderson das Team vor seinem entscheidenden Dreier mit zwei Treffern erstmal auf Tuchfühlung zum Gegner. Im Schlussviertel demonstrierte der kanadische Nationalspieler, dass er die erhoffte Verstärkung sein kann.
Flevarakis lobte den großen Einsatz und Willen seines Teams in der zweiten Hälfte, mit dem es sich den Sieg auch verdient habe, urteilte er. Große Erleichterung war dem Coach anzumerken, dass die Mannschaft dem Heimpublikum nicht noch eine Niederlage gegen einen Konkurrenten aus dem Tabellenkeller zugemutet hatte.
„Dieser Erfolg war doppelt wichtig“, konstatierte der Grieche. Für die Tabelle und die Publikumszufriedenheit natürlich, aber auch für die Psyche seiner Schützlinge: „Wir können aus unserer Serie mit vier Siegen aus fünf spielen Selbstvertrauen ziehen, und wir wissen jetzt, dass wir ein Spiel auch noch gewinnen können, wenn wir mal schlecht spielen.“
Phantoms: Schröder 20 (31%, 10/10 Freiwürfe, 3 Vorlagen, 5 Ballverluste), Boateng 15 (78%, 6 Rebounds), Kulawick 10 (75%, 3/ 4 Dreier, 4 Rebounds, 2 Ballgewinne), Anderson 9 (67%, 3 Vorlagen), McElroy 9 (14%, 6 Rebounds, 3 Vorlagen, 2 Ballgewinne), Schneiders 5 (67%, 4 Rebounds), Nana 4 (20, 8 Rebounds), Mittmann 3 (20%), Davis 2, McFadden, Land.
